Service für Eilige Schön kurz, hab ich gleich gelesen

Für 30 Millionen Dollar hat Yahoo dem 17-jährigen Nick D'Aloisio seine Firma Summly abgekauft. Die App des Jugendlichen kürzt automatisch Nachrichtenartikel ein - dieser Service ist momentan sehr gefragt. Wir stellen ein paar Schnell-Lese-Dienste für Eilige vor.

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Was passiert eigentlich gerade in Zypern? Die "New York Times" liefert einen ausführlichen Bericht, mehr als 1200 Wörter lang. Zwischen Tweets, E-Mails und der nächsten U-Bahn lesen sich diese allerdings nicht so schnell. Wie wäre es stattdessen mit 120 Wörtern, für den Anfang? Die Seite tldr.io sammelt solche Zusammenfassungen, erstellt werden sie von Freiwilligen.

Mit Hilfe eines Browser-Plug-ins werden die Vorschautexte gleich angezeigt - im besten Fall lässt sich so schneller entscheiden, ob sich die Lektüre des Volltexts lohnt, oder ob die prägnante Zusammenfassung ausreicht. Der Name der Seite ist eine im Netz gängige Abkürzung, sie steht für "too long, didn't read" (zu lang, habe ich nicht gelesen).

Ursprünglich kommt das "tl;dr" aus Webforen und Kommentarspalten, in denen Nutzer diskutieren, ohne sich allzu lange mit der Lektüre ausführlicher Beiträge aufzuhalten. Etliche Netznutzer stellen angesichts eines immerwährenden Bombardements aus Tweets, E-Mails und Links fest, dass sie zwar viel mehr lesen - das aber eher oberflächlich. Sie haben doch keine Zeit!

Apps, Newsletter, Info-Häppchen

Also steigt die Nachfrage nach leicht verdaulichen Fakten. Die von drei Franzosen gestartete Plattform tldr.io könnte für die praktischen Kurztexte künftig Geld verlangen. Die Seite setzt bei den Zusammenfassungen noch ganz auf die Hilfe von Menschen. Bei "Summly" arbeiten stattdessen schon Algorithmen: Die App kürzt automatisch Nachrichten ein.

Mit englischen Artikeln funktioniert das schon erstaunlich gut. Nick D'Aloisio, der seit zwei Jahren an "Summly" arbeitet und prominente Investoren überzeugen konnte, hat die App gerade an Yahoo verkauft. Aus dem App-Store ist "Summly" deswegen schon verschwunden, der Internetkonzern will die Funktionen nun in sein Angebot, darunter mehrere Nachrichtenportale, integrieren.

Auch "Circa" hat Smartphone-Nutzer im Visier: Die Nachrichten-App liefert schnell lesbare Info-Häppchen statt langer Artikel. Im Hintergrund arbeitet aber nicht nur ein Algorithmus, elf Redakteure sorgen dafür, dass die Auswahl und Gewichtung der Nachrichten stimmt. Ebenfalls neuer Beliebtheit erfreuen sich Angebote, die das Nachrichtengeschehen eines Tages knapp zusammenfassen: zum Beispiel die "Evening Edition" oder der Newsletter NextDraft von Dave Pell.

Größte Lüge des Webs

Eine weitere Kürzungsseite will nicht das Weltgeschehen zusammenfassen, sondern mit der angeblich größten Lüge des Web aufräumen: dem Bestätigungsklick, man habe die Nutzungsbedingungen eines Onlinediensts gelesen und akzeptiert. "Terms of Service; Didn't Read" heißt die Seite. Die freiwilligen Helfer fassen die seitenlangen Nutzungsbedingungen von Diensten wie Facebook, Twitter oder Steam zusammen, übersichtlich mit roten und grünen Symbolen. Auf einen Blick sollen die Nutzer wissen, worauf sie sich einlassen. Dabei muss man sich zwar auf die Angaben auf der Seite verlassen und wiegt sich womöglich in falscher Sicherheit. Besser, als die Nutzungsbedingungen schlicht zu ignorieren, ist ein Blick auf "TOS;DR" aber allemal.

