Witz-Museum The Useless Web: Der schlagende Aal
Ohrfeigen von einem Aal, die "offizielle" Seite der Mango-Republik, eine hungrige Dame mit Übergewicht: The Useless Web sammelt Links zu Seiten, die überflüssig sind - aber trotzdem faszinieren. Eine Auswahl aus Schönheit und Irrsinn.
Hamburg - Der kleine Hund leckt den Monitor ab, von innen - wie passt er in den Flachbildschirm überhaupt hinein? Fledermäuse rasen kreuz und quer über den Monitor, jede, die vorbeifliegt, macht dabei ein lautstarkes Furzgeräusch. Die Webseite spielt Dame gegen sich selbst, blitzschnell. Über den Bildschirm treiben reglose Lachse, dazu spielt jemand auf einem billigen Keyboard "Waterfalls" von TLC.
Solche und noch ganz andere digitale Merkwürdigkeiten findet man mit jedem Klick auf einen schreiend pinken Button: Auf der Website mit dem sehr präzisen Namen The Useless Web, die der in New York ansässige australische Designer Tim Holman vor etwa fünf Monaten online gestellt hat. Jeder Klick auf den pinken Knopf führt den Nutzer auf eine von derzeit etwa 75 Websites, die, wie der Name schon sagt, völlig nutzlos sind. Sie beantworten Fragen wie "Ist mein Computer an?" (Antwort: "Ja"), erlauben dem Nutzer, säuberlich ausgeschnittene Katzenfotos per Mausklick hüpfen zu lassen - oder einen bedauernswerten Menschen mit einem Aal zu ohrfeigen. Ja, mit einem Aal.
Pixelige Hündchen vor Regenbogen
Das Netz ist voll von solchen Seiten, die irgendjemand irgendwann einmal zum Spaß angelegt hat, und Tim Holman sammelt sie in seinem seltsamen Museum des Nutzlosen. "Ich hatte die Idee während des Hurrikans 'Sandy' in New York", schreibt Holman auf Anfrage in einer E-Mail, "ich saß lange drinnen fest und brauchte irgendeine Betätigung. Und diesen eigentlich nutzlosen Websites kann man schwer widerstehen."
Das wird jeder bestätigen können, der den pinken Button einmal betätigt hat - auch wenn manches von dem, was man dann zufällig ausgewählt zu sehen bekommt, schon über Social-Media-Kanäle herumgereicht wurde. Oder hässlich ist, bizarr, manchmal einfach dämlich. Einer geht noch. Immer.
Außer der Chef kommt herein und fragt, warum man sich pixelige Hündchen ansieht, die unablässig über einen psychedelisch flimmernden Regenbogenhintergrund rennen.
Weit über 70 Millionen Mal sei der Knopf bislang geklickt worden, sagt Holman, etwa sechs Millionen Menschen haben die Seite bislang besucht. Holman wirft gelegentlich Seiten von der Liste, wenn sie offline gehen, anfangen, Werbung zu schalten oder sich zu sehr verändern. Er nimmt Vorschläge für Neuzugänge entgegen, derzeit "etwa zehn die Woche", sagt er, aber "ich bin ziemlich streng bei der Auswahl". Er finde "die Erfahrung im Moment schön ausbalanciert".
Schön schief, könnte man auch sagen. Schön im weiteren Sinne. Auf jeden Fall: einen Besuch wert.
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- Mittwoch, 20.03.2013 – 19:22 Uhr
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