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Suchmaschinen-Verwirrung: Hunderte verwechseln US-Blog mit Facebook, werden wütend

Facebook hat manche seiner Nutzer mit all den Design-Änderungen offenbar nachhaltig verstört. Hunderte Nutzer verwechselten das US-Blog "ReadWriteWeb" mit Facebook - weil es in den Suchmaschinentreffern für "Facebook login" weit oben auftauchte. Erboste Kommentare waren die Folge.

Screenshot "ReadWriteWeb": "Liebe Besucher von Google. Das hier ist nicht Facebook." Zur Großansicht

Screenshot "ReadWriteWeb": "Liebe Besucher von Google. Das hier ist nicht Facebook."

Das US-Blog "ReadWriteWeb" ist eine Institution - in gewissen Kreisen. Gemeinsam mit anderen Fach-Seiten wie "TechCrunch" oder "Mashable" versorgt es eine Gemeinde von Eingeweihten, Web-Unternehmern und Technik-Aficionados mit Neuigkeiten und Analysen rund ums Netz. Am zehnten Februar aber wurde "ReadWriteWeb" plötzlich für Facebook gehalten - von Hunderten von Nutzern. Wütende Kommentare im Blog waren die Folge, Hunderte davon, die meisten im Stile von: "Was ist denn das hier für ein Quatsch, ich will mich endlich einloggen!"

Was war passiert? ReadWriteWeb hatte einen Artikel über die kürzlich angekündigte Kooperation zwischen Facebook und AOL veröffentlicht. Die Überschrift des Textes lautete: "Facebook will Ihr einzig wahres Login sein." Der Artikel fand einen für "ReadWriteWeb" ungewöhnlich starken Zuspruch, und zwar über Google und andere Suchmaschinen. Innerhalb kürzester Zeit war er im Ergebnis-Ranking für die Suchanfrage "Facebook login" ganz weit nach oben gewandert. Und damit begann das Problem.

Augenscheinlich erreichen nämlich viele Nutzer die Login-Seite des Social Networks, indem sie jedes Mal danach googeln - diesmal aber landeten sie statt bei Facebook bei "ReadWriteWeb", das kein bisschen wie Facebook aussieht. Und beschwerten sich dann in der Kommentarspalte.

"Ich werde meinen Account löschen!"

Von "Ich mag dieses neue Facebook überhaupt nicht" über "Ich werde meinen Account löschen!" bis hin zu wüsten Beschimpfungen reichten die orthografisch teils höchst originellen Einlassungen. Eine Nutzerin empfahl den Verzweifelten sogar, man solle statt mit Google lieber mit Microsofts Bing nach "Facebook" suchen, "bei mir hat das funktioniert". Viele beschwerten sich auch über die "ständige Umgestaltung" der Community - in der Tat hat Facebook sich erst vor kurzem zum wiederholten Mal ein neues Design gegeben, und das rief, wie jedes Mal, teils erboste Reaktionen hervor. Viele Menschen mögen Veränderungen eben nicht.

Zwischen die Kommentare der Verwirrten mischte sich nach und nach eine wachsende Zahl erstaunter oder begeisterter Anmerkungen von besser informierten "ReadWriteWeb"-Lesern, die das ganze ziemlich lustig fanden. Heute verweisen viele Dutzend Blogeinträge auf den innerhalb von zwei Tagen zur Legende gewordenen Kommentar-Wust. Sogar ein Sonnett schrieb jemand über den Vorfall.

Die Blog-Redaktion fügte schließlich einen fettgedruckten Einschub in den Artikel ein, der mit folgenden Worten beginnt: "Liebe Besucher von Google. Das hier ist nicht Facebook." Anschließend wurde erklärt, wie man die korrekte Adresse in seinen Browser eintippt und anschließend als Bookmark speichert.

Die "ReadWriteWeb"-Redaktion nahm die Verwirrung (und die Hunderten zunehmend wütenden Kommentare unter dem Artikel) danach aber auch noch zum Anlass, unter der Überschrift "Das Internet ist schwierig" einmal grundsätzlich über den Internet-Normalnutzer und sein Verhältnis zum eigenen Publikum nachzudenken: "Wie können wir das Web einfach genug für alle Nutzer machen und dabei immer noch Technik schaffen, die cool genug ist, um Geeks wie uns zufriedenzustellen? Und wer sagt überhaupt, dass die eine oder die andere Gruppe - Nerds oder Nutzer - "normal" ist?"

cis

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
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1. Netzverblödung
Zyklotron, 12.02.2010
Da sieht man mal, wie verblödet das Netz inzwischen ist. Das war früher anders. Inzwischen werden wir von Idioten in Foren und Chats überrannt. Aber heute bekommt ja jeder einen Netzzugang. Meine Mutter hat wohl doch Recht, wenn sie zu sagen pflegt: "99% der Weltbevölkerung sind bekloppt." Stimmt, Mama.
2. Sind wir hier bei Twitter?
larsT64, 12.02.2010
"Hunderte verwechseln US-Blog mit Facebook, werden wütend" Sind wir hier bei Twitter, oder wie lässt sich diese ausgesprochen kuriose und grammatikalisch fragwürdige Überschrift zu diesem Artikel erklären?
3. *facepalm*
DJ Doena 12.02.2010
ich finde das auch immer wieder faszinierend, wenn ich hinter Leuten stehe, die als Startseite Google haben und dann dort im *Suchfeld* die URL eintippen und den ersten Treffer dann anklicken.
4. kleingeist
oberguru 12.02.2010
Zitat von larsT64"Hunderte verwechseln US-Blog mit Facebook, werden wütend" Sind wir hier bei Twitter, oder wie lässt sich diese ausgesprochen kuriose und grammatikalisch fragwürdige Überschrift zu diesem Artikel erklären?
5. ±
peterbruells 12.02.2010
Zitat von DJ Doenaich finde das auch immer wieder faszinierend, wenn ich hinter Leuten stehe, die als Startseite Google haben und dann dort im *Suchfeld* die URL eintippen und den ersten Treffer dann anklicken.
Ich auch. Und darum werden sich Geräte wie das iPad meiner Ansicht nach auch verkaufen.
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