System One Pass: Google fährt Apple in die Bezahlweb-Parade

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Apple hat Ärger mit Verlegern, Google bietet sich nun als Alternative an. Ein Bezahlsystem für journalistische Inhalte soll Verlagen helfen, online Geld mit Inhalten zu verdienen. Der Clou: Der Suchmaschinenkonzern begnügt sich mit einer geringeren Provision als die iPad-Schmiede.

Google-Hauptquartier in Kalifornien: Ab jetzt auch Abrechnungsdienstleister für Verlage Zur Großansicht
dpa

Google-Hauptquartier in Kalifornien: Ab jetzt auch Abrechnungsdienstleister für Verlage

Google will auch als Abrechnungsdienstleister im Web verdienen. Am Mittwoch kündigte das US-Unternehmen die Einführung eines Bezahlsystems für Online-Inhalte an. Verlage und andere Medienunternehmen sollen damit in die Lage versetzt werden, ihren Kunden eine einfache Möglichkeit anzubieten, um einzelne Artikel online zu kaufen oder Abonnements abzuschließen und zu bezahlen. Mit dem Angebot wirft sich der Konzern Apple in den Weg.

Verlegerverbände kritisieren Apple derzeit, weil das Unternehmen die Inhalte-Anbieter in ein ihrer Ansicht nach zu enges Korsett zwängen will. So müssen die Verlage Artikel und Digital-Abos in Apples Online-Shop ebenso günstig anbieten wie auf ihren eigenen Web-Seiten. Sie sollen Apple beim Verkauf über den App- oder iBook-Store aber mit 30 Prozent am Umsatz beteiligen. Auf ihre eigenen Angebote, mit denen sie demnach mehr verdienen, dürfen sie innerhalb einer App und innerhalb des iBook Stores aber nicht hinweisen.

Von solchen Einschränkungen ist das Google-Angebot weit entfernt. Das "Google One Pass" genannte Bezahlsystem werde "überall laufen" erklärt Madhav Chinnappa, der bei Google Verlagspartnerschaften betreut und an der Entwicklung des Systems beteiligt war. Anders als Apples Angebot, das auf Geräte mit iOS (iPads, iPhones und iPods) beschränkt ist, sei One Pass Multi-Plattform-fähig, laufe auf PC ebenso wie auf Macs, könnte auf Tablet-Rechnern ebenso genutzt werden wie auf Smartphones.

Ein Browser genügt

An der Entwicklung der neuen Technik habe man seit Jahren gearbeitet, viel experimentiert und auch schon einige Bezahlsysteme für Medienhäuser eingerichtet, mit One Pass aber soll nun ein übergreifendes System eingeführt werden, das einerseits sehr nutzerfreundlich ist und andererseits den Anbietern viele Freiheiten einräumt. Vor allem werden die Verleger hier, anders als bei Apple, nicht in ein starres Preiskonzept gezwungen, sondern können ihre Preise vollkommen frei selbst festlegen.

Was mindestens ebenso verlockend sein dürfte: Während Apple mit 30 Prozent beteiligt werden will, verlangt Google nur einen Anteil von zehn Prozent. Den allerdings auch bei jedem Verkauf, egal von welchem Gerät aus der erfolgt. Anders wäre das aber auch nicht umsetzbar, denn für Google One Pass ist keine App und keine Zusatzsoftware nötig, sondern nur ein Webbrowser.

Einmal kaufen, überall lesen

Für Anwender soll der Umgang mit den neuen Bezahlinhalten folgendermaßen ablaufen: Findet man einen kostenpflichtigen Artikel oder ein Bezahlangebot auf einer Website, kann man sich dort zunächst in Form einer Vorschau einen Eindruck vom Inhalt machen. Entscheidet man sich für den Kauf, ist dann noch der Bezahlmodus auswählbar, sofern der Anbieter seinen Kunden hier die Wahl lässt. Man kann also entscheiden, ob man beispielsweise nur einen einzelnen Artikel kaufen oder gleich ein Abo abschließen möchte. Bezahlt wird dann schließlich, indem man sich über seinen Google-Account bei Google-Checkout einloggt und damit den Geldtransfer autorisiert. Ist die Bezahlung erfolgt, wird man zu dem gekauften Artikel geleitet.

Weil auf diese Weise erworbene Inhalte direkt mit dem Google-Account des Käufers verknüpft sind, sollen sich einmal via One Pass gekaufte Artikel über jedes vernetzte Endgerät, egal ob PC, Handy oder Internet-TV, wieder aufrufen lassen.

Experiment oder Druckmittel?

Zur Einführung des neuen Systems hat sich Google mit diversen Medienhäusern zusammengetan. In den USA beispielsweise geht der Tageszeitungsverlag Rust Communications an den Start, in Frankreich der "Nouvel Observateur" und in Spanien Prisa. Aus Deutschland sind die Axel Springer AG, Focus Online und stern.de mit dabei.

