"Ich bin nicht verärgert. 'CBS' und 'CNet' waren mir gegenüber großartig. Ich möchte nur als ehrlicher Reporter gelten." Mit diesen Worten erläuterte der Tech-Journalist Greg Sandoval am Montag seine Kündigung, die er zuvor bereits auf Twitter bekanntgegeben hatte. Er habe kein Vertrauen mehr, dass sich "CBS" - der Mutterkonzern von "Cnet" - der redaktionellen Unabhängigkeit verpflichtet sehe, ließ er wissen. Sandoval zählt zu den bekanntesten "Cnet"-Autoren, zuvor schrieb er beispielsweise für die "Washington Post".
Was war passiert? Vergangenen Donnerstag hatte "Cnet" auf der Technikmesse CES in Los Angeles die "Best of CES Awards" verliehen, darunter die begehrteste Auszeichnung "Best of Show". Letztendlich erhielt diesen Preis aber nicht das Produkt, für das sich die Redaktion zunächst entschieden hatte. Wie Chefredakteurin Lindsey Turrentine am Montag bestätigte, hatte der Mutterkonzern CBS aufgrund eines laufenden Rechtsstreits nicht zugelassen, dass "Cnet" den digitalen Videorekorder "Hopper with Sling" der Firma Dish zum besten Produkt kürt. Die Redaktion musste eine andere Neuheit auszeichnen.
CBS lehnt den Hopper wegen einer integrierten Technik ab: Mit einer Funktion namens AutoHop ermöglicht es der Rekorder, Werbespots in Fernsehsendungen zu überspringen. Diese Spots wiederum zählen zur Geschäftsgrundlage von CBS, der Konzern betreibt zahlreiche Fernseh- und Radiokanäle, darunter "CBS News" und "Showtime". US-Medien spekulierten, CBS habe vermeiden wollen, dass positive "Cnet"-Berichte über den Hopper vor Gericht verwendet werden könnten. Dort streitet die Firma Dish mit mehreren Fernsehanstalten über die AutoHop-Funktion. Parallel zur Disqualifikation des neuesten Hopper-Modells hatte "Cnet" angekündigt, künftig keine Produkte mehr zu testen, bei denen der eigene Mutterkonzern an einem Rechtsstreit beteiligt ist.
Greg Sandoval hat sich bislang, von seinen Tweets abgesehen, nicht zu seiner Kündigung geäußert. Seine Nachrichten legen aber nahe, dass ihn die Intransparenz auf Seiten "Cnet" gestört haben könnte. Bis zum Montag war aus einer redaktionellen Notiz nur bekannt gewesen, dass "Cnet" den "Hopper" aus der Reihe der Finalisten gestrichen hat - nicht aber, dass dieser sogar den "Best of Show"-Award gewonnen hätte. Das enthüllte erst der Konkurrenzdienst "The Verge". Die Chefin des Bereichs Produktrezensionen bei "Cnet", Lindsey Turrentine, erklärte in ihrem eigenen Artikel, sie habe erwogen, ihren Job hinzuwerfen. Sie habe sich dann aber entschieden, ihre Redakteure nicht im Stich zu lassen.
mbö
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