Festival South by Southwest Obama umwirbt die Nerds

Auf dem SXSW-Festival in Texas trifft sich, wer zur Tech-Szene dazugehören will. Erstmals kommt auch der US-Präsident zu dem Hipster-Mekka - mit klarer Mission.

Aus Austin berichtet

Barack Obama
REUTERS

Barack Obama


So sehr man sich mitunter über Barack Obamas Politik ärgern kann - eine gewisse Coolness hat sich der US-Präsident bewahrt. Zu Obamas Lieblingsserien der letzten Jahre etwa zählen angeblich "Game of Thrones", "House of Cards", "Homeland" und "The Wire" - eine Auswahl, mit der er bei den meisten Serienfans punkten dürfte. Von Angela Merkel dagegen weiß man, dass "Die Legende von Paul und Paula" und "Jenseits von Afrika" zu ihren Lieblingsfilmen zählen, was - nun ja - nicht ganz so cool und modern klingt.

Dieser Tage baut Obama seinen Hipness-Vorsprung weiter aus: Während für die deutsche Kanzlerin der alljährliche Cebit-Rundgang ansteht, reist Obama am Freitag zum South by Southwest (SXSW) nach Austin, das englischsprachige Medien gern "Hipster-Festival" nennen. Obama ist der erste amtierende US-Präsident, der auf dem Szenetreffen auftritt.

Ein Geheimtipp ist das SXSW aber längst nicht mehr: Neben Tausenden Künstlern, Musikern, Erfindern, Unternehmern und Wissenschaftlern aus aller Welt reisen zum Beispiel die Chefredakteure vieler Medien nach Austin, ebenso sind Führungskräfte aus der Werbung und PR vor Ort.

Milchshakes bei "BuzzFeedeed"

Das SXSW ist auch ein großes Visitenkartenverteilen, ein Dauernetzwerken beim Barbecue und voraussichtlich bis zu 32 Grad. Es gibt über 500 Veranstaltungen, etwa zur Zukunft des Journalismus, dazu Start-up-Pitches, eine Maker-Messe, Hunderte Konzerte. An den Abenden schmeißt dann gefühlt jede angesagte Tech-Firma eine Party: "BuzzFeed" etwa lädt zum "Milkshakes & Memes"-Event, "Mashable" zum "MashBash".

Auch Barack Obama reist mit einem Fokus aufs Kontakteknüpfen nach Austin. Der Präsident will Werbung für die Regierung als Arbeitgeber machen. Das SXSW sei ein jährliches Treffen "einiger unserer kreativsten Denker, Coder, Maker und Unternehmer aus dem ganzen Land", erklärte er in einem Videostatement. "Wenn ich dort bin, werde ich alle nach Ideen und Technologien fragen, die uns helfen, unsere Regierung und unsere Demokratie so modern und dynamisch zu machen wie Amerika selbst."

Die Dichte an Menschen, die an Zukunftstechnologien arbeiten, ist auf dem SXSW hoch: Dieses Jahr gibt es zum Beispiel eine Programmschiene "Virtual Reality/Augmented Reality" (VR/AR), die einen Eindruck davon vermittelt, wie Datenbrillen den Alltag verändern - vom Medienkonsum bis zur virtuellen Stadtplanung. Einer der Vorträge heißt ganz unbescheiden "Fünf Arten, wie AR die Welt verändert".

Onlinekampf gegen den "IS"

Bevor Mittwoch die Datenbrillen-Debatten starten, wird in Austin über Hackerangriffe, Roboter und künstliche Intelligenz diskutiert. Vorgestellt wird dabei zum Beispiel der japanische Haushaltsroboter "Pepper", der menschliche Emotionen erkennen können soll.

Politiker auf der Suche nach Talenten dürfte vor allem die Programmschiene "Government und Policy" interessieren: Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie das Urheberrecht 2026 aussehen könnte und wie sich der "Islamische Staat" online bekämpfen lässt.

