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Suchmaschinenmarkt: Google zieht weiter davon

Anders als in Deutschland ist Google in den USA noch ein gutes Stück vom Monopol im Suchmaschinenmarkt entfernt - aber es kommt dem immer näher. Yahoo und Microsoft werden zu Kleinkonkurrenten, die auf dem umkämpften Such-Werbemarkt mittelfristig allein kaum bestehen werden.

Vorsicht Binsenalarm: Google baut seine Marktführung weiter aus. Klar, sagt sich da Otto Normalsurfer, das tun die schließlich seit Jahren, ununterbrochen und massiv. Aus deutscher Perspektive ist das einzig überraschende an Marktstatistiken zu Suchmaschinen, dass Google überhaupt noch nennenswerte Konkurrenten hat. Doch nicht überall steht Google so übermächtig da wie hierzulande: In den USA spielen auch Yahoo und sogar MSN noch eine signifikante Rolle.

Google-Logo: Baut seinen US-Marktanteil zu Lasten kleiner Anbieter aus
AFP

Google-Logo: Baut seinen US-Marktanteil zu Lasten kleiner Anbieter aus

Doch die schwindet auch dort, allen Bemühungen der Google-Konkurrenten zum Trotz. So habe der Marktanteil von Google in den USA im März mit 14,3 Milliarden Suchanfragen bei 63,7 Prozent gelegen - 0,4 Prozent höher als im Vormonat, berichtet das Marktforschungsunternehmen ComScore. Der Rivale Yahoo musste dagegen leicht Federn lassen und erreichte 20,5 Prozent nach 20,6 Prozent im Februar. Microsoft legte um 0,1 Punkte auf 8,3 Prozent zu.

Googles Wachstum geht vor allem zu Lasten der allerkleinsten Konkurrenten, für die man langsam eine rote Liste führen könnte: Die restlichen 7,5 Prozent des Marktes teilen sich Dutzende von Mini-Konkurrenten.

Vorsicht vor Zahlen: Im Web sind Statistiken Schätzungen

ComScore ist einer von derzeit drei einflussreichen US-Marktdaten-Schätzern - denn natürlich basieren alle Statistiken von Marktforschungsunternehmen im Web auf unterschiedlichen Methoden, den Daumen in den Wind zu halten. Die einen beobachten den Datenverkehr an großen Internet-Verkehrsknoten, die anderen befragen Nutzergruppen. Bierernst sollte man keine dieser Erhebungen nehmen, wie der Vergleich mit den Zahlen des zweiten führenden Web-Marktforschungsunternehmens Net Applications deutlich zeigt: Die fallen völlig anders aus.

Marktanteile von Suchmaschinen weltweit
Suchmaschine Jun 09 1. Quartal 2009 2008 2005 Q1 2009 - 6/2009* 2005 - Q1 2009
Google - Global 81,22% 81,46% 78,99% 61,87% -0,24% 19,59%
Yahoo - Global 9,21% 10,06% 11,46% 17,08% -0,85% -7,02%
Microsoft (Bing + MSN+Live) 6,02% 4,81% 5,19% 12,48% 1,21% -7,67%
MSN - Global 0,05% 2,95% 3,15% 12,48% -2,90% -9,53%
AOL - Global 1,74% 1,89% 2,22% 3,95% -0,15% -2,06%
Microsoft Live Search 0,66% 1,86% 2,04% - -1,20%
Ask - Global 0,84% 0,97% 1,18% 1,16% -0,13% -0,19%
* Veränderung in Prozentpunkten / Quelle: Net Applications, Stand: 2.7.2009

Sie sind allerdings auch keine US-Zahlen, sondern Resultat einer weltweiten Erhebung. Für die USA sieht Net Applications Marktführer Google sogar nur bei knapp 54 Prozent Marktanteil - und konstatiert für den Rest der Welt quasi ein Monopol. Als Deutscher ist man da versucht zu nicken: Google-Verweigerer sind hier eine so radikale wie mikroskopisch kleine Minderheit. Nielsen, das dritte Unternehmen im Bunde, verortet Google aktuell bei etwa 64,2 Prozent - also ganz ähnlich wie ComScore.

Die Zahlen unterstreichen einmal mehr die Notwendigkeit einer Allianz der Suchmaschinen-Konkurrenten. Die wollte Microsoft im vergangenen Jahr durch einen Kauf von Yahoo schaffen, was bekanntlich platzte, weil sich der Yahoo-Mitgründer Jerry Yang gründlich verzockte. Seitdem steckt Yahoo in der Krise. Der Versuch einer Werbe-Allianz war an den US-Kartellbehörden gescheitert, die Fusion an Yangs Hybris: Er hatte ein Angebot über 50 Milliarden Dollar abgelehnt.

Inzwischen hat Yang die Zügel nicht mehr in der Hand, und Microsoft-Chef Steve Ballmer führt die Balz und Brunft fort: Aktuell schickt er wieder einmal Signale, Microsoft könne weiter an einer Kooperation mit Yahoo interessiert sein.

Nötig hätten es beide Google-Konkurrenten. Microsoft stellt in fast schon saisonaler Regelmäßigkeit eine vollständig überholte, stets noch bessere Suchmaschine vor, die das Unternehmen - auch das ist inzwischen ein weithin belächeltes Ritual - dann gleich noch umbenennt. Aktuell heißt die Microsoft-Suchmaschine noch Live Search, was sich aber bald wieder ändern dürfte. Dem Software-Konzern gelingt es trotzdem nicht, seinen Marktanteil signifikant zu verbessern - er sinkt.

So wie bei Yahoo. Und dort sinkt mit dem Marktanteil auch der Stern des einst so prototypischen Web-Unternehmens. Yahoo will sogenannten informierten Kreisen zufolge erneut Hunderte Mitarbeiter entlassen. Das Vorhaben könnte bereits am kommenden Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen bekanntgegeben werden, sagte eine mit der Sache vertraute Person. Erst im Dezember hatte sich Yahoo von 1500 Mitarbeitern getrennt.

pat/rtr

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