Talentsuche Sony sucht den Superstar - und findet Freaks

Der Unterhaltungs-Konzern Sony will mit seinem Video-Portal Crackle die Filmtalente von morgen entdecken. Bislang im Angebot: Feuerwehrmänner im Einsatz, halbnackte Fitness-Trainerinnen und ein paar großartige Clips. Die besten hat man aber schon bei Youtube gesehen.

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Vielleicht haben die Sony-Manager sich ihr eigenes Angebot noch nicht so richtig angeschaut. Am Montag ist Crackle gestartet, Sonys Versuch, eine Art Qualitäts-Youtube zu machen. Zum Start erklärte Sean Carey, Vize-Chef des Sony-Filmstudios: "Die Entwicklung der Online-Videos bringt immer professioneller produziertes Material."

Crackle-Star: Ein bärtiger Mann faltete sich in "Papiroflexia" die Welt schön
crackle.com

Crackle-Star: Ein bärtiger Mann faltete sich in "Papiroflexia" die Welt schön

Und Crackle soll die Netzheimat dieser neuen Bewegung sein: "Wir bieten ein Forum, das diesen kreativen Talenten die Öffentlichkeit und Anerkennung bietet, die sie suchen und verdienen."

Die Gegenwart bei Crackle sieht so aus: Auf dem prominentesten Platz der Startseite ist heute der Animationsfilm "Papiroflexia" zu sehen - der hat auf Youtube in den vergangenen sechs Wochen schon mehr als 100.000 Zuschauer gehabt. Außerdem preist die Titelseite einen Hund, drei stehende Eisbären und ein blonde Frau an, deren Video den Titel trägt: "Sexy Fitness-Star posiert".

Crackle verspricht den Einstieg in Hollywood

Das sind wohl Anlaufschwierigkeiten. Ebenso wie die völlig überladene, nur mit neusten Flash-Playern funktionierende Startseite. Hochwertige Kurzfilme will Crackle mit einem einfachen Versprechen locken, das immer zieht: Crackle bringt Unbekannte nach Hollywood. Konkret: Wer genug Aufmerksamkeit von Redakteuren und Zuschauern bekommt und einmal auf der Titelseite einer Rubrik auftaucht, darf seinen Film bei einem der Crackle-Wettbewerbe einreichen.

Zu den Preisen gehören 15.000 Dollar Produktionsbudget für einen Crackle-Kurzfilm, Vorstellungsgespräche beim Hollywood-Studio Columbia Pictures sowie ein 15-Minuten-Auftritt in einem der legendären "Improv Comedy-Clubs". Crackle-Geschäftsführer Josh Felser fasste das Versprechen auf einer Pressekonferenz so zusammen: "Wir bieten Wege nach Hollywood - das macht sonst niemand."

Das neue Konzept hatte das Portal bitter nötig - vor etwa einem Jahr hieß Crackle noch Grouper, war kaum von Youtube zu unterscheiden und wurde trotzdem für 65 Millionen Dollar von Sony gekauft. Allerdings hat das Angebot dem Vorbild Youtube kaum Zuchauer abluchsen können. So erfand das Grouper-Team sein Angebot neu - als Talentsuche mit etwas Hollywood-Glanz. Ähnlich wollen sich aber auch andere Video-Seiten profilieren: Vuze.com kooperiert mit dem Independent Television Festival, hinter iFilm.com steht der Viacom-Konzern mit Sendern wie MTV und Comedy Central.

Hier ein Überblick der Talente und Tiefpunkte auf Crackle.



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