Bei all dem Gekürze fallen feine Nuancen schon mal hintenüber. Komplexe Themen werden in kurze Sätze gepresst und zu kurzen Fakten verdichtet, weniger ist eben oft auch wirklich weniger. Zum Glück gibt es parallel zum Prinzip tl;dr auch eine gegenläufige Entwicklung. Die journalistische Langform, ausführliche, gut geschriebene Texte von 10.000 Zeichen und mehr, erfahren im Web mindestens ebenso große Wertschätzung wie die extreme Zusammenfassung. "Longreads" und "Longform" sind nur zwei Beispiele.



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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
kroto 26.03.2013
1. Diese...
... netten "Informationshäppchen" erklären zumindest, warum viele Menschen kaum noch Hintergrundwissen über Politik usw. haben und nur Losungen aufsagen können, ohnehin die Allgemeinbildung eines Steinzeitmenschen haben. Schöne neue Smartphonewelt!
Capt'n Hook 26.03.2013
2. nichts Neues
@kroto: das war schon immer so. Nur kann man jetzt sein Halbwissen viel leichter der Welt mitteilen, daher kommt Ihnen das wahrscheinlich als ein Anstieg vor in der schönen neuen Smartphonewelt. Die sarkastische Kritik ist übrigens dumm. Empfehlen Sie damit nun den Verzicht auf Smartphones? Verzicht auf Emails und gekürzte Online-Fassungen des Spiegels und quasi back to the roots - zurück zur Zeitung oder zum Marktschreier? Wenn nicht, dann hören Sie bitte auf so sinnlos kategorisch technische Entwicklungen zu verteufeln. Alles war mal neu und gefährlich.
mrschabak 26.03.2013
3. LOL, LMAO & CU later
Leider kann man, wie dieser Artikel deutlich zeigt, mittlerweile Millionen mit der Dummheit bzw. Verdummung der Menschheit scheffeln. Zugegeben, auch ich ertappe mich selbst häufig beim Überfliegen der Schlagzeilen bei SPON statt den gesamten Artikel zu lesen, aber dieser Kürz- und Abkürzungswahn erreicht wirklich ganz neue Dimensionen. Ich sehe es schon kommen. GmbH mit Sitz in CY a.k.a. B.O.C. geht bankrott. Unsere BK A.M. aus B in D sagt dazu nur LMAA.
kuac 26.03.2013
4. Denkbar
Zitat von Capt'n Hook@kroto: das war schon immer so. Nur kann man jetzt sein Halbwissen viel leichter der Welt mitteilen, daher kommt Ihnen das wahrscheinlich als ein Anstieg vor in der schönen neuen Smartphonewelt. Die sarkastische Kritik ist übrigens dumm. Empfehlen Sie damit nun den Verzicht auf Smartphones? Verzicht auf Emails und gekürzte Online-Fassungen des Spiegels und quasi back to the roots - zurück zur Zeitung oder zum Marktschreier? Wenn nicht, dann hören Sie bitte auf so sinnlos kategorisch technische Entwicklungen zu verteufeln. Alles war mal neu und gefährlich.
Alles war mal neu, aber nicht immer gefährlich. Falls die Entscheider anfangen würden, an Hand des Apps Entscheidungen zu treffen, dann wird es gefährlich. Bei den Smartphones- und FB-gefällt mir Followers, ist das auch denkbar. Nicht zwingend aber doch denkbar.
leser75 26.03.2013
5. Bekanntes Verfahren
Dieses kennen die Berufstätigen schon sehr lange; da wird ne lange Bundestagsdebatte in 1.30 für die Tagesschau zusammengefasst, in der Hoffnung das Wesentliche berichtet zu haben. Das setzt aber besonders qualifizierte Journalisten voraus, woran es zunehmend mangelt. Manches wird (manchmal wohl bewußt) dabei verfälscht. Besser man verläßt sich nicht auf nur eine Quelle.
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