Thailands Regierungschefin: Hacker kapern Yinglucks Twitter-Konto

Hacker haben vorübergehend das Twitter-Konto von Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra übernommen. Sie überzogen die Politikerin mit beißendem Spott: "Wenn sie nicht einmal ihren eigenen Twitter-Account schützen kann, wie will sie dann dieses Land beschützen?"

Screenshot von Yinglucks Twitter-Seite: "Wie will sie dieses Land beschützen?" Zur Großansicht

Screenshot von Yinglucks Twitter-Seite: "Wie will sie dieses Land beschützen?"

Bangkok - Sie ist die erste Frau an der Regierungsspitze Thailands - und alles andere als unumstritten: Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra muss sich immer wieder der Kritik erwehren, nur eine Marionette ihres 2006 bei einem Militärputsch gestürzten Bruders Thaksin Shinawatra zu sein. Nun haben Hacker vorübergehend das Twitter-Konto der Politikerin gekapert.

Sie verschickten mindestens acht Nachrichten in ihrem Namen. Darin warfen sie dem Kabinett der Politikerin Inkompetenz und Vetternwirtschaft vor. In der letzten Botschaft wurde die Ministerpräsidentin wegen der Datenpanne verspottet: "Wenn sie nicht einmal ihren eigenen Twitter-Account schützen kann, wie will sie dann dieses Land beschützen?", hieß es.

In anderen Nachrichten wurde Yingluck etwa bezichtigt, nicht für das thailändische Volk zu arbeiten, sondern nur für ihre Unterstützer und Geldgeber. Außerdem wurde ihr Missmanagement nach verheerenden Fluten vorgeworfen, die mindestens 200 Menschen das Leben gekostet haben sollen.

Wer den Account der Politikerin übernommen hat, ist nicht klar. Das Ministerium für Information und Kommunikation habe Ermittlungen eingeleitet, sagte eine Regierungssprecherin. Twitter-Konten werden immer wieder geknackt. So erklärten Hacker mit Hilfe eines gekaperten Foxnews-Accounts US-Präsident Obama für tot. Der Twitter-Kanal des Fernsehsenders NBC wurde kurz vor dem 11. September für eine gefälschte Terrormeldung missbraucht.

In Thailand dürfte der Hack für weitere Diskussionen in einer ohnehin schon aufgeheizten politischen Debatte sorgen. Ministerpräsidentin Yingluck hat in ihrem Wahlkampf eine wahre Wundertüte an sozialen Wohltaten versprochen: Jeder Schüler soll einen PC bekommen, jeder Universitätsabsolvent mit Bachelor-Abschluss ein garantiertes Anfangsgehalt von 15.000 Baht, jedes Dorf eine Millionen-Finanzspritze. Außerdem soll der Mindestlohn in der freien Wirtschaft fast verdoppelt werden. Ob sie all das umsetzen kann, muss sich noch zeigen.

Gerade hat sie ihre Regierungsmannschaft vorgestellt. Bemerkenswert dabei: Fast zwei Drittel der 36 Kabinettsmitglieder sind Millionäre. Yingluck führt in der Liste ihrer Besitztümer, die thailändische Minister bei Antritt und Ausscheiden aus der Regierung abgeben müssen, unter anderem sieben Hermes-Taschen auf, die teuerste im Wert von über 8000 Euro, acht Autos - davon ein Porsche - sowie ein Haus mit eigenem Fußballplatz.

chs/dapd

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Thailand
Magnolie5 02.10.2011
Die Dame geht doch schon mal sehr geschickt voran sich die Unterstuetzung des Kapitals zu sichern! Durch ihren Bruder, der die alleraermste Landbevoelkerung ein wenig unterstuetzt hat, hat sie auch da schon Anhaenger, die hoffen doch, dass sie den Kurs des Bruders weiter verfolgt und Wohlstand unter den Aermsten verbreitet. Ich persoenlich traue dieser Dame keine 2 Schritte ueber den Weg, sie wird den Aermsten ein klein wenig Almosen geben, sich weiterhin selbst bereichern und weiterhin Hermes - Taeschen( die, die sie bisher hatte musste sie ja abgeben) kaufen.Sie wird die 2 Klassen Gesellschaft in Thailand weiter anfeuern. Arm oder Reich, mehr kennt Asien nicht. ( Hoch lebe die Korruption - Zynismus Ende).
2. .
Trondesson 02.10.2011
Zitat von Magnolie5Die Dame geht doch schon mal sehr geschickt voran sich die Unterstuetzung des Kapitals zu sichern! Durch ihren Bruder, der die alleraermste Landbevoelkerung ein wenig unterstuetzt hat, hat sie auch da schon Anhaenger, die hoffen doch, dass sie den Kurs des Bruders weiter verfolgt und Wohlstand unter den Aermsten verbreitet. Ich persoenlich traue dieser Dame keine 2 Schritte ueber den Weg, sie wird den Aermsten ein klein wenig Almosen geben, sich weiterhin selbst bereichern und weiterhin Hermes - Taeschen( die, die sie bisher hatte musste sie ja abgeben) kaufen.Sie wird die 2 Klassen Gesellschaft in Thailand weiter anfeuern. Arm oder Reich, mehr kennt Asien nicht. ( Hoch lebe die Korruption - Zynismus Ende).
Die Fronten sind doch schon seit Jahren klar, und auch daß jetzt mit einem weiteren Mitglied des Shinawatra-Clans an der Regierung in der thailändischen Politik neue Korruptionsrekorde aufgestellt werden. Scheint bloß im Westen irgendwie noch nicht angekommen zu sein.
3. Marionette
zephyros 02.10.2011
Zitat von Magnolie5Die Dame geht doch schon mal sehr geschickt voran sich die Unterstuetzung des Kapitals zu sichern! Durch ihren Bruder, der die alleraermste Landbevoelkerung ein wenig unterstuetzt hat, hat sie auch da schon Anhaenger, die hoffen doch, dass sie den Kurs des Bruders weiter verfolgt und Wohlstand unter den Aermsten verbreitet. Ich persoenlich traue dieser Dame keine 2 Schritte ueber den Weg, sie wird den Aermsten ein klein wenig Almosen geben, sich weiterhin selbst bereichern und weiterhin Hermes - Taeschen( die, die sie bisher hatte musste sie ja abgeben) kaufen.Sie wird die 2 Klassen Gesellschaft in Thailand weiter anfeuern. Arm oder Reich, mehr kennt Asien nicht. ( Hoch lebe die Korruption - Zynismus Ende).
wie sollten Sie Ihr auch trauen, wo doch jedem klar sein müsste, dass sie eine ferngesteuerte Marionette Thaksins ist - mit seinen, durch Korruption zur Seite geschaffenen Milliarden, bequem aus dem nahen Dubai "an der kurzen Leine"... Mal im ernst: wer kann einer Regierungschefin trauen, die sich für den persönlichen Rachefeldzug eines Verwandten einspannen lässt? So jemand ist doch per se schon unglaubwürdig.
4. Mehr davon!
khid 02.10.2011
Es wird nicht die letzte Nachricht dieser Art sein, die von Shinawatras Machenschaften kommen wird... 2/3 der Regierung sind Millionäre... Im Isaan hoffen die Menschen auf Almosen... Das "One-Laptop-per-Child" Programm ist seit längerer Zeit beschlossen als dass Thaksin oder Yingluck sich damit brüsten dürften... Ein "Mindestanfangsgehalt" von 15.000 THB/Monat? also ca. 350-400 Euro... Für thailändische Landkinder ist das "viel Geld" - aber weder in Bangkok noch im Isaan kann man damit sehr hohe Sprünge machen! Was soll so ein "Programm" dann? Richtig - es soll "das Volk" beruhigen, in Watte packen, still halten lassen. Währenddessen wird der durch und durch korrupte und im übrigen auch vollkommen srupellose (oder was meinen Sie, wer die Revolte der Rothemden angestachelt und finanziert hat - und die schwer bewaffneten Kämpfer in Schwarz, die den Konflikt dann durch gezielte Tötungen eskalierten?)Thaksin Clan sich weiter am Land bereichern! Die Dummen in der Sache sind die "einfachen Leute" auf dem Land und in den Städten! Schön, dass der SPON so langsam begreift, was in Thailand wirklich passiert... es sah eine Zeitlang nicht so aus...
5. Viel Glueck, 'Land der Freien'
Altesocke 02.10.2011
Zitat von sysopHacker haben vorübergehend das Twitter-Konto von Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra übernommen. Sie überzogen die Politikerin mit beißendem Spott: "Wenn sie nicht einmal ihren eigenen Twitter-Account schützen kann, wie will sie dann dieses Land beschützen?" http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,789568,00.html
Irgendwie gab es das doch schon mal. Ach ja, der Bruder kaufte so den nordosten ein, fuer die Wiederwahl. Somit arbeitet sie direkt an der Wiederwahl. Wird wohl noch bis kurz vor die naechsten wahlen dauern, bis die 'Kleinkredite fuer Geschaeftsgruendungen' wieder zur stimmbeschaffung eingesetzt werden. Und danach wird es wieder jede Menge neuer 'Abstooter'-Pickups im Nordosten geben.
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Fotostrecke
Thailands Ministerpräsidentin: Yingluck Shinawatras Siegeszug

Bevölkerung: 68,139 Mio.

Fläche: 513.000 km²

Hauptstadt: Bangkok

Staatsoberhaupt: König Bhumibol Adulyadej

Regierungschef: Armeechef Prayuth Chan-ocha (seit 22. Mai 2014)

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Thailand-Reiseseite

Hintergrund
Die Rothemden
Rothemden nennen sich die Anhänger des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra . Sie werden angeführt von der außerparlamentarischen Opposition der "Vereinigten Front für Demokratie gegen Diktatur" (UDD) , die sich nach dem Militärputsch gründete und Verbindung zu Thaksin im Exil hält. Die UDD hat ihre Anhänger vor allem unter der ärmeren, wenig gebildeten Landbevölkerung im Norden und Nordosten Thailands. Thaksin band sie an sich, indem er ihnen eine Stimme gab, eine günstige Krankenversicherung einführte und Entschuldungsmaßnahmen einleitete.

Auch Studenten und demokratiebewegte Mitglieder der Mittelschicht haben sich den Rothemden angeschlossen. Sie fürchten um die Demokratie in Thailand und möchten den Einfluss des Militärs und der städtischen Eliten zurückdrängen. So unterstützen zwar nicht alle heutigen Rothemden uneingeschränkt Thaksins Kurs – der Unmut über den Putsch des Militärs 2006 aber eint die Demonstranten.
Die UDD hält die noch amtierende Regierung für illegal und verlangte deshalb Neuwahlen - bei denen sich jetzt die von Thaksin unterstützte Pheu-Thai-Partei durchsetzte.

Die Gelbhemden
Die Gelbhemden oder Gelben sind eine lose Gruppe aus Royalisten, Militärs, Geschäftsleuten und Angehörigen der städtischen Ober- und Mittelschicht, die sich in der "Volksallianz für Demokratie" (PAD) organisiert haben. Besonders stark sind sie in der Millionenmetropole Bangkok vertreten. Sie tragen Gelb – die Farbe des Königs. Im Parlament unterstützen sie die noch regierende konservative Demokratische Partei (DP).

Seit 2006 protestierten sie immer wieder gegen den umstrittenen damaligen Premier Thaksin Shinawatra , der seine politische Macht benutzt haben soll, um sich privat zu bereichern. Sie beschuldigten Thaksin der Korruption, des Machtmissbrauchs und der mangelnden Loyalität gegenüber dem in Thailand überaus geschätzten Königshaus. Hunderttausende nahmen damals an Straßenprotesten teil, 2008 blockierten Anhänger zwei Wochen lang die Flughäfen von Bangkok und erzwangen so den Sturz einer Regierung von Thaksin-Anhängern und Neuwahlen.

Thaksin Shinawatra
Der Geschäftsmann Thaksin Shinawatra wurde mit der Firma Shin Corporation zu einem der reichsten Männer Thailands. Neben seinen Geschäften verfolgte er eine politische Karriere und gründete 1998 die Partei "Pak Thai Rak Thai" (Thais lieben Thais). Im Wahlkampf 2001 stellte er Soforthilfe für die thailändischen Dörfer in Aussicht. Nach einem deutlichen Sieg über die etablierte Demokratische Partei förderte er die arme, ungebildete Landbevölkerung mit einer günstigen Gesundheitsversorgung und Sozialprogrammen und gewann sie so als loyale Anhänger. Damit waren die alten Bangkoker Seilschaften abgemeldet. Thaksin führte Thailand wie ein Unternehmen ("Thaksinomics"), die Wirtschaft zog an.
Thaksin wurde jedoch vorgeworfen, private Geschäftsinteressen mit seiner Regierungsarbeit zu verquicken. Bei den Wahlen 2005 wurde er dennoch als Regierungschef bestätigt.

Als ihn die Opposition schließlich über die Korruptions- und Missbrauchsvorwürfe hinaus beschuldigte, sich illoyal gegenüber dem Königshaus verhalten zu haben, kam es 2006 in Bangkok zu Massenprotesten gegen den Premier. Thaksin setzte vorgezogene Neuwahlen an, die die Opposition jedoch boykottierte. Im September 2006, als Thaksin sich bei der Uno in New York aufhielt, setzten Militärs ihn in einem Staatsstreich ab.

Thaksin lebt seitdem im Exil in London und Dubai, hält aber Kontakt zu seinen Anhängern in Thailand. Ein thailändisches Gericht verurteilte ihn im Februar wegen Amtsmissbrauchs und beschlagnahmte einen Teil seines Vermögens.



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