Sie alle betrachten die neue Bezahlplattform vorerst aber noch mit Zurückhaltung. "Wir betrachten Google One Pass als ein Experiment", sagt etwa Focus-Online-Manager Oliver Ebert. Und so wundert es auch nicht, dass die beteiligten Verlage vorerst nur kleine Teile ihres Angebots via Google zu Bezahl-Inhalten machen. Man wolle so herausfinden, "welche Paid-Content-Modelle zur Wertschöpfung im digitalen Qualitätsjournalismus beitragen können", sagt etwa Christian Hasselbring von stern.de

Am deutlichsten aber spricht Andreas Wiele von der "Bild"-Gruppe aus, was sich die Verlage von One Pass erhoffen: "Wir wünschen uns, dass sich One Pass baldmöglichst als einheitliche Plattform für ein einfaches Payment sowohl im Web- als auch im mobilen und App-Bereich etablieren kann, um zu einer vollwertigen Alternative zu bestehenden Systemen zu werden." Mit anderen Worten: Man will Druck auf Apple ausüben.

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Qualitätsjournalismus
erlachma 16.02.2011
Zitat von sysopApple hat Ärger mit Verlegern, Google bietet sich nun als Alternative an. Ein Bezahlsystem für journalistische Inhalte soll Verlagen helfen, online Geld mit Inhalten zu verdienen. Der Clou: Der Suchmaschinenkonzern begnügt sich mit einer geringeren Provision als die iPad-Schmiede. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,745971,00.html
Ach, ich kann den Quatsch vom Qualitätsjournalismus nicht mehr hören... alle Zeitungen schreiben doch nur noch Agenturmeldungen ab, bei BILD kommen noch die "1414"-Reporter dazu. Tolle Qualität! BILD beispielsweise zeigt auch schon sehr deutlich, was sie meinen: die BILD-App für iPhone/iPad besteht aus den selben nonsense-Texten wie Bild.de, nur teilweise etwas anders optisch aufbereitet. Der Inhalt auf Bild.de würde eigentlich ein Schmerzensgeld rechtfertigen, frei nach Magath: Qualität kommt von Quälen... Für mich ist die Sache ganz einfach: Geld gibts dafür nicht. Niemals.
2. Sehr gut
EmmetBrown 16.02.2011
Da sieht man wie wichtig Konkurrenz ist. Apple hat ein neues Modell für Verleger gefunden und Google geht einen Schritt weiter. Jetzt ist Apple gezwungen über kurz oder lang nachzuziehen. Solange so etwas nicht in einen ruinösen Preiskampf mündet der am Ende nur einen Anbieter überleben lässt kann uns das nur recht sein. Was das für Konsequenzen auf den sogenannten Qualitätsjournalismus hat werden wir sehen. Die Blätter die nach persönlichem Empfinden noch Qualität liefern kann man wohl an einer Hand abzählen.
3. fein
dirsch 16.02.2011
Scheint mir erstmal begrüßenswert zu sein - Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft. Müssen Die VErlage halt noch eine "App" für Android schaffen - nachdem monatelang "all" großen Zeitung mit bzw. für ihre iOS-Appy geworben haben. Vielleicht hat Apple ja gedacht, hier ein Monopol zu haben? Die 30%, die Apple verlangt, sind jedenfalls schon recht happig. Die VErlage sollen es ja mittlerweile recht schwer haben - wobei mir noch nicht die Tränen kommen....
4. das apple-konzept ist faschistoid,
frank_lloyd_right 16.02.2011
intellektueller content wird im normalfall (sowas gibt es laengst, nur nicht so sehr in richtung news oder journallismus) vom erzeuger selbst frei bepreist - u nd natuerlich verkauft der auf siner eigenen seite billiger. andererseits sind 30 % nicht der hoechste anteil, von dem ich je gehoert habe, ueblich sind eher 40-50. gaengelungsversuche (etwa, man verkauft entweder bei uns oder gar nicht, vor allem nicht auf der eigenen webseite) haben sich nicht bewaehrt, 50/50 hingegen wird oft als "fair" empfunden. egal, diese google-chose sollte man sich jedenfalls ansehen, das erste sinnvolle, was sie seit jahren machen...
5. Verlaufen?
ADie 16.02.2011
Zitat von erlachmaAch, ich kann den Quatsch vom Qualitätsjournalismus nicht mehr hören... alle Zeitungen schreiben doch nur noch Agenturmeldungen ab, bei BILD kommen noch die "1414"-Reporter dazu. Tolle Qualität! BILD beispielsweise zeigt auch schon sehr deutlich, was sie meinen: die BILD-App für iPhone/iPad besteht aus den selben nonsense-Texten wie Bild.de, nur teilweise etwas anders optisch aufbereitet. Der Inhalt auf Bild.de würde eigentlich ein Schmerzensgeld rechtfertigen, frei nach Magath: Qualität kommt von Quälen... Für mich ist die Sache ganz einfach: Geld gibts dafür nicht. Niemals.
Sie sind ja putzig. Sie diskutieren auf der Seite SPIEGEL Online und bemühen die Bild-Zeitung für ihre Argumentation? Vielleicht kaufen Sie sich mal einen gedruckten SPIEGEL. Wenn Sie den gelesen haben, wissen Sie vielleicht, was mit Qualitätsjournalismus gemeint ist. Diese Inhalte kann ich mir gut als Inhalt für ein solches Bezahlmodell vorstellen.
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