Rechtsstreit: Telekom schaltet Telefonanschluss erst nach einstweiliger Verfügung

Festnetztelefon (Symbolbild): Plötzlich ging es mit dem Anschluss ganz schnell Zur Großansicht
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Festnetztelefon (Symbolbild): Plötzlich ging es mit dem Anschluss ganz schnell

Ein Amtsgericht hat die Telekom per einstweiliger Verfügung ermahnt: Ein überfällige Telefonanschluss sollte schnell freigeschaltet werden. Andernfalls würden 250.000 Euro oder Ordnungshaft fällig. Die Strafandrohung hat gewirkt.

Die Kündigung eines Telefonanschlusses, die Portierung der Nummern und die Freischaltung an neuer Adresse nach einem Umzug: All das birgt Tücken, die schon so manchen Kunden von Telekommunikationsunternehmen zur Verzweiflung gebracht haben. Ein ähnliches Schicksal drohte zwei Rechtsanwältinnen in Lüneburg, die von ihren getrennten Standorten in eine gemeinsame Kanzlei umzogen.

Während eine der beiden ihren Vodafone-Anschluss mitnehmen wollte, hatte die andere einen Telekom-Vertrag. Der wurde gekündigt, die Rufnummern sollten ebenfalls zur neuen Adresse portiert werden. Doch nichts geschah, weil die Telekom den Standpunkt vertrat, der bisherige Vertrag laufe erst im Juni aus, und bis dahin gebe es keinen weiteren Vertrag, auch nicht für die neue Adresse.

Außerdem wurden Probleme der trivialen Art angeführt: Zunächst sollte ein Vodafone-Techniker ausrücken, der aber nicht kam, weil die Telekom das Eintreffen eines eigenen Angestellten versprochen habe. Doch der habe sich nicht blicken lassen, berichtet die "Landeszeitung" . Ein Telekom-Sprecher erklärte überdies, Vodafone habe der Telekom eine unvollständige Adresse übermittelt, so dass ein beauftragter Techniker die Kanzlei nicht habe finden können.

Die Telekom schafft es - fünf Minuten vor Ablauf der Frist

Tage gingen dahin, die Rechtsanwältinnen blieben weiter von Telefon, Internet und Fax abgeschnitten. Der in solchen Fällen vom Normalbürger oft gescheute Weg zum Anwalt lag für die beiden Advokatinnen nahe: Sie gingen zum Amtsgericht und beantragten eine einstweilige Verfügung gegen die Telekom. Die müsse kurzfristig erlassen werden, ein langfristiger Verhandlungsmarathon würde die Juristinnen in den Ruin treiben. Eine der beiden stellte fest: "Wir haben Gerichtsfristen einzuhalten, die teilweise nicht verlängerbar sind - können aber nicht telefonieren, nicht mailen, nicht faxen."

Das überzeugte die Richter, und sie gaben der Telekom auf, "die Kommunikationsdienstleistungen zu den Kanzleiräumen... umgehend, spätestens binnen 24 Stunden nach Erhalt der Verfügung freizuschalten". Sollte dies nicht innerhalb der gesetzten Frist der Fall sein, werde ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro fällig, ersatzweise Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten für die Geschäftsführer.

Am Freitagmorgen um 8.40 Uhr wurde der Telekom diese einstweilige Verfügung per Gerichtsvollzieher zugestellt. Daraufhin bewegte sich das Unternehmen, am Samstagmorgen erschien ein Techniker in den neuen Kanzleiräumen. Ganz kurz vor Ablauf der Frist, um 8.35 Uhr, verfügten die Anwältinnen endlich über einen funktionierenden Telefon- und Internetanschluss.

Die Juristinnen fordern Schadenersatz

Für die Telekom ist die Angelegenheit damit aber noch nicht ausgestanden. Nicht genug damit, dass der Konzern die Kosten des Verfahrens übernehmen muss, die Anwältinnen erwarten auch Schadensersatz. Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte Suzan Baymak-Winterseel, eine der beiden Juristinnen, immerhin sei sie mitsamt ihrer Kollegin eine Woche lang von jeder Kommunikation abgeschnitten gewesen. Den entsprechenden Verdienstausfall würden sie auf alle Fälle geltend machen. "Ich weiß doch gar nicht, welche Mandate uns in dieser Zeit entgangen sind. Zumal wir in der lokalen Presse mit Datumsangabe auf die Eröffnung der neuen Kanzlei hingewiesen hatten."

meu

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Der Kaiser hat zwar neue Kleider, aber die alten
ratschbumm 28.02.2013
Zitat von sysopDPAPer einstweiliger Verfügung ermahnte ein Amtsgericht die Telekom, einen überfälligen Telefonanschluss schnell freizuschalten. Andernfalls würden 250.000 Euro oder Ordnungshaft fällig. Die Strafandrohung wirkte. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/telekom-rechtsstreit-250-000-euro-fuer-einen-telefonanschluss-a-886038.html
Zöpfe der Büttelwirtschaft sind noch dran.
2. schon blöd
earl grey 28.02.2013
Zitat von sysopDPAPer einstweiliger Verfügung ermahnte ein Amtsgericht die Telekom, einen überfälligen Telefonanschluss schnell freizuschalten. Andernfalls würden 250.000 Euro oder Ordnungshaft fällig. Die Strafandrohung wirkte. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/telekom-rechtsstreit-250-000-euro-fuer-einen-telefonanschluss-a-886038.html
Tja, schon blöd, wenn man sich mit Anwälten/innen anlegt... Aber die beiden scheinen gut zu sein, wer in Lüneburg mal einen Rechtsbeistand braucht...
3. richtig so
hinzkunz001 28.02.2013
Zitat von sysopDPAPer einstweiliger Verfügung ermahnte ein Amtsgericht die Telekom, einen überfälligen Telefonanschluss schnell freizuschalten. Andernfalls würden 250.000 Euro oder Ordnungshaft fällig. Die Strafandrohung wirkte. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/telekom-rechtsstreit-250-000-euro-fuer-einen-telefonanschluss-a-886038.html
und so wsollte das jeder Buerger machen, zum Anwalt eine einweilige verfuegung beantragen und die kosten muss die Telekom uebernehmen. Ich hoffe die Anwaeltin bekommt eine fette summe und irgend ein depp bei der Telekom wird gefeuert fuer arroganz.
4. Ach so...
tiit 28.02.2013
die gleichen Erfahrungen habe ich mit Vodaphone gemacht. In meinem Fall war dann aber die Telekom der "weiße Ritter", der mich kurzfristig und unbürokratisch wieder in die "mediale" Welt zurückholte. Und ansonsten zeigt mir dieser Vorgang nur wieder die Zwei- Klassen- Gesellschaft: Wenn zwei Anwälte, also sozusagen "Kollegen", zum Gericht gehen, bekommen diese sofort eine einstweilige Verfügung in die Hand. ich bin sicher, das dies einem "normal" Bürger nicht gewährt werden würde von dem Gericht. Und Schadensersatz? Die beiden Anwälte können doch gar nicht beziffern, wieviel Klienten / Umsatz ihnen entgangen ist? Also was wollen sie einklagen? Eine Phantasiezahl?
5. Telekomiker
Stelzi 28.02.2013
Gelegentlich bekommen die Telekomiker auch mal die Grenzen ihres Irrsinns aufgezeigt. Aber nicht jeder ist Anwalt...
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