SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

24. Januar 2013, 08:45 Uhr

Comedy entblättert

Nicht lachen!

Von Christian Stöcker

Gelächter aus der Konserve gehört zur Sitcom einfach dazu. Schon seit den fünfziger Jahren wird besonders in US-Produktionen live, aber auch vom Band gelacht, was das Zeug hält. Was aber passiert, wenn man das Lachen weglässt? Oder anderswo einbaut? Bei YouTube kann man nachhören.

Es fing an mit Radioproduktionen, bei denen ein Studiopublikum live reagierte, wenn Bing Crosby sang oder ein Komiker Witze riss, in den vierziger Jahren. Dann kam das Fernsehen, und auch da versuchte man es von Anfang an mit Live-Publikum, weil es sich leichter lacht, wenn andere auch lachen.

Den "Laugh Track", die Lachspur, gibt es bis heute. Tatsächlich stammt das Gelächter in Sitcoms wie "Friends", oder "The Big Bang Theory" zum Teil von einem echten Studiopublikum. Über spezialisierte Plattformen werden Eintrittskarten für die Aufzeichnungen vergeben. Doch oft genug hört sich das Gelächter trotzdem unecht, übertrieben, zu laut, zu lang oder auch mal zu kurz an. Das liegt an einem Prozess, der seit den Fünfzigern sweetening genannt wird: Die Lach-Tonspur wird nachbearbeitet, Lacher werden versetzt, hinzugefügt, gekürzt, ein- oder ausgeblendet.

Fest steht: Das halb echte und halb gefälschte Gelächter des unsichtbaren Publikums trägt dazu bei, dass Dinge lustiger wirken. Deshalb wirkt ein Film im Kino fast immer besser als zu Hause, und sei das Heimkino noch so hochgerüstet. "Die Menge setzt die Magie der Geschichte frei", so formulierte es der Unternehmer Kevin Slavin diese Woche in einem Vortrag bei der DLD-Konferenz in München. Umgekehrt gilt: Wenn die simulierte Menge in einer Sitcom fehlt, tritt oft die wahre Dürftigkeit zutage.

Dass das so ist, versuchen besonders vehemente Kritiker bestimmter TV-Formate bei YouTube mit einem einfachen Mittel zu belegen: Sie berauben Sitcom-Ausschnitte ihrer Lacher.

Ein paar Beispiele:

Das Ganze funktioniert aber auch in der umgekehrten Richtung:

Eins steht jedenfalls fest: Wer wirklich lachen oder sich ordentlich gruseln will, ist in einem Kino bis heute besser aufgehoben als zu Hause auf dem Sofa. Die Masse macht's. Oder man lädt sich ein paar Freunde nach Hause ein. Kompatibler Humor vorausgesetzt.

URL:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH