Suchmaschinen-Test: Drei gegen Google

Von Jörg Breithut

Für 90 Prozent aller Internet-Nutzer in Deutschland ist Google die Benutzeroberfläche des Webs: Sie googlen, was sie finden wollen. Dabei ist die Konkurrenz groß, Microsoft investiert Millionen in seine Suchmaschine Bing. Wie gut arbeiten Alternativen? Im Test: drei Konkurrenten und Google.

Google-Logo: Die Suchmaschine ist für Deutsche die Benutzeroberfläche des Webs Zur Großansicht
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Google-Logo: Die Suchmaschine ist für Deutsche die Benutzeroberfläche des Webs

Hamburg - Wer sich durch die Informationsflut im Internet wühlt, findet ohne die Hilfe einer Suchmaschine kaum nützliche Informationen. Gut 90 Prozent der User in Deutschland suchen laut Analysedienst Webhits mit Google. Einige Suchmaschinen stellen sich dem Netzriesen mit einem eigenen Angebot entgegen. Etwa Microsoft mit Bing oder das New Yorker Unternehmen Interactive Corp mit Ask. Wir wollten wissen, ob es die Konkurrenten mit Google aufnehmen können.

Neben Bing und Ask haben wir mit Metager auch ein deutsches Angebot ins Rennen geschickt - und die Suchmaschinen einem Härtetest unterzogen.

Wissensfrage - Wann endete der Dreißigjährige Krieg?

Mit der Einstiegsfrage hat keine der Suchmaschinen ernsthafte Probleme. "Wann endete der Dreißigjährige Krieg?", das wissen alle Kandidaten und platzieren den Wikipedia-Eintrag mit dem gewünschten Datum ganz vorn in der Ergebnisliste. Löscht man in der Suchmaske das Wort "Krieg", bleiben die Ergebnisse gleich. Nur Metager taumelt daraufhin ein wenig, das richtige Ergebnis rutscht von Platz eins um fünf Positionen weiter nach unten.

Will man zudem wissen, wieviele Kinder der Schauspieler Charlie Chaplin zeugte (Suchphrase: "Wie viele Kinder hatte Charlie Chaplin"), zeigen alle Portale auf Anhieb die richtige Zahl an. Konkrete Anfragen sind also keine Herausforderung für die Kandidaten.

Preisvergleich - Wo kostet der 3DS am wenigsten?

Wie sieht es mit der Suche nach dem günstigsten Preis aus? Die vorderen Plätze bei Suchergebnissen zu Schuhen, DVDs und technischen Geräten sind heiß umkämpft bei Onlinehändlern. Mit allen Mitteln optimieren die Anbieter ihre Seiten, um besser als die Konkurrenz gefunden zu werden. Oft tummeln sich darunter auch Anbieter, die das gesuchte Produkt nicht einmal im Sortiment führen. Wir suchen nach dem günstigsten Preis für Nintendos Mobilkonsole 3DS (Suchphrase: Preis Gameboy 3DS). Diese Suchanfrage ist falsch formuliert: Der 3DS heißt nicht Gameboy, das ist der Name einer längst ausgelaufenen Serie von Mobilkonsolen.

Das wirft beinahe alle Kandidaten völlig aus der Bahn. Die Ergebnislisten von Ask, Bing und Google sind durchzogen von unbrauchbaren Linkvorschlägen. Vor allem Ask geht hier mit schlechtem Beispiel voran: Zehn von 20 Links auf der ersten Ergebnisseite sind Anzeigen. Über den günstigsten Preis erfährt man nichts, auch nicht auf den Folgeseiten.

Nur Metager fällt angenehm auf. Werbeflächen verfälschen hier nicht die Suche, weit oben in der Liste erscheinen hilfreiche Links zu Preistrend-Seiten. Preisvergleiche erscheinen allerdings erst einige Seiten weiter hinten.

Suche nach Dateitypen - Viele Klicks führen zum Foto

Über eine spezielle Bildersuche bei Google, Bing und Ask lassen sich Fotos einfacher finden. Die Pannentasse mit dem Abbild des falschen königlichen Pärchens ist auf diese Weise schnell im Netz entdeckt(Suchphrase: Bild William Kate Tasse). Metager bietet diesen Service nicht an. Die Fotosuche gestaltet sich hier sehr mühsam. Zudem fehlt eine Vorschauliste, so dass jeder Eintrag einzeln angeklickt werden muss, um die gefundenen Motive zu begutachten.

Ähnlich verhält es sich bei Videoclips: mit einer speziellen Suchseite erleichtern Bing und Google den Zugriff auf bewegte Bilder. Bing und Google listen Ergebnisse der Videoportale Vimeo, Myvideo und Clipfish auf (Suchphrase: Video Clueso zu schnell vorbei).

Metager und Ask bieten dem Nutzer bei der Suche nach Filmen nur die klassische Websuche an. Zwar führt das ebenso zum Erfolg, doch in die Ergebnisliste mischen sich viele Links, die auf videofreie Seiten führen.

Nachrichtensuche - Günther Oettinger ist schnell gefunden

Ob der EU-Energiekommissar Günther Oettinger in der Nordsee einen Offshore-Windpark einweiht oder der FC Porto in der Champions League den Gegner Spartak Moskau deklassiert: Bei aktuellen Ereignissen mit überregionaler Bedeutung entdecken die getesteten Suchmaschinen gleich flink die neuesten Informationen. Bereits wenige Minuten, nachdem die Texte auf den Nachrichtenportalen erschienen sind, finden Ask, Bing, Google und Metager diese Seiten.

