Suchmaschinen-Alternativen: Clever suchen ohne Google

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Googlen Sie noch oder stöbern Sie schon? Das Web ist voller hochintelligenter Suchmaschinen, die sich problemlos mit dem Marktführer und seinem neuen Herausforderer Wolfram Alpha messen können. SPIEGEL ONLINE stellt alte und junge, große und kleine Suchdienste vor - und zeigt ihre Stärken.

Wolfram Alpha kann einem ein wenig leid tun: Nach Wochen des herbeigeschriebenen Hypes, der überzogenen Erwartungen an den "Google-Killer", macht sich nun deutlich die Produktenttäuschung breit. Gerade noch raunte und rumorte es in Blätterwald und Blogosphäre, gerade noch ergaben sich die Experten dem Gerüchte-Rausch, nun folgt wie im richtigen Leben der Kater: Wolfram Alpha entpuppt sich als eine Art Gegenteil von Google und Co. Wo Suchmaschinen viel wissen, dafür aber nichts genau, weiß "WA" sehr, sehr wenig - das dafür aber sehr präzise.

Wer also gehofft hat, nun die ultimative Suchmaschine serviert zu bekommen, mag enttäuscht sein. Wir alle werden darauf noch weiter warten müssen. Zum Glück kann man sich die Zeit mit Alternativen vertreiben, die mitunter deutlich bessere Ergebnisse zu bieten haben als Google oder WA.

Denn das Web ist voller Suchdienste - alte und junge, große und kleine, allgemeine und hochspezialisierte. Man hat das nur vergessen: Googles Dominanz, die natürlich auch den Qualitäten der Suchmaschine geschuldet ist, hat aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt, dass es konkurrierende Techniken gibt.

Marktanteile von Suchmaschinen weltweit
Suchmaschine Jun 09 1. Quartal 2009 2008 2005 Q1 2009 - 6/2009* 2005 - Q1 2009
Google - Global 81,22% 81,46% 78,99% 61,87% -0,24% 19,59%
Yahoo - Global 9,21% 10,06% 11,46% 17,08% -0,85% -7,02%
Microsoft (Bing + MSN+Live) 6,02% 4,81% 5,19% 12,48% 1,21% -7,67%
MSN - Global 0,05% 2,95% 3,15% 12,48% -2,90% -9,53%
AOL - Global 1,74% 1,89% 2,22% 3,95% -0,15% -2,06%
Microsoft Live Search 0,66% 1,86% 2,04% - -1,20%
Ask - Global 0,84% 0,97% 1,18% 1,16% -0,13% -0,19%
* Veränderung in Prozentpunkten / Quelle: Net Applications, Stand: 2.7.2009

In den ersten fünf, sechs Jahres des Webs war das selbstverständlich: Jeder Surfer probierte ständig neue Suchmaschinen aus, nutzte Maschine A für diesen, Maschine B für jenen Zweck. Trennte sich ohne große Sentimentalitäten von einer Suchmaske, wenn es eine neue, bessere gab. Erst Googles überwältigender Erfolg, die erdrückende mediale Präsenz des Unternehmens, hat das ändern können: Seit fast einem Jahrzehnt wirft Google einen sehr großen, sehr dunklen Schatten, in dem sich der Rest der Konkurrenz verbirgt.

Denn es gibt noch genug davon: Hochintelligente Suchmaschinen, die sich problemlos mit Google messen können - und mit den Diensten anderer großer Marken. Die darauf warten, ausprobiert und wieder entdeckt zu werden. In manchen Ländern ist das noch nicht einmal nötig: Nicht überall ist Google die führende Suchmaschine. Baidu, Naver, Seznam oder Yandex sind - jeder in seinem heimischen Markt - dominante Suchmaschinen, gegen die Google keinen Fuß auf den Boden bekommt. Für uns, in der Regel weder des Mandarin, der koreanischen Schrift noch des Russischen mächtig, sind sie keine Alternativen. Aber es gibt ja genügend andere.

Die kann man in mehrere Gruppen teilen: Es gibt klassische Crawler-Maschinen, die ähnlich wie Google das Web durchpflügen. Es gibt spezialisierte Anbieter, die etwa nur nach Videos wühlen oder die Wikipedia durchpflügen. Es gibt Metacrawler, die statt des Webs die Suchergebnisse anderer Maschinen durchsuchen und diese gebündelt, neu und teils besser geordnet anbieten. Und es gibt neue technologische Ansätze, die das Thema Orientierung im Web anders angehen, die Suche mit Semantik verbinden. In der Bildergalerie (siehe oben) stellen wir Ihnen eine ganze Reihe näher vor, im Linkverzeichnis unten finden Sie die gesammelten Adressen dazu.

