Top-Level-Domains für Jedermann www.freie.auswahl

Was wäre, wenn man statt der immer gleichen .de, .com oder .org-Adressen jede erdenkliche Endung, jedes Wort und jeden Namen als Internetadresse anmelden könnte? Wir werden es erfahren: Genau das will die Internetverwaltung Icann einführen.


Im Internet steht die erste Adressen-Revolution bevor. Die Organisation zur Verwaltung der Domainnamen (Icann) entscheid am Donnerstag über die Einführung hunderter, möglicherweise tausender neuer Endungen neben den bislang gültigen Suffixen wie .com, .de oder .org. Die Zustimmung zu dem neuen Modell gilt als sicher.

Internetverwaltung ICANN: Revolution der Internet-Adressen geplant
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Internetverwaltung ICANN: Revolution der Internet-Adressen geplant

Seit Sonntag tagte die Icann, eine Art Straßenverkehrsamt des Internet, in Paris und beriet die Änderung diverser Regeln. Am Donnerstag schließlich gab es einen Vollzug zu melden: Das seit vielen Jahren immer wieder kritisierte Domainrecht soll geändert werden. Künftig sollen auch Firmen und Privatpersonen eigene Top-Level-Domains (TLD) anmelden können - wenn sie das nötige Kleingeld besitzen.

Internetnutzer kennen TLDs aus dem Web-Alltag: Es geht um die Endungen der Adressen, von denen es relativ wenige gibt. Unterschieden wird dabei zwischen TLDs wie .org, .biz, .mil, .edu oder .com, die auf inhaltliche Kriterien verweisen (Kommerzialität, Militär, Universität, Regierung etc.) und den Länderkennungen (ccTLD) wie .de, .us oder .eu.

Die Einführung neuer TLDs war bisher ein höchst mühseliges Unterfangen, begleitet von sich oft über Jahre hinziehenden Diskussionen. So wurde seit Veröffentlichung des WWW über die Einführung einer "Erwachsenen"-TLD (.sex oder .xxx) debattiert, um die Schaffung von Schutzräumen für Minderjährige respektive von Sperrzonen zu ermöglichen. Eine völlige Freigabe würde so etwas nun vereinfachen: Die Icann würde gegen eine noch zu definierende Gebühr - angedacht sind Preise zwischen 100.000 und 500.000 Dollar - eine neue TLD einführen, so lange diese nicht bestehendes Recht oder Markenrechte verletzt. Prinzipiell könnten sich so auch große Firmen echte eigene Namensräume schaffen (Beispiel: "www.mercedes.benz").

Ein Vorschlag sieht auch die Freigabe von Adressen mit nichtlateinischen Buchstaben vor, so dass etwa Domainnamen mit kyrillischen Schriftzeichen zugelassen werden könnten. Die Nachfrage nach Adressen im chinesischen, kyrillischen oder arabischen Alphabet sind mit der Ausbreitung der Internetnutzung stark gestiegen. Auf ein kyrillisches Internet drängte in den letzten Monaten auch die russische Regierung.

Seit ihrer Gründung vor 25 Jahren hat die Icann ihr Adressensystem nie grundlegend erweitert. Der erste derartige Schritt wurde auf einer wochenlangen Konferenz in Paris vorbereitet. Domainnamen erleichtern den Umgang mit Webseiten, sie stehen stellvertretend für eigentlich numerische Adressen.

Die Befürworter der Regeländerungen erhoffen sich eine Art "Grundstücksboom" durch die neuen Adressanhänge. Mit neuen Endungen könnten sich Unternehmen, Länder oder Organisationen eingängige Adressen zulegen, die bislang wegen der begrenzten Suffixe vergeben sind. Oft sind Adressen einfach belegt, weil Organisationen oder Firmen in unterschiedlichen Ländern gleichlautende Namen haben. Beispiel: www.spiegel.com ist die Internetadresse eines amerikanischen Versandhauses.

pat/AP



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