Es wird erst dann problematisch, wenn spezielle lokale Ereignisse im Netz gefunden werden sollen. Dann beispielsweise, wenn Alba Berlin in der Basketball-Bundesliga gegen die Artland Dragons spielt und mit 95:78 gewinnt. Das Ergebnis wollen wir einen Tag nach dem Spiel über die Suchmaschinen ermitteln (Suchphrase: Artland Dragons gegen Alba Berlin).

Hier gibt es einen klaren Sieger: Am Morgen danach punktet lediglich Google. Zwei Ergebnisse listet der Suchdienst auf der ersten Seite auf. Eines davon ist ein Artikel, der aus dem "News"-Angebot in die Liste einfließt. Das andere Ergebnis ist der Verweis auf die Seite eines regionalen Radiosenders. Die Google-Rivalen finden das Ergebnis etwa zwölf Stunden nach dem Spiel noch immer nicht. Die meisten Meldungen beziehen sich auf den Vortag.

Fazit - Mit Basketball an die Spitze

Die Suchmaschine Ask hat in unserem Test eine solide Suchleistung gezeigt. Eine komfortable Bildersuche zeichnet Ask aus. Wer allerdings gerne nach Produkten und Preisen stöbert, wird mit Ask nicht viel Freude haben. Die Anzeigenflächen nehmen deutlich mehr Platz als bei der Konkurrenz ein - es bleibt wenig Platz für die eigentlichen Suchergebnisse.

Besser funktioniert das mit Metager. Bezahlte Inhalte tauchen hier nur selten auf. Bei der klassischen Suche nach Informationen spielt der Exot aus Deutschland ganz oben mit. Mit Einschränkungen. Denn neben einer mangelhaften Korrektur bei fehlerhaften Eingaben bietet die Suchmaschine nur eine rudimentäre Bild- und Videosuche an. Zudem dauert es ein wenig länger, bis die Suchergebnisse erscheinen.

Bei Bing geht das wesentlich flotter, die Ergebnisse sind durchweg gut - abgesehen von der unzureichenden Preissuche. Außerdem erleichtert die Video- und Bildersuchfunktion die Arbeit mit multimedialen Inhalten im Netz.

Damit zeichnet sich auch Google aus. Obwohl die Fahndung nach dem besten Preis auch mit Google nicht vernünftig funktioniert, geht die Suchmaschine als Gewinner aus unserem Test hervor. Den entscheidenden Ausschlag gibt die Aktualität. Denn als einziger Testkandidat pickte Google das korrekte Ergebnis des Basketball-Spiels vom Vorabend aus dem Datendschungel heraus.

Update: Zwei Leser haben uns im Forum darauf aufmerksam gemacht, dass die Suchanfrage "Gameboy 3DS" falsch formuliert sei, da das Gerät "Nintendo 3DS" heiße. Das ist korrekt. Wir haben in den Text an der entsprechenden Stelle eine Erläuterung eingefügt.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Suchmaschinen als Alleskönner?
spiegel_affäre 24.04.2011
Ich weiß ja nicht, ob die getesten Suchbegriffe wirklich relevant sind. Wenn ich Basketballergebnisse wissen will, dann geh ich auf die Seite der BBL. Oder wenn ich den günstigsten Preis finden will, dann gleich auf eine Seite, die Preisvergleiche anbietet. Man sollte die Suchmaschinen nicht überfordern...
2. .
serval 24.04.2011
Meiner Erfahrung nach ist Bing in Deutschland deutlich schlechter als Google. In den Staaten liegen sie gleich auf, aber viele Vorteile wie die Flugsuche (oder auch Preissuche) sind nur für den Heimmarkt US, mittlerweile vielleicht auch in England, verfügbar. Microsoft hat Besserung versprochen, die muss aber erstmal eintreten ... Unterm Strich ist Google in Deutschland einfach die beste Suchmaschine. (Gleichwertige) Alternativen gibt es nicht, daher ist es kein Wunder, dass sie 90 Marktanteil haben.
3. Immer das Gleiche
bismarck_utopia 24.04.2011
Warum werden nicht mal Nischensuchmaschinen getestet, die auch ihre Vorteile haben, wann kommt mal serchilo oder alernia?
4. fail
mika-amw 24.04.2011
Probieren Sie doch mal "Nintendo 3DS", Sie Experte :D
5. wirklich, fail
924Frg 24.04.2011
Zitat von mika-amwProbieren Sie doch mal "Nintendo 3DS", Sie Experte :D
Das habe ich auch sofort gedacht. Dann die Aussage, dass diese Suchanfrage die Suchmaschinen aus der Bahn geworfen hat usw... Haha, die Antwort ist halt immer dem Niveau der Frage angepasst.
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Marktanteile der Suchmaschinen
Google 90 Prozent
Yahoo 2,4 Prozent
Bing 2,2 Prozent
T-Online 2 Prozent
Ask.com 0,6 Prozent
AOL Suche 0,5 Prozent
Web.de 0,5 Prozent
MSN Live Search 0,4 Prozent
GMX 0,2 Prozent
Search.com 0,1 Prozent
DMOZ 0,1 Prozent
Ixquick.com 0,1 Prozent
Altavista 0,1 Prozent
Fireball 0,1 Prozent
Freenet 0,1 Prozent
Allesklar 0,1 Prozent
Metager 0,1 Prozent
deutschlandweiter Marktanteil, erhoben nach Webbrowser-Angabe, Stand: April 2011, Quelle: Webhits

Google
Der Konzern
Reuters
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.

Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

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