Tauschbörsen: Bittorrent-Nutzer zu Haftstrafe verurteilt

Zum ersten Mal ist ein Nutzer des Filesharing-Systems Bittorrent zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Jedem, der Filme oder andere geschützte Dateien auf diese Art verbreite, drohe Ähnliches, warnte der Vorsitzende eines Gerichts in Hongkong.

Bittorrent: "Gefängnisstrafe zwingend erforderlich"

Bittorrent: "Gefängnisstrafe zwingend erforderlich"

Der Präzedenzfall ist da. Nicht dass die Filmindustrie bislang gezögert hätte, den Betreibern von Bittorrent-Seiten den Spaß am Filmetauschen zu vergällen. Aber mit dem eben gefällten Urteil aus Hongkong bekommt die Jagd auf die Filesharer eine neue Qualität.

Denn bisher mussten sich in erster Linie diejenigen Sorgen machen, die spezielle Suchseiten oder sogenannte Tracker betreiben - Server, die für das Aufspüren der Schnipsel einer im Netz verteilten Torrent-Datei notwendig sind. Der Tracker stellt allerdings darüber hinaus nicht notwendigerweise Daten zur Verfügung - das machen die User selbst. Jeder, der über ein Bittorrent-Netzwerk Daten herunterlädt, bietet zwangsläufig auch gleichzeitig Daten an. Bei früheren Filesharing-Systemen wie KaZaA oder LimeWire war das anders: Dort konnte man das "Sharing" von Dateien per Mausklick unterbinden.

Wenn jemand in einem Bittorent-Netzwerk nicht nur Schnipsel, sondern ein vollständiges File anbietet (was notwendig ist, damit weitergetauscht werden kann), nennt man das "seeding", sähen. Das muss man nicht tun, es bringt einem aber Punkte im System ein und sorgt unter Umständen für schnellere Downloads - wer mehr gibt, bekommt auch mehr. "Seeden" muss nicht jeder, aber solange man herunterlädt, bietet man auch an. Das macht das System einerseits so schnell, andererseits aber auch jeden einzelnen Nutzer der an einer Copyright-geschützten Datei saugt, zum Urheberrechtsverletzer. Genau das hat das Gericht in Hongkong nun erstmals auch in einem Urteil offiziell festgestellt.

"Nicht mit Nachsicht behandelt"

Richter Colin Mackintosh sagte, "die Gerichte müssen die Botschaft verbreiten, dass die Verteilung von Kopien, die das Urheberrecht verletzen, insbesondere das 'seeding' von Filmen ins Internet, nicht mit Nachsicht behandelt werden wird". Das Gericht befand, es gebe kaum Unterschiede zwischen Nutzern von Filesharing-Diensten und Raubkopierern, die illegal vervielfältigte CDs oder DVDs verkauften.

Das erste Exempel für diese Politik wurde nun an Chan Nai-ming, 38, statuiert, einem Arbeitslosen, der sich online "Big Crook" nannte. Für das "seeding" von drei Filmen wurde er verurteilt, drei Monate muss er ins Gefängnis. Richter Mackintosh sagte, es wäre "unverantwortlich, wenn die Gerichte nicht anerkennen, dass eine Gefängnisstrafe zwingend erforderlich ist", weil das Schadenspotential für die Filmindustrie "riesig" sei.

Chan war schon im Januar verhaftet und im April angeklagt worden. Verurteilt wurde er am 24. Oktober ausgerechnet für die Verbreitung von drei Werken, die nach überwiegender Kritikermeinung nicht gerade zu Meilensteinen der Filmgeschichte zählen: "Daredevil", "Miss Undercover" und "Red Planet". Jetzt wurde das endgültige Strafmaß mitgeteilt. Die Höchststrafe hätte vier Jahre betragen. Richter Mackintosh sagte, er habe das Strafmaß reduziert, weil Chang nicht vorbestraft sei und weil es sich um das weltweit erste Urteil in einem solchen Fall handele.

Sprecher der phonografischen Industrie und der Filmindustrie zeigten sich erfreut über das Urteil. Woody Tsung von der Motion Picture Industry Association sagte, Gefängnis sei "eine ziemlich ernste Strafe", und weiter: "Wenn Bittorent-Nutzer befürchten müssen, sie könnten im Gefängnis landen, weil sie Filme ohne Erlaubnis ins Internet hochladen, wird niemand wagen, das wieder zu tun."

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