Surfen im Urlaub Gefahrenquelle Internet-Café

Mal eben den Kontostand prüfen, die Telefonrechnung bezahlen, einen Mietwagen buchen: Internetcafés verleiten dazu, auch im Urlaub online Geschäfte zu erledigen. Vorsicht ist allerdings geboten, denn um die Sicherheit ist es bei Miet-PC oft schlecht bestellt.


Bonn - Offline bleiben geht gar nicht. Schließlich leistet das Internet auch im Urlaub gute Dienste: Man kann schnell mal Freunden oder der Familie eine Nachricht per Mail zukommen lassen, nachsehen, wann der nächste Bus oder Zug fährt oder wie das Wetter wird. Und ein Internetcafé, in dem man gegen Gebühr im Web surfen kann, findet sich selbst an den abgelegensten Orten der Welt.

Online-Banking im Internetcafé: Lieber nicht, denn Miet-PCs sind oft schlecht gegen Lauscher geschützt
[M] DDP ; mm.de

Online-Banking im Internetcafé: Lieber nicht, denn Miet-PCs sind oft schlecht gegen Lauscher geschützt

Doch allzu leichtsinnig sollte man dort mit seinen Daten nicht umgehen, mahnen Experten. Denn in Sachen Datensicherheit bestehen bei einem öffentlichen Internetzugang - selbst, wenn sich dieser in einem Hotel befindet - weitaus größere Risiken als zu Hause oder im Büro.

Stefan Ritter, Leiter des Computernotfallteams im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), erläutert: "Zunächst einmal hat es der Nutzer nicht selbst in der Hand, ob Schutzmaßnahmen wie ein Antiviren-Programm oder eine Firewall auf dem neuesten Stand beziehungsweise überhaupt installiert sind." Der Miet-Computer könnte also mit Viren oder "Spyware" zum Ausspionieren von sensiblen Daten verseucht sein, die vorherige Nutzer während des Surfens unbemerkt heruntergeladen haben.

Bloß kein Banking

Darüber hinaus komme es vor, dass Betrüger fehlende Sicherheitsstandards ausnutzen und Spionage- oder andere Schadprogramme gezielt auf den Rechnern eines Internetcafés installierten und so später in den eingegebenen Daten der Nutzer lesen könnten wie in einem offenen Buch.

Computersicherheitsexperten wie Ritter warnen deshalb eindringlich davor, an öffentlich zugänglichen Terminals das Online-Banking zu nutzen - sei es um den Kontostand zu überprüfen, sei es um eine Überweisung zu tätigen: "Die Gefahr, dass über Spionagesoftware oder eine unsichere Verbindung Daten wie zum Beispiel Passwörter von Fremden eingesehen werden können, ist viel zu hoch." Gleiches gelte auch für Kreditkartenzahlungen übers Internet, zum Beispiel, wenn man unterwegs noch einen Inlandsflug oder ein Hotel gebucht hat. In beiden Fällen kann es zu Hause beim Blick auf den Kontoauszug böse Überraschungen geben.

Keine Spuren hinterlassen

Wenn eine Kreditkartenzahlung oder Überweisung sich absolut nicht vermeiden lässt, rät Ritter dazu, sich vorher genau über die Sicherheitseinstellungen zu erkundigen und darauf zu achten, dass die Daten verschlüsselt übertragen werden. Erkennbar ist das an einem kleinen Schloss-Symbol in der Statusleiste des Browsers sowie an der Bezeichnung "https" in der jeweiligen Internetadresse. Am sichersten fährt man jedoch, wenn man für solche Fälle die Daten für das Telefon-Banking parat hat und im Notfall Überweisungen per Telefon veranlassen kann. Darüber hinaus sei es ratsam, so Ritter, vorab mit der Bank ein Limit für tägliche Geldbewegungen zu vereinbaren, um den Schaden im Zweifelsfall zu reduzieren.

Doch selbst wenn man keine Geldtransaktionen vornimmt, sollte man die Datensicherheit im Auge behalten. Denn schließlich möchte wohl niemand, dass Fremde beispielsweise in privaten E-Mails herumschnüffeln. Darum ist es grundsätzlich wichtig, sich an öffentlichen Computern nach dem Einloggen immer wieder abzumelden und insgesamt so wenig Daten wie möglich zu hinterlassen, mahnt Ritter: "Nach der Internetnutzung sollte man unbedingt das Verlaufsverzeichnis löschen, um die eigenen Spuren zu vernichten." Bei den am meisten verbreiteten Browsern Internet-Explorer und Firefox findet man die Funktion "Browserverlauf löschen" beziehungsweise " Private Daten löschen" jeweils unter dem Menüpunkt "Extras".

Elke S. Gersmann/ddp

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