Google-Alternative: DuckDuckGo findet ohne Firlefanz

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Ein einziger Konzern hat die Internetsuche in weiten Teilen der Welt fest im Griff. Die Suchmaschine DuckDuckGo will an Googles Dominanz gar nicht viel ändern. Sie soll vielmehr eine Nische füllen: mit praktischen Funktionen und Datenschutz.

Suchen ohne Google: DuckDuckGo Fotos

Deutschland ist rekordverdächtig. 96 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland, sagt zumindest die Marktforschungsfirma Comscore, landen bei Google. Die Microsoft-Suchmaschine Bing kommt auf etwas über ein Prozent, die Yahoo-Suche liegt knapp drunter.

Der Suchmaschinenkonzern vermisst seine Nutzer, merkt sich, was wir suchen. Wenn die Nutzer außerdem noch ein Android-Smartphone besitzen oder bei Gmail angemeldet sind, funktioniert die Datensammlung noch besser. Jeder Klick wird gespeichert und ausgewertet, für bessere Ergebnisse - und damit Google passgenau Werbung verkaufen kann.

Die Suchergebnisse zweier Personen, die nebeneinander mit ihren Rechnern an einem Tisch sitzen, können so ganz unterschiedlich sein: Einmal zeigt die Trefferliste für Ägypten Seiten mit Reisetipps an, einmal Berichte über den Arabischen Frühling. Die Suchenden bekommen mehr von dem, was sie schon kennen. "Filter Bubble" nennt der Buchautor Eli Pariser diese Verzerrung.

Anti-Google aus Pennsylvania

Die Betreiber der Suchmaschine DuckDuckGo prangern das an, sie wollen es anders machen. Die Nutzer werden nicht ausgeforscht, versprechen sie, es gibt für alle die gleichen Ergebnisse. DuckDuckGo hat etwas von den frühen Google-Jahren. Eine simple Websuche, sonst nichts. Keine News, keine Fotos, kein E-Mail-Service.

Das Anti-Google ist die Idee von Gabriel Weinberg, einem Absolventen der Eliteuniversität MIT, der mit dem Verkauf eines Start-ups vor ein paar Jahren zehn Millionen Dollar verdient hat. Vor vier Jahren hat er DuckDuckGo gestartet. Der Name ist eine Variation von "Duck, Duck Goose", dem Namen eines Kinderspiels, das in Deutschland als "Der Plumpsack geht 'rum" bekannt ist.

Für ihre Trefferlisten zapft die Suchmaschine diverse offene Datenquellen an, darunter die Wikipedia, die Wissensmaschine Wolfram Alpa, die Rezensionseite Yelp, das Internetwitz-Verzeichnis knowyourmeme oder der Musikdienst LastFM. Dieser Ansatz erinnert ein wenig an die Metasuchmaschine MetaGer, die vor zehn Jahren recht beliebt war. Auch die durchsucht mehrere Quellen, darunter andere Suchmaschinen, und versucht nicht, Profile über die Nutzer anzulegen.

!Bang statt Bing

Mit kurzen Befehlen, genannt !Bang, kann man DuckDuckGo auf bestimmte Seiten wie Amazon ("Anonymous !a"), YouTube ("LikeLikeLike !yt") oder Google News ("Hamburg !n") loslassen. Aufgerufen wird dann direkt die Trefferliste der jeweiligen Seitensuche. Das ist praktisch, funktioniert als Abkürzung zu vielen verschiedenen, allerdings vor allem englischsprachigen Seiten.

DuckDuckGo versucht außerdem, über den Treffern als erstes Ergebnis eine Infobox anzuzeigen. So fördert die Suche nach bekannteren Personen zum Beispiel eine Trefferliste zu Tage, auf der als erstes eine Box mit Fotos und Links zu sehen ist. Instant Answer heißt diese Box, und wer möchte, dass seine Website den Nutzern der Suchmaschine nützliche Antworten liefert, wird eingeladen, ein eigenes Plug-in zu programmieren. DuckDuckGo hat eine Entwickler-Community, Teile des Suchmaschinen-Quellcodes stehen zum Download bereit.

Eine Suche nach "Kino in Hamburg" fördert bei DuckDuckGo und Google ähnlich brauchbare Treffer zutage. Bei Google allerdings werden gleich noch die aktuell laufenden Filme und Startzeiten angegeben, außerdem die Kinos auf Landkarten angezeigt. Das alles kann DuckDuckGo nicht bieten. Sucht man dort nach !maps, landet man bei Googles Kartendienst. Die freie Alternative, Open Street Map, lässt sich über !osm ansteuern.

Ein paar Millionen

DuckDuckGo-Erfinder Weinberg arbeitet in einem kleinen Büro außerhalb von Philadelphia. Seine Ambitionen sind überschaubar: Er will eine kleine, praktische Suchmaschine anbieten, vielleicht ein Prozent Marktanteil erreichen und an zurückhaltenden, klar gekennzeichneten Anzeigen verdienen. Momentan hat er vielleicht 0,2 Prozent, schreibt die "Washington Post". Google bekommt mehrere Milliarden Suchanfragen am Tag, DuckDuckGo ein paar Millionen.

Man kann trotzdem davon ausgehen, dass sich Google sehr genau anschaut, was DuckDuckGo anders macht. Die Infoboxen, die Google seit einiger Zeit zu bestimmten Suchtreffern einblendet, mit Fakten und Foto, gibt es bei DuckDuckGo jedenfalls schon länger.

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