Suchtechnik Google will mehr finden, als man sucht

Der Internet-Konzern Google verbessert seine Suchmaschine. Künftig soll das System neben seinen Suchergebnissen weitere Suchanfragen vorschlagen, die zu den eingegebenen Begriffen passen könnten. Bei manchen Anfragen klappt das gut, bei anderen liegt das System arg daneben.


Google muss besser werden. Das weiß man auch bei Google. Bisher sind die Suchergebnisse der Maschine oft zu starr, hangeln sich zu sklavisch an den einzelnen Begriffen entlang, die man in ihre Suchmaske eingibt. Das wollen die Internet-Spezialisten jetzt ändern. Künftig soll Google besser verstehen, was man wirklich sucht. Als semantische Suche wird diese Technik bezeichnet. Google selbst verwendet diesen Begriff allerdings nicht.

Suche im Web: Google will helfen, mehr zu finden, als man eigentlich sucht
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Suche im Web: Google will helfen, mehr zu finden, als man eigentlich sucht

Stattdessen heißt es im Google Blog, man verwende jetzt eine neue Technik, welche "Assoziationen und Konzepte, die mit einer Suche zusammenhängen, besser versteht". Das Ergebnis sollen aussagekräftigere, relevantere "verwandte Suchvorgänge" sein, die Google unterhalb der eigentlichen Suchergebnisse anzeigt.

Die Qualität der hier von Googles Computern ausgewählten Vorschläge ist allerdings ausgesprochen durchwachsen. Das im Google Blog präsentierte Beispiel einer Suchanfrage nach den " principles of physics" funktioniert wunderbar. Als verwandte Suchvorgänge liefert die Suchmaschine Anfragen nach dem Urknall, nach Quantenmechanik und nach Gleichungen aus der Physik.

Die Technik kommt aus Australien

Ein wenig anders sieht es dagegen aus, sucht man nach " Status Bass". Dann liefert die Maschine zwar Vorschläge, die vollkommen richtig beispielsweise "Status bass guitars" nennen, denn Status ist ein britischer Hersteller von Bassgitarren. Eher unterhaltsam ist allerdings der Vorschlag, man könne doch auch nach der Fisch-Spezies Bass, dem deutschen Barsch, suchen. Aber genau solche Ergebnisse liegen eben im Ermessensspielraum der semantischen Suche. Letztlich versucht die Maschine abzuschätzen, was man wohl wirklich meint, wenn man seine Suchbegriffe eintippt.

Entwickelt hat die neue Google-Technik ein Australier. Ori Allon von der University of New South Wales legte die Grundlagen noch während seines Studiums, wurde 2006 mitsamt seiner Algorithmen von Google eingekauft und angestellt. Dass der Konzern die Früchte von Allons Arbeit erst jetzt ernten kann, zeigt, wie komplex das Thema ist. Trotzdem bleibt der Australier mit beiden Beinen auf dem Boden. Dem " Sydney Morning Herald" sagte er, die neue Suchtechnik werde "für manche Leute eine große Sache sein, für andere nicht". Das sei eben sehr subjektiv.

Mehr Text für mehr Übersicht

Weniger subjektiv ist dagegen die zweite Änderung, mit der Google seine Suchseiten auffrischt. Die sorgt dafür, dass die Textausschnitte, die in den Suchergebnissen angezeigt werden, künftig länger werden. Das soll vor allem bei Suchanfragen helfen, bei denen man mehrere Suchbegriffe verwendet. Die längeren Ausschnitte sollen dazu beitragen, dass man auf einen Blick erkennt, ob die fraglichen Begriffe auch im gesuchten Zusammenhang zueinander im gefundenen Text stehen oder ob sie nur zufällig auf derselben Seite zu finden sind.

Was Websurfern gefallen wird, könnte manchen Website-Betreibern allerdings sauer aufstoßen. Schließlich geben die verlängerten Textausschnitte mehr vom Inhalt der gefundenen Seite preis, als mancher zeigen möchte. Wer schon bei Google sieht, dass eine Seite für sein Anliegen irrelevant ist, wird eben nicht auf das Ergebnis klicken, um nachzuschauen, ob dort nicht doch lohnenswerte Inhalte zu finden sind.

mak

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