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South by Southwest: Einfach mal machen

Aus Austin berichtet

SXSW: Die Netzkonferenz in Texas Fotos
DPA

Bei der Digitalkonferenz SXSW Interactive kommen Zehntausende zusammen, um die Zukunft zu besprechen. Bedenkenträger sind in der Minderheit - es überwiegt die Experimentierfreude. Manche Idee dürfte Datenschützer schaudern lassen.

Ohne Smartphone geht nichts in Austin. Viele Besucher der Netzkonferenz South by Southwest Interactive erledigen mit dem kleinen Gerät fast alles: Sie lesen erst das Programm, suchen dann den Weg zum gewünschten Veranstaltungsort, verabreden sich mit anderen Besuchern, bestellen sich einen Wagen per Uber oder Lyft, bezahlen die Fahrt, machen Fotos und Videos von den Vorträgen und twittern ihre Fragen an die Vortragenden. Anschließend bewerten sie, wie der Vortrag und das Essen drumherum waren - auch per Smartphone. Willkommen in der Gegenwart.

Während manche Konzepte in Deutschland noch skeptisch beäugt werden, etwa Übernachtungsportale wie Airbnb oder der Taxi-Ersatz Uber, werden sie hier längst selbstverständlich und exzessiv genutzt.

Zwar sind die Fahrdienste auch in Texas erst seit wenigen Monaten legal, aber das hat ohnehin niemanden interessiert: Drei Fahrer berichteten unabhängig voneinander, sie seien auch vorher schon gefahren, als Nebenjob. Und sie seien von Anfang an gebucht worden. Hier wird eben einfach mal gemacht.

Unter anderem deshalb kommen zur SXSW Menschen aus allen möglichen Ländern, Unternehmer oder Journalisten zum Beispiel. Sie möchten ein bisschen zu- und abgucken, wie woanders Dinge einfach mal gemacht werden.

Und sie wollen natürlich wissen, was das nächste heiße Ding wird. Andere glauben wiederum, das nächste heiße Ding selbst in der Schublade zu haben. Auf dem Film-, Musik und Digital-Festival South by Southwest, kurz SXSW, haben schließlich auch Twitter und Foursquare ihren Durchbruch erlebt. Und viele träumen seitdem davon, auch Teil einer solcher Erfolgsgeschichte zu werden - sei es als Start-up oder als Investor.

Über Snowden sind viele offenbar schon wieder hinweg

In Gesprächen und Kurzvorträgen buhlen die Start-ups um die Gunst der Investoren. In einem Saal des Hilton Hotels etwa möchte McDonald's am ersten Tag Ideen hören zur Zukunft des Restaurants. Junge Firmen tragen vor, wie sie sich die Zukunft vorstellen: Das Start-up Snowshoe zum Beispiel stellt intelligente Plastikplättchen vor, die mit Touchscreens interagieren können. Ganz ohne App könne ein beliebiges Objekt darüber mit jedem Smartphone sprechen, erklärt die Vortragende - und ein Handy habe schließlich jeder dabei. Man könne mit dieser Technologie die Treuekarten im Restaurant revolutionieren oder den Kindermenüs Spielzeug beilegen, das seinerseits neue Spiele freischaltet.

Auch das zweite Start-up möchte Unternehmen die Chance eröffnen, möglichst schnell und unkompliziert über die Handys mit den Menschen da draußen in Kontakt zu treten, ohne dass die sich vorher extra eine App installiert haben. Das soll über ein für das menschliche Ohr nicht hörbares Geräusch passieren, deshalb nennt sich die Firma Lisnr, abgeleitet vom englischen "listen" (zuhören). "Wäre es nicht cool, wenn man in ein Restaurant käme und die Mitarbeiter einen gleich namentlich begrüßen könnten?", fragt Firmengründer Rodney Williams.

Datenschützer dürfte es bei solchen Vorschlägen gruseln. Zwar sind die Enthüllungen von Edward Snowden auch an dieser Digitalkonferenz nicht vorbeigegangen, doch scheint sich zumindest diese Szene hier schon wieder gefangen zu haben.

Im Programm finden sich nur noch vereinzelt Vorträge, die sich mit der Sicherheit und den Gefahren einer vernetzten Welt befassen. Mittlerweile überwiegt hier wieder ganz klar das, wofür die Konferenz immer gestanden hat: ein experimentierfreudiger Technikoptimismus. Wearables, vernetzte Autos und Haushaltsgegenstände werden hier als potenzielle Bereicherung des Lebens begriffen, nicht als mögliche Gefahr. Die Grundeinstellung hier scheint zu sein: Einfach mal machen - weil es geht.

Musizierende Poster und ein Appell von Al Gore

Dabei geht es aber nicht allein darum, mit einer guten Idee steinreich zu werden. Die SXSW und viele ihrer Besucher haben den Anspruch, neue Technologien sinnvoll einzusetzen und damit die Welt besser zu machen - sei es für den Einsatz für Menschenrechte, sichereren Straßenverkehr, transparentere Lebensmittelkontrollen oder den Umweltschutz.

So hatte der Politiker und Umweltschützer Al Gore am Vormittag die Besucher in einem Vortrag zum Klimawandel dazu aufgerufen, "eine Revolution zu starten": "Organisiert euch im Internet, nutzt die sozialen Netzwerke, um die Fakten nach draußen zu tragen."

