"Tatort"-Faktencheck Ist künstliche Intelligenz wirklich so schlau?

Der aktuelle Stuttgarter "Tatort" spielt in der nahen Zukunft: Eine Software manipuliert Daten und entwickelt ein Eigenleben losgelöst vom Entwickler. Geht das?

Szene aus dem Tatort "HAL": Das Gesichtserkennungsprogramm von Bluesky
SWR

Szene aus dem Tatort "HAL": Das Gesichtserkennungsprogramm von Bluesky

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David Bogmann (Ken Duken) dreht durch. Im Serverraum seiner Firma schießt der Entwickler mit einem Gewehr um sich. Er glaubt, die mächtige Software Bluesky, die er erschaffen hat, habe sich verselbstständigt: Sie überwacht Bogmann auf Schritt und Tritt, sie manipuliert Daten und schiebt dem Entwickler sogar einen Mord unter.

Die Polizei, die Mitarbeiter der eigenen Firma - alle halten ihn für einen Irren. Um eine zweite Person zu schützen, die sich offenbar in dem Serverraum befindet, erschießt die Polizei Bogmann - und muss feststellen, dass es keine weitere Mitarbeiterin im Raum gibt. Bluesky hatte tatsächlich die Live-Video-Übertragung manipuliert.

Ist es heute schon möglich, Live-Videos zu manipulieren?

Nicht auf die vom "Tatort" nahegelegte Art und Weise. Hier zeigte eine Wärmebildkamera eine Person und identifizierte diese auch gleich mit Namen, Geschlecht und Alter. Dazu sind herkömmliche Wärmebildkameras nicht in der Lage. Es ist lediglich möglich, in Echtzeit zu identifizieren, dass sich jemand vor der Linse befindet, nicht aber wer. Dazu brauchte man weitere Daten.

Militärdrohnen beispielsweise arbeiten auch mit Thermografiegeräten, um im Kampf gegen Terrorismus menschliche Ziele zu erfassen. Geschossen wird allerdings erst, wenn weitere Daten daraufhin deuten, dass es sich bei dem Ziel um einen Terroristen handeln könnte. Zum Beispiel, weil die geortete Person das Mobiltelefon einer Zielperson benutzt. Genau deshalb stehen diese Einsätze aber auch immer wieder in der Kritik: Das Ziel lässt sich allein mit dem Wärmebild nicht eindeutig identifizieren.

Was aber heute schon funktioniert: Man kann in einem Video in Echtzeit Mimik von einem Gesicht auf ein anderes transferieren. Das ermöglicht eine Software, die Forscher der Universität Stanford entwickelt haben. Lächelt beispielsweise die manipulierende Person, wird dieses Lächeln auch auf die Person im Video übertragen. Auch lassen sich Objekte aus Live-Videos entfernen: Diminished Reality nennen die Forscher der TU Ilmenau dieses Verfahren. Bei beiden Anwendungen verschwimmt die Realität. Marktreife haben die Forschungsprojekte aber noch nicht.

Kann man auch ein abgeschaltetes Smartphone abhören?

Im Film verstecken der Entwickler und die Firmenchefin von Bluesky ihre ausgeschalteten Telefone in Metalldosen, wenn sie geheime Gespräche führen wollen. Es wird behauptet, die Smartphones wären sonst - selbst ausgeschaltet - abzuhören.

Da ist tatsächlich etwas dran. Hacker haben einen Android-Trojaner entwickelt, der dem Besitzer vorspielt, das Telefon wäre ausgeschaltet. Tatsächlich läuft das Telefon im Hintergrund weiter, nur der Bildschirm ist nicht mehr aktiv: Die Umgebung kann über das Mikrofon abgehört werden. Wer auf Nummer sicher gehen und nicht überwacht werden will, sollte das Telefon am besten gar nicht in der Nähe haben. Akku entfernen und Abschirmen sind die einzige Möglichkeit, sich zu schützen.

Kann eine Software wirklich ein Eigenleben entwickeln?

Im aktuellen "Tatort" manipuliert die Software Bluesky eigenhändig Daten: Sie fälscht Videosequenzen, sperrt ihren Entwickler aus der Firma aus. Ganz ohne Anweisung. Bluesky ist ein intelligentes System, das dazulernt und eigene Schlüsse für sein Handeln ableitet - und dabei schlauer ist als die Menschen.

