Surftipp Die Rückkehr der Zipfelmütze

Rund zwei Jahre ist es her, dass ein kleines tschechisches Web-Spiel die Welt verzauberte: "Samorost" war gespielte Poesie. Jetzt gibt es einen Nachfolger - und auch der dürfte in der Weihnachtszeit unzählige Bürosurfer von der Arbeit abhalten.


Irgendwann einmal wird jemand auf den Gedanken kommen herauszufinden, wie groß der volkswirtschaftliche Schaden ist, der durch all den Spaß im Web entsteht. Gemeint sind damit noch nicht einmal die Moorhuhn-Wellen, wenn kurzzeitig populäre Spielchen durch die Büropost rauschen. Von so was hat man schnell die Nase voll.

Gäbe es dagegen täglich ein neues "Samorost", ließen sich damit nicht nur Unternehmen, sondern kleinere Volkswirtschaften lahmlegen. Denn "Samorost" macht süchtig.

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Samorost2: Hunderettung im Weltall

Was schrieben wir vor zwei Jahren über den ersten Teil? "Das Spiel erinnert an Myst, kommt aber augenzwinkernd daher wie ein Pan-Tau-Film: Das kleine 'Abenteuer' kann die Handschrift seiner tschechischen Macher nicht verleugnen."

Was für Teil 1 galt, gilt auch für die nun veröffentlichte Fortsetzung: Das niedliche Point-and-Click-Adventure, verpackt in eine mitunter psychodelisch-verträumte Handlung, lebt wieder von seiner Mischung aus liebevollen Designs, kniffligen Rätseln und seinen humorigen Figuren.

Hier die Handlung: Der aus Teil 1 bekannte Zipfelmützenträger (träumt der das alles nur?) lebt immer noch auf seinem Wurzel-Asteroiden. Da fliegen gefräßige Aliens ein, die ihm doch glatt den Hund kidnappen: Keine Frage, dass unser kleiner Held die Verfolgung sofort aufnimmt!

Die führt ihn auf einen anderen, ebenfalls sehr organisch wirkenden Asteroiden, dessen Inneres mal wie Baumborke, mal wie Höhlenwelt wirkt. Um den namenlosen Hund zu retten gilt es, einen Weg zu finden durch ein liebevoll gestaltetes Labyrinth, Maschinen in Gang oder außer Kraft zu setzen, Insekten zu gezielten Tätigkeiten zu überreden und vieles mehr.

Wer die Augen aufhält und sich die Fähigkeit bewahrt hat, auch mal abseitig oder um die Ecke zu denken, hat es nach circa 30 Minuten geschafft. Ein Kopfhörer erhöht den Spielgenuss gehörig. Genau das Richtige für die Mittagspause, und da sollte man "Samorost" auch spielen: Wie hypnotisiert, mit einem leichten Lächeln vor dem Rechner zu sitzen, könnte den einen oder anderen Vorgesetzten anderenfalls zu einer Abmahnung inspirieren.

Gegen diese Gefahr allerdings gibt es ein Gegenmittel: Schicken Sie ihm oder ihr doch den Link zu "Samorost". Netter kann man sich die kollektive Untätigkeit im Netz derzeit kaum gestalten.

Frank Patalong

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