Computerschriften für Mittelerde: Schreiben wie die Elben

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Tippen wie in Mittelerde: J. R. R. Tolkien entwickelte für seine Fantasy-Welt ganze Sprachsysteme mit Grammatik und eigenen Schriften für Elben, Zwerge und Orks. Die passenden Schriftarten für Computer haben Fans nachgeliefert, mehr als 30 gibt es inzwischen, samt Online-Übersetzern.

Tolkien-Schriftarten: So sehen Mittelerde-Schriftarten aus Fotos
Måns Björkman

Lange bevor J. R. R. Tolkien seinen ersten, nun verfilmten Roman "Der Hobbit" schrieb, entwarf er die Sprachen und die Schriften seiner Welt Mittelerde. Die Geschichten seien eher entstanden, um eine Welt für die Sprachen zu liefern als umgekehrt, hat Tolkien später einmal gesagt. Er war Professor für englische Sprache und Literatur in Oxford, entsprechend professionell ging er die Sprachschöpfung an. Für jedes Volk entwarf Tolkien eine eigene Sprache, samt grammatischer Systeme, umfangreicher Konjugations- und Deklinationstabellen und eigener Schriften. Nur ein Element fehlte Mittelerde-Fans lange Zeit: Computerschriftarten.

Werkzeuge, mit denen man am Rechner wie auf Mittelerde schreiben kann, entwickeln Fans seit fast zwei Jahrzehnten. Die Grundlage schuf Mitte der neunziger Jahre der US-Programmierer Daniel Smith. Er entwarf die ersten Computerschriftarten auf Basis von Tolkiens Buchstaben, dem sogenannten Tengwar-System, für die Elben-Sprachen Quenya und Sindarin. Außerdem passte er noch Zwergenschriftarten an, die den germanischen Runen nachempfunden sind.

Eigenes Tastaturlayout für Mittelerde

Damit man in diesen Sprachen direkt am Computer tippen kann, erdachte Smith zudem entsprechende Tastaturbelegungen für die Schriftzeichen. Sie sind bis heute der Standard, um mit Tengwar am PC zu schreiben. Da Tolkiens Schriftarten für Elben, Zwerge oder Orks nicht eins zu eins mit den lateinischen Buchstaben korrespondieren, ist selbst die Bedienung eines angepassten Tastaturlayouts ziemlich gewöhnungsbedürftig und umständlich.

Viele Entwickler haben Smiths Arbeit verfeinert. Der schwedische Grafikdesigner Måns Björkman war begeistert von Smiths Computerschriften, allerdings sahen sie für seinen Geschmack noch zu sehr nach Computerschriftarten aus. Für seine erste Schöpfung, eine Schriftart namens Tengwar Parmaite, zeichnete Björkman 1999 sämtliche Buchstaben mit Feder und Tinte. Er scannte sie anschließend ein und konvertierte das Datenmaterial zur weiteren Bearbeitung in Vektorgrafiken.

Das Ergebnis war ein gleichmäßiges und elegantes Schriftbild. Nun hat nicht jeder Zeit oder Lust, sich zu Hause mit Tintenfass und Gänsekiel hinzusetzen, um ähnlich befriedigende Ergebnisse aufs Papier zu bringen. Trotzdem gibt es auch für die etwas Eiligeren mehrere Wege, schöne Texte in anmutiger Kalligraphie zu produzieren.

Gut 30 Tengwar-Schriftarten für Computer

Als erster entwickelte Björkman ein kleines, gerade einmal zwei Megabyte leichtes Programm namens TengScribe, das als Tengwar-Textgenerator fungiert. Das Werkzeug transkribiert eingegebenen Text. Man kann in der Grundversion bei der Ausgangssprache zwischen Englisch und den Mittelerdesprachen wählen. Um das Ergebnis in Tengwar zu sehen, müssen zuvor die entsprechenden Schriftarten installiert werden. Die dazu nötigen Dateien kann man zum Beispiel bei Björkman oder einer von gut 30 anderen Quellen herunterladen.

