Theorienüberblick Medien und Gewalt

Nach Tragödien wie der von Erfurt wird immer schnell der Ruf nach Zensur der Medien laut - die Politik fordert, der Stammtisch applaudiert. Die Medienwirkungsforschung sieht das differenzierter: Die Zeit, in der man an eine unmittelbare Manipulationskraft der Medien glaubte, ist lang vorbei. Von SPIEGEL Online zusammen getragen: Ein Kurzüberblick über die gängigen Theorien.


Aristoteles meinte, man könne "Dampf ablassen", indem man Gewaltszenen ansieht
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Aristoteles meinte, man könne "Dampf ablassen", indem man Gewaltszenen ansieht

Die Diskussion um die Verantwortung der Medien für Gewalt in der "realen Welt" ist so alt wie die Medien selbst. Sie begann mit Aristoteles, der Gewaltdarstellungen im Theater mit einer "Katharsis" rechtfertigte: Das Anschauen von Gewalt "reinige" den Geist des Menschen von gewalttätigen Gelüsten. Die medial vermittelte Gewalt wird hier zum Ventil, um eigenen "Dampf" stellvertretend abzulassen. Eine These, die vor allem von Fußballfans immer wieder gern reanimiert, außer am Stammtisch aber nirgendwo mehr diskutiert wird.

Auch die Thesen der direkten Manipulation - Medium sendet, Mensch empfängt - gehören zum Glück ins Wunschdenken der Goebbelschen Propaganda-Maschinerie. Die hoffte noch, Menschen per Medium "hirnwaschen" zu können. Spätestens Ende der sechziger Jahre befreite die Forschung den Menschen jedoch endgültig von den Marionettenfäden und verkündete:

  • Wenn hier jemand manipuliert, dann wir uns selbst.
  • Darauf aufbauend kam in den Achtziger der
  • "Konstruktivismus": Wir bauen uns die Welt.


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