Suchmaschinen: Google durchwühlt Twitter und Co. in Echtzeit

Relevanz ist nicht alles: Ab sofort durchforstet Google auch in Deutschland Angebote, die für eine Echtzeit-Indexierung freigegeben sind. Dazu gehören außer den Befindlichkeitsmeldungen der Nutzer diverser Microblogging-Dienste und Social Networks auch aktuelle Schlagzeilen - Google wird schneller.

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Suchmaschine Google: Schaut ab sofort auch Twitterern in Echtzeit aufs Maul

Hamburg - Knapp vier Monate, nachdem die neuen Features im US-Dienst eingeführt wurden, indexiert Google nun auch in Deutschland für eine Echtzeit-Indexierung freigegebene Web-Quellen. Dazu gehören Live-Updates aus Mikroblogging-Diensten wie Twitter, Jaiku, FriendFeed und Identi.ca, Meldungen aus Social Networks wie Facebook und MySpace und auch Schlagzeilen aus Medien und Blogs.

Damit wird "Frische" zu einem Auswahlkriterium in den Suchlisten, das im Echtzeitmodus Relevanz schlägt: Was neu ist, steht ganz oben, auch wenn es banal ist. Doch wer in Echtzeit sucht, will wohl genau das: Es kommt einem umfassenden Abgriff von Befindlichkeiten gleich - es ist, als fühlte man dem Web den Puls. Die Hauptfrage, die so beantwortet werden kann, ist folglich diese: Wer redet wo und wie über welches Thema?

Um diese Echtzeit-Updates überhaupt zu Gesicht zu bekommen, muss man nach einer Suche links über der Ergebnisliste auf "Optionen anzeigen" klicken und dort die Option "neueste Ergebnisse" anwählen. Dazu zählen etwa Twitter-Kommentare zu aktuellen Nachrichten, die nach wenigen Sekunden in die Suchergebnisse einlaufen.

Das funktioniert vor allem bei Themen-Großlagen, wie auch Googles Produktmanager Dylan Casey, selbst als Radrennfahrer einst ein ganz schneller, in einer internationalen Telefonkonferenz erklärte: "Zu Obama gibt es immer Meldungen, da passiert ständig etwas."

Im Umkehrschluss heißt das natürlich: Sucht man nach Themen, über die gerade nicht geredet wird, gibt es auch keine Echtzeit-Ebene, keine Twitter-Meldungen oder Blog-Postings. Denn außerhalb des Filters "neueste Ergebnisse" greifen nach wie vor Googles bekannte Relevanzkriterien - auf der normalen Such-Oberfläche verändert sich also gar nichts.

Suchmaschine wird Live-Ticker

Innen aber, versichert Google, basiere die Echtzeit-Suche, die in der Nacht von Donnerstag auf Freitag weltweit aktiviert wurde, "auf mehr als einem Dutzend neuer Suchtechnologien. Dank dieser lassen sich pro Tag mehr als eine Milliarde Dokumente auf Aktualisierungen hin prüfen und mehrere hundert Millionen Änderungen zu relevanten Suchergebnissen für die Nutzer aufbereiten."

Wer nur diese Augenblickssuche sehen will, wird ebenfalls bedient. Auch in den Sucheinstellungen (oben rechts auf der Suchseite) soll in Kürze ein entsprechender Filter geboten werden. Die Ergebnisseite soll dann ausschließlich Live-Tweets, Blogs, Nachrichten und andere thematisch passende Echtzeitinhalte liefern.

Alternativ und in Kombination zu der zeitlichen Einschränkung lassen sich die Ergebnisse mit dem Filter "Updates" auf Echtzeitquellen wie Twitter, FriendFeed und andere Mikro-Blogs einschränken. Mit Hilfe von Sprechblasen-Symbolen sind diese als Echtzeitinformationen gekennzeichnet. Ergänzend gibt Google die jeweilige Quelle und den Zeitpunkt der Veröffentlichung in Sekunden oder Minuten an.

Wer sich dafür entscheidet, wird dann fortlaufend mit Updates beschickt, die am oberen Rand der Ergebnisliste in Echtzeit eingespiegelt werden. Erste Tests des deutschen Dienstes fielen allerdings eher ernüchternd aus: Im direkten Vergleich zur englischsprachigen Welt wird hier einfach weniger getwittert, Zahl und Frequenz der Echtzeit-Updates hält sich in engen Grenzen.

Nicht profan: An der Person des Nutzers festgemachte Suchoptionen

Es bleibt abzuwarten, wie die Community die neuen Suchoptionen aufnimmt: Twitter-Nutzer sind sich darüber bewusst, dass sie ständig öffentlich kommunizieren. Social Networks wie Facebook empfinden viele dagegen als semi-privaten Raum, in dem man "unter Freunden" kommuniziert: Möglich, dass man sich hier etwas weniger gern aufs Maul schauen lässt, wenn man gerade über die liebe Politik lästert.

Verzichtet hat Google bisher auf die Implementierung der sogenannten Social-Search in der Google-Suche. Die sind Stoff für eine Gänsehaut: Wer über einen Googlemail-Account verfügt und über die US-Seite der Suchmaschine nach einem Thema sucht, kann die Suchergebnisse über die Optionen auch mit dem Filter "social" einengen. Wählt man dann noch die Einengung "My social", liefert Google in Sekundenbruchteilen eine oft Tausende von Namen umfassende Liste aller Menschen, mit denen man häufig E-Mail austauscht, sowie deren häufigster Kontakte und einen Überblick über die Web-Aktivitäten von allen.

Es entsteht eine Art Organigramm der Menschen, mit denen man in Beziehung steht oder zumindest kommuniziert. Diese Information wird zwar nur dem Kontenbesitzer selbst angezeigt und nicht öffentlich, ist aber offensichtlich problemlos zu generieren: Ein ähnlich erschreckender Einblick in die Informationsfülle, die Google über seine Nutzer sammelt, wie vor Wochen bei der Veröffentlichung von Buzz.

pat

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
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1. .
faustjucken_de 19.03.2010
ich vermisse ein paar screen shots wo finde ich die neuen "Knöpfe"? ich habe keine Lust diesen langen Text nochmal parallel zu google zu lesen
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