Von Miriam Sulaiman
Und das in allen Bereichen. Die YouTube-Videos von Jess beinhalten "Ads by longtail". Das ist ein Dienstleister, der eine Art Adserver-Toolkit für jedermann anbietet. Kunden können Werbung ihrer Wahl direkt in ihre Videos einblenden lassen, ohne selbst Adserver unterhalten zu müssen. Im Klartext: Es bedeutet, dass die geschaltete Werbung von den Organisatoren ihrer Web-Kampagne selbst eingespielt wird. Ihr Projekt der jugendlichen Weltumseglung wird von einer eigenen Werbeabteilung unterstützt.
Und während sie auf der Homepage mit wehendem Haar am Steuerrad verklärt in die Ferne blickt, leuchtet zu ihrer linken Seite eine Werbung für ihre Baseballmütze auf.
Es gibt mehr als 30 Sponsoren. Vermarktet wird alles, auch ihr Boot. Das heißt "Ella". Die gleichnamige Beauty-Marke koordiniert den Empfang bei ihrer Rückkehr - der gleich an drei Standorten hintereinander standfindet - Melbourne, Sydney, Brisbane. Jess kommt mehrere Male heim.
Für den Aufruf der kostenlosen Karte ist eine Registrierung notwendig. Gratis erhält man dazu wohl später die Werbung im Posteingang. Aber dafür ist man ja dann "Teil der Geschichte" - so der Slogan.
Doch was wäre das alles ohne eigenes Merchandising? Abby bietet natürlich in einem eigenen Shop ihre Produkte an, darunter handbemalte Segelschuhe oder T-Shirts. Und auf ihrem Boot prangt groß "Shoe City". Damit wird den jungen Damen kaum passieren, was ihrem Vorgänger Jesse Martin, 28, geschah. Er hielt einst den Rekord des jüngsten Weltumseglers, seit er den Globus mit 17 Jahren umrundete - aber sitzt noch immer auf Schulden.
Laura hat nur ein Ziel vor Augen
Natürlich hilft all das Marketing, die teuren Trips zu refinanzieren, vielleicht sogar zum Geschäft zu machen, zum Beginn kleiner oder großer Karrieren. Aber Abby und Jess sind auch Vertreterinnen einer Generation, für die Kommunikation und virtuelle Nähe völlig selbstverständlich sind. Mehr noch: sie sind Lebensnotwendigkeiten und normale Lebensäußerungen.
Seine Leidenschaften weltweit zu teilen, ist Standard. Die Medien-Maschinerie ist natürlich Show. Aber sie gibt den Jugendlichen wohl auch essentiellen emotionalen Halt auf ihren extremen Reisen. Sie sind Einhandseglerinnen, die mit virtueller Mannschaft reisen - Community bringt Kraft.
Am Ende darf trotzdem eines nicht fehlen: das Buch. Während Abby ihre Fans noch über einen Titel sinnieren lässt, steht er bei Jess jetzt fest: "True Spirit". Aber das hat noch Zeit. Nach den Auftritten in Melbourne, Sydney und Brisbane, nach den Interviews, die da folgen, muss sie sich wieder an ein normales Leben gewöhnen - ohne durchgehende Aufmerksamkeit.
P.S.: Elf Jahre nach seiner Rekordfahrt um die Welt brach Joshua A. Slocum 1909 noch einmal auf, um allein hinab zum Orinoco zu segeln. Angekommen ist er dort nie, über sein Schicksal gibt es nur Mutmaßungen. Rund hundert Jahre vor der Facebook-Twitter-WWW-Echtzeitkommunikation fehlte ihm sogar eine elementare Technik, die ihm vielleicht Hilfe hätte bringen können: Funk.
Der erste Seenotruf der Geschichte wurde genau in dem Jahr gesendet, als Slocum zum Orinoco aufbrach. Slocum aber war ein alter Segler, kein Early Adopter.
Mit Material von dpa und AFP
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