Ein aktueller politischer Aufreger, der sich auch im SXSW-Programm niederschlägt, ist der Streit zwischen Apple und dem FBI um die iPhone-Verschlüsselung. Debattiert wird das Thema in einer Handvoll von Veranstaltungen, die mit schmissigen Titeln daherkommen: "Der neue Kampf um Verschlüsselung und wie man ihn überlebt" oder "Cryptowars 2.0: Silicon Valley vs. Washington". Wenn sich Obama am Freitag auf der Bühne von einem Journalisten interviewen lässt, dürften auch viele Kritiker des FBI-Vorstoßes im Publikum sitzen.

Thementag zu Netz-Hass

Auch Deutschlands derzeit größte Internetdebatte wird in Austin fortgeführt: Am Samstag gibt es einen Thementag zu Hass im Internet. Es geht um den Umgang mit Trollen und Hasskommentaren in sozialen Netzwerken, aber auch um Belästigungen in Onlinespielen. Das SXSW hatte diesmal schon Monate vor seiner Eröffnung Schlagzeilen gemacht, als im November zwei Gaming-Podien abgesagt wurden, zumindest zwischenzeitlich.

Gespannt sein darf man zuletzt, mit welchen neuen Programmen auf dem Smartphone Tech-Enthusiasten diesmal zurückreisen. Das SXSW hat sich über die Jahre den Ruf erworben, jener Ort zu sein, an dem manche Apps von einer netten Idee unter vielen zum Hype der Stunde werden.

Während sich einige SXSW-Durchstarter wie Twitter und Foursquare tatsächlich etablieren konnten, muss sich der Besucherliebling 2015 gerade neu erfinden: Die Streaming-App Meerkat hat es trotz anfangs großem Zuspruch nicht geschafft, sich gegen die Konkurrenz von Periscope aus dem Hause Twitter durchzusetzen. Über die richtig großen Erfolge entscheiden letztlich doch die Massen, nicht die Vordenker aus Austin.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
sekundo 11.03.2016
1. Das Festival in Austin
ist nicht ausschließlich für tech-Fans sondernbietet als weltgrößtes Musik-Fest eine sehr grosse Bandbreite verschiedenster Stilistiken. Aber das ist ja leider nicht das erste Mal,dass SPON-Musikredakteure schlechtrecherchiert haben. Ich war im letzten Jahr dort und habe kaumnerds und hipster gesehen. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass dieseBegriffe in Deutschland eine andere Bedeutung hat als in den USA.
Chuck die Pflanze 11.03.2016
2. :
Um auch morgen noch den Rest der Welt auszuspionieren, muß man schon heute das entsprechende Personal rekrutieren.
mactor2 11.03.2016
3. Austin Festival
Es sind übrigens auch einige deutsche Unternehmen dabei. Start-ups und andere... Vielleicht mal ein Grund etwas positives zu Berichten.
kfp 11.03.2016
4.
Zitat von sekundoist nicht ausschließlich für tech-Fans sondernbietet als weltgrößtes Musik-Fest eine sehr grosse Bandbreite verschiedenster Stilistiken. Aber das ist ja leider nicht das erste Mal,dass SPON-Musikredakteure schlechtrecherchiert haben. Ich war im letzten Jahr dort und habe kaumnerds und hipster gesehen. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass dieseBegriffe in Deutschland eine andere Bedeutung hat als in den USA.
Das war ursprünglich auch das Haupt- bzw. einzige Anliegen dieses Festival, hat sich aber inzwischen offenbar massiv gewandelt. Den Konservativen reicht aber dieser ursprüngliche Ruf des SXSW-Festivals, Obama dafür zu zerreißen, dass er lieber "Party macht" als zur Beerdigung von Nancy Reagan zu gehen...
sekundo 11.03.2016
5. Der britische
Zitat von Chuck die PflanzeUm auch morgen noch den Rest der Welt auszuspionieren, muß man schon heute das entsprechende Personal rekrutieren.
Geheimdienst GCHQ schöpft mindestens ebenso viele Daten ab wie die NSA! Dann müsste, nach Ihrer einseitigen Theorie, das Glastonbury-Festival dann wohl auch zur Rekrutierung von zukünftigen Mitarbeitern in Grossbritannien dienen, oder?!?
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