Der Streifzug durch die Suchmaschinen-Szene im Schatten von Google, Yahoo und Co. lohnt sich. Es ist eine Wiederentdeckung: Den Suchbedürfnissen des Nutzers kommt oft eher die kleine, weniger bekannte, thematisch spezialisierte Maschine entgegen, als das große Suchangebot für Jedermann. Vor allem aber entdeckt man das Web neu, wenn man es auf neuen Wegen angeht.

Schon das ist ein Verdienst der Veröffentlichung von Wolfram Alpha - selbst wenn die intelligente Wolfram-Suche schon bald im Werkzeugkasten der Spezialisten verschwinden sollte und der Rest der Welt weiter googelt. Vielleicht knallt der Startschuss für Wolfram Alpha ja laut genug, uns nachhaltig daran zu erinnern, dass man zumindest ab und zu auch einmal woanders nachschauen könnte. Es gibt mehr als Wolfram und Google.

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insgesamt 78 Beiträge
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1.
Hador, 18.05.2009
Zumindest in der aktuellen Version erscheint mir Wolfram Alpha reichlich sinnfrei. Zunächst mal ist Wolfram Alpha keine Web-Suchmaschine und damit auch keine wirkliche Konkurrenz zu Google (auch wenn SPON das immer noch behauptet). Wenn überhaupt, dann ist Wolfram Alpha eher eine Konkurrenz zu Wikipedia, denn bei Wolfram Alpha geht es um Faktensuche. Das Problem ist bloß: Wikipedia gibts schon und ist sowohl was Umfang des Inhalts als auch was Bedienbarkeit angeht (Wolfram Alpha gibt doch oft sehr eigenwillige Ergebnisse auf einfache Suchbegriffe) IMO deutlich überlegen. Von daher wer braucht das?
2.
MarkH, 18.05.2009
Zitat von sysopDer Hype um Wolfram Alpha zeigt, dass es noch Raum für Innovationen bei der Informationssuche im Netz gibt. Welche Weiterentwicklungen wünschen Sie sich von Google, Wikipedia und Co?
esoterische IT
3. Wikipedia
fgranna 18.05.2009
Zitat von HadorZumindest in der aktuellen Version erscheint mir Wolfram Alpha reichlich sinnfrei. Zunächst mal ist Wolfram Alpha keine Web-Suchmaschine und damit auch keine wirkliche Konkurrenz zu Google (auch wenn SPON das immer noch behauptet). Wenn überhaupt, dann ist Wolfram Alpha eher eine Konkurrenz zu Wikipedia, denn bei Wolfram Alpha geht es um Faktensuche. Das Problem ist bloß: Wikipedia gibts schon und ist sowohl was Umfang des Inhalts als auch was Bedienbarkeit angeht (Wolfram Alpha gibt doch oft sehr eigenwillige Ergebnisse auf einfache Suchbegriffe) IMO deutlich überlegen. Von daher wer braucht das?
Das ist nicht ganz richtig! Ich würde Wolfram eher als Zusatzdienst zu Wikipedia sehen: Was wäre wenn die Daten in der Wikipedia ordentlich (Semantisch) strukturiert wären? Wenn also sämtliche Daten eines Wikipediaartikels maschinenlesbar und strukturiert in einem Artikel wären (Datumsangaben, Geokoordinaten, Maßeinheiten etc.). Dort wäre Wolfram das perfekte Tool um Abfragen und Relationen darzustellen und auch Querabfragen auszuführen.
4. kritisch vor allem ...
Fackus 18.05.2009
das im Artikel zuletzt erwähnte 'Sponsoring'. Es wird mal so laufen wie überall sonst auch: wer gut zahlt, bekommt seine Daten angezeigt. Recht fragwürdig das Ganze. Da lob ich mir doch Wikipedia und seinen weitgehend selbstbestimmten Inhalt mit gut funktionierender Selbstregulierung. Die Arbeit von hunderttausenden schlauer Köpfe an Wikipedia wird noch lange unschlagbar bleiben - vielleicht kann sich Wikipedia aber noch ein paar Ideen von alpha abschauen.
5.
smartie2004 18.05.2009
Als Wurmfortsatz zu Wikipedia kommt man auf keinen grünen Zweig, geschweige denn lassen sich damit die nötigen Mitarbeiter bezahlen. Für mich eine Totgeburt. War da nicht vor kurzem eine neue Suchmaschine am Markt, Name ist mir schon entfallen, die auch sang und klanglos untergegangen ist?
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