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Surftipp: Karpow gegen Kasparow

Schachlegende gegen vielleicht weltbesten Spieler: Für Fans des einzig wahren Kopfsports ist die Web-Übertragung heute Nacht ein Leckerbissen - auch wenn es formell um wenig geht. K&K machen Werbung für eine neue 3D-Technik. Spannend ist es trotzdem.

Gary Kasparov: Nummer 1 der Weltrangliste, aber nicht Weltmeister
REUTERS

Gary Kasparov: Nummer 1 der Weltrangliste, aber nicht Weltmeister

Schach und das Internet: Es scheint, als habe der klassische Kopfsport im weltweiten Netzwerk seine ideale Plattform gefunden. Immer öfter sind hochklassige Partien im Web zu sehen, immer mehr Spieler treffen sich online: Nacht für Nacht messen sich beispielsweise Tausende von Spielern auf den Plattformen der Chessbase miteinander. Rund 55.000 aktive Spieler sind dort registriert.

Das Publikum, das online Matches verfolgt, ist noch weit größer. In keinem anderen Medium besteht die Möglichkeit, Partien so eingehend zu studieren wie im Internet. Das hat auch für Laien eine Menge Appeal: Züge, die man nicht sofort versteht, wiederholt man halt, bis der Groschen fällt. In gut geplanten Veranstaltungen wird der Kommentar zum Spiel gleich mitgeliefert.

Das darf man von Karpow gegen Kasparow nicht erwarten.

Deren derzeitiges Match ist eine Art Demonstration einer neuartigen 3D-Technik für das Internet und damit letztlich eine Werbeveranstaltung, ein Schaukampf. Dass jeder, der mit K beginnt und nebenbei russischer Schachgroßmeister ist, gleichzeitig eine humorfreie Zone sei, ist ein Gerücht: Das heißt aber nicht, dass K&K ihren Clash nicht ernst nähmen. Großmeister verlieren selten freiwillig, und noch immer hat das Aufeinandertreffen der Schachlegende Anatolij Karpow mit dem im Weltranking führenden Garri Kasparow ganz gehörigen Flair.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag liefen die ersten beiden, jeweils auf exakt 50 Minuten begrenzten Partien. Einmal punktete Karpow, einmal Kasparow: Der Ausgang des auf vier Partien angelegten Matches ist also völlig offen. Die beiden letzten Partien laufen schon heute Nacht, für Europäer zu einer völlig unchristlichen Zeit: Partie 3 beginnt um 23 Uhr, Partie 4 könnte man sich als "Absacker" am Ende einer durchtanzten Nacht gönnen - denn das letzte Spiel läuft von 3 Uhr bis 3.50 Uhr.

Wer dabei den Wechsel in die einzig wahren virtuellen Welten süßer Träume schafft, braucht sich nicht zu ärgern. Denn auch das ist eine Stärke des Webs: Es ist "on demand" und am nächsten Morgen vielleicht nicht "Live", aber noch immer da. Kasparow und Karpow zum Kaffee - auch kein schlechtes Programm für Samstagmorgen.

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