Tatsächlich sind heute Computerprogramme bereits in der Lage, sich selbst Dinge beizubringen und sogar ihren eigenen Code zu verändern. Eine wichtige Rolle spielen dabei künstliche neuronale Netze: Mit ihnen versuchen Forscher, das menschliche Gehirn digital nachzubauen.

Diese Netzwerke sind heute schon im Einsatz, beispielsweise bei der Gesichtserkennung oder auch bei Spielen. Eine lernfähige Google-Software schlug bereits zum zweiten Mal den weltbesten Spieler des anspruchsvollen asiatischen Brettspiels Go.

Dass eine Software wie Bluesky aber einen eigenen Willen entwickelt und infolge dessen außer Kontrolle gerät, ist nach derzeitigem Stand nicht möglich. Der renommierte theoretische Physiker Stephen Hawking warnte allerdings in einem Interview mit dem "Independent" vor den Folgen der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. "Kein physikalisches Gesetz würde Partikel daran hindern, sich so zu organisieren, dass diese fortschrittlichere Berechnungen leisten könnten als menschliche Gehirne." Der "Tatort" könnte dahingehend Realität werden.

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istdochegal73 29.08.2016
1. Terminator-Abklatsch
Der Kern der Handlung erinnert doch sehr stark an Terminator. Dort übernimmt auch irgendwann ein Rechner (welch ein Zufall heisst er Skynet und nicht Bluesky) die Kontrolle.
ansv 29.08.2016
2. Es gab nicht nur das Wärmebild
Intelligenz beinhaltet auch das Auswerten aller zur Verfügung stehenden Informationen. Der Serverbereich war - und das ist schon heute nicht unüblich - einer strengen Zugangskontrolle unterworfen. Daher wüsste der Computer jederzeit wer drin und wer draußen ist. Insgesamt hat mir der Tatort ein bisschen zu viel gewollt - kaum jemand fällt im Zeitalter von Siri noch auf ein sprechendes Computerprogramm herein. Warum ausgerechnet Bootz? Und wenn die Beamten diese Kompetenz nicht haben, sollten sie Spezialisten einsetzen - und das ist dann plötzlich Lannert? Die Kostümausstattung war nett. Ein Unternehmen in dem tageweise nur rote oder blaue Pullis getragen werden, ist eine hübsche Idee. Ansonsten: Ein Tatort halt, eine solide Sonntagabendunterhaltung.
Eduschu 29.08.2016
3. Gut
Fand den Tatort aus Stuttgart gut. Endlich mal ohne besonderes Augenmerk auf die Befindlichkeiten und familiären Verhältnisse der Ermittler. Ein Krimi wie ich ihn mir vorstelle. Die vielen Anspielungen auf Filme mit ähnlichem Thema - geschenkt. Nur die Präsentation des Täters war ein wenig lahm.
fritz_64 29.08.2016
4. wenn ich...
... nur 20 Jahre zurück denke, was damals alles als science fiction am Start war und jetzt ein Blick in die jetztzeit wo wir stehen, da gibt es nicht viel das man verharmlosen sollte. Alles was möglich ist wird sicherlich umgesetzt werden und das beschriebene Szenario ist mit der vorhandenen Technik in den Grundzügen jetzt schon am start... wird also kommen, nur eine Frage der Zeit
BruceWayne 29.08.2016
5.
Au Backe. My Generation? Der Tatort spielt ja wohl sehr eindeutig - und aber leider auch sehr unbeholfen - auf den Klassiker von Kubrick an: 2001 - A Space Odyssey. Die Parallelen sind eindeutig. Das Stück Holz am Anfang in Slow Motion: Der Knochen. Judy der Affe - Affen bei Kubrick, HAL - der Titel: Na was wohl? HAL 9000. DIESER Supercomputer entwickelt ein Eigenleben, und zwar schon Ende der 60er Jahre. Allerdings nur deshalb, weil er Angst hat abgeschaltet zu werden. ( Der Tatort lässr die Frage warum BlueSky selbständig wird völlig offen.) Terminator hat mit diesem Tatort nicht das Geringste zu tun. Und warum heißt HAL HAL bei Kubrick? Eine Anspielung auf den damaligen Computerriesen IBM. H/A/L sind genau die Buchstaben im Alphabet jeweils vor I/B/M.
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