Und wenn die Welt nicht gleich gerettet werden kann, so möchten doch manche junge Gründer sie zumindest ein bisschen schöner machen. Kate Stone, Gründerin des britischen Start-ups Novalia, zeigt auf der Konferenz beispielsweise, wie ihre Firma gedruckte Dinge zum Leben erweckt. Der Nutzer soll mit dem vermeintlich toten Papier interagieren können. So kann man etwa mit ein bisschen Technik Plakate, Plattencover oder andere Drucksachen so gestalten, dass der Nutzer ihnen Musik entlocken kann.

"Ich will meine Leidenschaft mit möglichst vielen Menschen hier teilen", sagt Stone und zeigt ein Poster, auf dem ein Schlagzeug abgebildet ist. Dann klopft sie mit den Fingern auf die Trommeln - und erzeugt plötzlich Töne. Sie spielt Schlagzeug auf einem Plakat. Das Publikum macht "ah" und "oh" und applaudiert, eine Frau flüstert: "This is so good." Die Zuhörer wollen nach dem Vortrag das Poster anfassen, Kate Stone alle möglichen Fragen stellen, ihre Visitenkarte bekommen und Videos mir ihr drehen. Sie hat das geschafft, wovon hier viele träumen. Und zwar schon am ersten Tag.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Amerika du hast es besser
IrvingWeinstein 14.03.2015
Schön zu sehen, dass in Amerika Zukunftsoptimismus ein konstanter Charakterzug ist. In Deutschland beschäftigt man sich lieber mit Datenschutz und der Angst vor Zukunft, während in Amerika sich die nächsten Mark Zuckerbergs und Steve Jobs treffen, um die Zukunft zu erfinden.
2. in Zukunft weniger Privatsphäre
thecloudman 14.03.2015
ich finde des schlimm wie wir immer weniger Privatsphäre für bessere Technik in Kauf genommen wird ich wette keiner will jemand anderes in seine Tasche schauen lassen online geben jedoch alle die Tasche weiter und bitten quasi drum das sie druchwühlt wird
3.
Oberleerer 14.03.2015
An den aufgezählten Dingen kann ich nichts innovatives erkennen. Aus purer Not wird jedes mögliche und unmögliche Ding auf die Möglichkeit hin abgeklopft, Geld zu verdienen. ohne sich um Gesetze zu kümmern oder gar Gesetze in anderen Ländern (was jetzt nicht mal schlecht sein muß). In der letzten c't stand ein ähnlicher Artikel, vermutlich will das Silikon Valley eine Charmoffensive starten um mehr Geld von unbedarften Investoren einzusammeln. Wie wenig innovativ diese Branche tatsächlich ist, sieht man daran, daß jeder trivialste Mist mit schwammigsten Patenten abgesichert ist und Patentklagen im Milliardenbereich gegen Freund und Feind durchgezogen werden. Da waren die Chinesen innovativer, die haben einfach das Bestehende benutzt, kopiert und kombiniert um Produkte zu entwickeln, die sich auch die Ärmsten leisten können. Um Gesetze hat man sich da auch erst in den letzten 10 Jahren gekümmert.
4.
msix 14.03.2015
Zitat von IrvingWeinsteinSchön zu sehen, dass in Amerika Zukunftsoptimismus ein konstanter Charakterzug ist. In Deutschland beschäftigt man sich lieber mit Datenschutz und der Angst vor Zukunft, während in Amerika sich die nächsten Mark Zuckerbergs und Steve Jobs treffen, um die Zukunft zu erfinden.
Und genau das unterscheidet Deutschland im Bereich IT von den USA. Hierzulande werden grundsätzlich zuerst die möglichen Gefahren diskutiert und vielleicht irgendwann ganz am Ende mal mögliche Vorteile. In den USA es genau andersherum. Solange sich an dieser Einstellung nichts ändert, wird Deutschland im IT Bereich nie eine wesentliche Rolle.
5. schöne neue welt...
johnnypistolero 16.03.2015
Zitat von IrvingWeinsteinSchön zu sehen, dass in Amerika Zukunftsoptimismus ein konstanter Charakterzug ist. In Deutschland beschäftigt man sich lieber mit Datenschutz und der Angst vor Zukunft, während in Amerika sich die nächsten Mark Zuckerbergs und Steve Jobs treffen, um die Zukunft zu erfinden.
finden sie??? das bild zu dem artikel sagt doch alles, das gerät ist dein gott, schaue drauf, lies nachrichten, artikel, einach alles, aber bitte bitte, halte dich von realen menschen fern, dieses bild ist ein armutszeugnis, was ich jeden tag sehe, die menschen stehen herum, kennen sich sogar, konversation, nöööö, fummeln an ihren kleincomputern mit telefonfunktion herum, andere nennen sowas smartphone, der kommunikationskiller schlecht hin, ich rede von echter kommunikation zwischen menschen, und nicht von ferngesteuerten menschen die auf jede zuckung oder vibrieren ihres diskommunikators wie im drogenrausch reagieren und sofort ihre dosis bildschirm brauchen...ohne geht es nicht mehr...deswegen lebe ich auch noch in der steinzeit und bin einer der letzten mit einem mobiltelefon, und o wunder, man kann sogar fotos damit empfangen...und...sie werden es nicht glauben, damit kann man auch telefonieren
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