Wer sich Download und Installation sparen möchte, kann seinen Wunschtext auch online umwandeln lassen. Der polnische Entwickler Michal Swiatkiewicz bietet dafür im Netz kostenlos den Online Tengwar Transcriber an. Die Transkription erfolgt hier ähnlich wie bei TengScribe. Als Ausgangssprachen stehen hier Deutsch, Englisch, Polnisch, Tschechisch sowie Elben- und Orksprachen bereit. Man kann sich das Ergebnis auch als Bilddatei im PNG-Format ausgeben lassen und ohne Installation von Schriftarten nutzen.

Online-Generator transkribiert auch Deutsch

Diese Werkzeuge sind keine Übersetzungshilfe. TengScribe und der Online Tengwar Transcriber leisten nicht mehr als die Transkribierung eines Textes in das gewünschte Buchstabenlayout. Wenn man den richtigen Modus für die Ausgangssprache wählt, ahmen die Konverter in Tengwar-Schrift die Aussprache nach. Würde man das Ergebnis laut vorlesen, klänge es fast wie Deutsch, Englisch oder Polnisch - je nachdem, welche der verfügbaren Ausgangssprachen man einstellt.

Für jede Sprache gibt es eigene Modi, die die Besonderheiten der jeweiligen Aussprache berücksichtigen. Diese Modi gibt es nicht nur für Tolkiens Sprachen, sondern eben auch für Idiome der echten Welt. Wer mehr als nur ein schönes Schriftbild erhalten will, muss auf den richtigen Modus achten.

In den vergangenen Jahren sind kaum neue Tengwar-Schriftarten dazugekommen, bedauert der Gestalter Björkmann. Vielleicht sei der eher kleine Markt einfach gesättigt, möglicherweise verpasse ja die neue "Hobbit"-Verfilmung den Mittelerde-Computerschriften einen neuen Schub.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Es ist halt nur eine
felisconcolor 13.12.2012
lautsprachliche Übersetzung es klingt wie englisch, es klingt wie deutsch hm sollte beim Vorlesen doch generell wie elbisch klingen
2. Schriftsysteme
Layer_8 13.12.2012
Zitat von sysopMåns BjörkmanTippen wie in Mittelerde: J. R. R. Tolkien entwickelte für seine Fantasy-Welt ganze Sprachsysteme mit Grammatik und eigenen Schriften für Elben, Zwerge und Orks. Die passenden Schriftarten für Computer haben Fans nachgeliefert, mehr als 30 gibt es inzwischen, samt Online-Übersetzern. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/tolkien-schriftarten-tippen-wie-in-mittelerde-a-872391.html
"Würde man das Ergebnis laut vorlesen, klänge es fast wie Deutsch, Englisch oder Polnisch" Sowas gibt's doch schon lange handfest auf Erden. Devanagari - देवनागरी. Damit kann man neben Sanskrit und Hindi auch ziemlich exakt englische, deutsche, griechische, russische... Laute wiedergeben. Viel besser sogar wie mit lateinischer Schrift.
3. Steinalter Hut...
expendable 13.12.2012
...ich führe meine Korrespondenz schon seit Jahren auf Klingonisch.
4.
joergsi 13.12.2012
Zitat von expendable...ich führe meine Korrespondenz schon seit Jahren auf Klingonisch.
Und nur so läßt sich Shakespeare richtig genießen! qaDelmeH bov tuj pem vIlo'choHQo'. SoH 'IH 'ej belmoH law', 'oH belmoH puS. jar vagh tIpuq DIHo'bogh Sang SuS ro'. 'ej ratlhtaHmeH bov tuj leSpoH luvuS. rut tujqu' bochtaHvIS chal mIn Dun qu'. rut DotlhDaj SuD wov HurghmoHmeH, HuvHa'. 'ej reH Hoch 'IHvo' Sab Hoch 'IH, net tu'. 'u' He choHmo', San jochmo' joq quvHa'. 'ach not wovHa'choH jubbogh bovlIj tuj, 'ej not ghomHa'choH Hochvetlh 'IH Daghajbogh, 'ej "QIbwIjDaq bIleng" not mIy Hegh nuj, bovmey DaDontaHvIS, DojwI' nIHajbogh! tlhuHlaH 'ej legh, wej 'e' lumevchugh nuv, vaj yIntaH bomvam, 'ej DuyInmoH quv.
5.
bigjes 13.12.2012
Zitat von expendable...ich führe meine Korrespondenz schon seit Jahren auf Klingonisch.
Sie haben aber eindeutig in deutsch kommuniziert....
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