Surftipps Orgonakkumulatoren und Plüschtierklinik

SPIEGEL-ONLINE-Leser laden zur Reise durchs Web. Da gibt es so manche wertvolle Perle, so manches reichhaltige Bildungsangebot, so manche anspruchsvolle Adresse. Rätselhaft also, wieso sich die Leser nur für diesen brüllend komischen Käse interessieren: Steigen Sie ein, springen Sie auf, kommen Sie mit.


Im Orgonakkumulator zu sitzen soll gesund sein. Die junge Dame guckt trotzdem traurig: Ein Fall von Platzangst?

Im Orgonakkumulator zu sitzen soll gesund sein. Die junge Dame guckt trotzdem traurig: Ein Fall von Platzangst?

Haben Sie schon einen Orgonakkumulator? Unbegreiflich, wo Ihnen das doch dermaßen gut tun würde. Eine halbe Stunde täglich, rät das Orgoninstitut Deutschland, sollte man in dem Kasten sitzen, der nur entfernt an ein klassisches Klohäuschen erinnert: Das hat vorn bekanntlich ein Herzchen, während der Akkumulator vorn ein viereckiges Guckfenster hat.

Doch da hören die Unterschiede nicht auf. Statt etwas zu verlieren, gewinnt man im Akkumulator etwas dazu. Bekanntlich leiden ja viele Menschen an Biopathie, einer allgemeinen "Erkrankung der autonomen Pulsation des Organismus". Das ist nicht gut, denn bekannt ist ja auch, dass die Lebensenergie Orgon "bei Einschränkung der Pulsation schrumpft".

Dagegen hilft der möglichst eng gebaute Orgonakkumulator, aber wir wollen ja nicht alles verraten: Auf der Webseite erfährt und lernt man garantiert vieles, was man vorher nicht wusste. Ein lehrreicher Webtipp von Stefan S.: "Eine typische Blüte des Netzes. Erstaunlich, womit manche Menschen ihr Geld verdienen wollen. Ob die wohl jemals so ein Gerät verkauft haben?"

Spiele für Zwischendurch

Überhaupt fällt auf, dass sich die Leser von SPIEGEL ONLINE vor allem für Dinge interessieren, die den nötigen teutonischen Ernst vermissen lassen. Das gesamte Wertegefüge scheint aus dem Lot, wenn etwa Verena P. eine Webseite mit folgenden Worten empfiehlt: "...so panne, dass es schon wieder gut ist!"

Gemeint ist der Spieleklassiker "Schnick-Schnack-Schnuck", in manchen Teilen des Landes auch als "Ching-Chang-Chong" oder "Schere, Stein, Papier" bekannt. Eine intellektuelle Herausforderung ist das nicht gerade, aber wer sucht die schon, wo sie doch so offen vor einem auf dem Schreibtisch liegt? Genau die wollen wir ja vermeiden mit diesen Spielchen für Zwischendurch.

Das kann auch David M. bestätigen, obwohl mit gemischten Gefühlen. Er hat die Befürchtung, dass dieser Pausen-Schabernack die Produktivität merklich senken könnte. Über die beliebten Yetisports, bei denen man sich vornehmlich mit dem Pinguin-Weitwurf beschäftigt, schreibt er: "Mich persönlich hält dieser Link so stark von der Arbeit ab, dass ich wohl demnächst unseren IT-Service auffordern werde, die zugehörige IP-Adresse zu sperren..."

Publikumslieblinge: Die Patienten der Plüschtierklinik

Publikumslieblinge: Die Patienten der Plüschtierklinik

Lehrreiches

Das klingt wie ein guter Plan. Mit solchem Gedöns hat "dadoctor" sowieso nichts am Hut, ist ja alt. "da ihr ja bei spiegel online in sachen kurioses aus dem netz immer ein bisschen hinterherhängt", schreibt er, "hier mal nen paar lustige links die gerade im internet geistern".

Danke, lieber dadoctor, aber dafür ist unser Grammatik ein bisschen besser, und außerdem dürfen wir solche Sachen nur im Sommerloch. Jetzt aber Ernst: Beim I.Z.E.T.I.T. ("Institut zur Erforschung total interessanter Tatsachen") gibt es wirklich eine Menge zu lernen. Nachweislich völlig unbedenklich ist zum Beispiel das Lesen des "Playboy": Entgegen mancher Vorurteile enthält der auf insgesamt 274 Gramm Papier nur 36 Gramm entblößte Damen. 12 Gramm entfallen übrigens auf Autos. Hätten Sie das gewusst?

Was wir allerdings hätten wissen müssen, war, dass die Diskutanten im Forum bei Heise Online unsere Aufforderung, Web-Tipps einzusenden, mitbekommen würden. "Meiner Meinung nach", schrieb da am Montag "Der Praktikant" ins Forum, "sollten wir alle Herrn Patalong anschreiben und uns als Surftipp anbieten."

Nicht nötig, den geben wir freiwillig: Das Forum bei "Heise online" ist einer der lebendigsten virtuellen Orte im deutschsprachigen Internet. Da wird so manches beredet, worüber man sonst nirgendwo reden kann und darf, ohne hinausgeschmissen zu werden. Immer wieder einen Abstecher wert, ehrlich.

...mit denen man noch mal so richtig "Doktor" spielen kann

...mit denen man noch mal so richtig "Doktor" spielen kann

Genug der Notwehr. Als absoluter Publikumsliebling entpuppt sich seit geraumer Zeit die Kuscheltierklinik Parapluesch. Neben "Nitronix" und Kristina A. wies auch "Donegaldenkt" auf die melancholisch-lustige Seite hin: "Hier werden misshandelte Kuscheltiere in der Anstalt des Doktor Kindermann therapiert. Die Seite erklärt die Nöte und Ängste dieser gequälten Wesen und warum ihnen geholfen werden muss besser, als ich es mit vielen Worten schreiben könnte.

Bitte wagen Sie einen Blick. Helfen Sie dem guten Doktor Kindermann im Kampf gegen Wahnsinn und Einsamkeit. Aber Vorsicht, starke Nerven müssen Sie haben. Und bitte nicht enttäuscht sein: Schaf Dolly ist noch nicht therapierbar."

Da kann man sich nur anschließen.

Frank Patalong

P.S.: Sie haben noch mehr? E-Mail genügt, Stichwort: "Surftipp".



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