Weltkarte der Länder-Domains Pazifikinsel Tokelau hängt alle ab

Nirgendwo auf der Welt werden so viele landesspezifische Domains registriert wie auf Tokelau. Dabei leben auf der Inselgruppe gerade einmal 1400 Einwohner. Kann das sein?

Nominet-Weltkarte
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Plötzlich sieht die Welt ganz anders aus: Die USA schrumpfen auf die Größe von Belgien zusammen, Deutschland pumpt sich gewaltig auf und quetscht Skandinavien in die Ecke, während Südafrika auf der Karte kaum noch zu erkennen ist.

Der Grund für die skurrile Kontinentalverschiebung: Der Internetkonzern Nominet aus Großbritannien hat die Weltkarte neu gezeichnet. Dabei entscheidet nicht die Fläche über die Größe auf der Karte, sondern die Anzahl der landesspezifischen Top-Level-Domains.

Das Bild wird aber dadurch verzerrt, dass beliebte Domain-Endungen wie ".com" nicht aufgeführt werden. ".com" ist immerhin 123 Millionen mal vergeben. Daher taucht die USA mit 1,6 Millionen Länder-Domains auch erst weit unten im Ranking auf. Die Karte bezieht sich bei den Vereinigten Staaten auf die Endung ".us".

Deutschland ist durch die Lücken bei der Methodik so bei der Auswertung ganz vorne mit dabei. Mit 16 Millionen registrierten Adressen landet die Endung ".de" auf dem dritten Platz. Ganz knapp muss sich Deutschland geschlagen geben von China, wo rund 800.000 Adressen mehr angemeldet sind mit der Endung ".cn". Aber auch das reicht nur für den zweiten Platz. Der erste Platz ist eine Überraschung. Auf der Karte landet eine Inselgruppe ganz vorne, deren Namen kaum jemand kennen dürfte: Tokelau. Toke was?

Tokelau gehört zu den Union-Inseln im Südpazifik. Etwa 1400 Menschen leben dort auf einer Fläche von zwölf Quadratkilometern, was ungefähr der Kleinstadt Meersburg am Bodensee entspricht. Die Insel besteht aus mehreren Atollen, die einige tausend Kilometer nordöstlich von Neuseeland und Australien liegen. Trotz seiner Größe gewinnt Tokelau den Wettkampf um die meisten Domain-Anmeldungen. Mit mehr als 31 Millionen Seiten sind dort - laut Nominet - fast so viele Domains angemeldet wie in China und Deutschland zusammen.

Der Konzern beruft sich bei den Zahlen auf Daten des Zooknic-Projekts und gibt an, dass nicht alle Zahlen auf dem neuesten Stand sind und teilweise anhand früherer Messungen geschätzt werden. Auch das ist ein weiterer Grund für Unstimmigkeiten.

Im afrikanischen Staat Guinea-Bissau mit der Endung ".gw" sollen unter der Adresse beispielsweise nur zwei Domains registriert sein. Doch die Zahlen sind wesentlich höher sein, seit das Land im Jahr 2007 die Endung für alle freigegeben hat und die beiden Buchstaben auch als Abkürzung für "Global Web" vermarktet.

Der Deal mit den Gratis-Domains

Den Boom der Tokelau-Endungen löste der niederländische Unternehmer Joost Zuurbier mit seinem Unternehmen Freedom Registry im Jahr 2006 aus, das heute Freenom heißt. Damals habe es keine Gratis-Domains gegeben, erklärte er in einem Gespräch mit "CNN". Daher entwickelte er mit einem Bekannten das folgende Geschäftsmodell: Er schloss mit den Behörden auf Tokelau einen Deal, dass er die ".tk"-Domains über seine Firma kostenlos anbieten darf. Zwölf Monate lang darf man die Domain kostenlos registrieren. Wer die Domain länger behalten möchte, muss bezahlen.

In den ersten Jahren schnellt die Zahl mit Tokelau-Domains rasant nach oben. Vor allem viele Betrüger sind unter den Nutzern, die den kostenlosen Dienst in Anspruch nehmen. Im Jahr 2007 liegt das Risiko laut dem Sicherheitsunternehmen McAfee bei zehn Prozent, sich auf einer Seite mit ".tk"-Endung eine Schadsoftware einzufangen.

Unabhängig vom Fall Tokelau vermittelt die Domain-Weltkarte vor allem diese Botschaft: Die Anzahl der Einwohner eines Landes bestimmt nicht die Menge der angemeldeten Domains. "Unglücklicherweise legt unsere Karte nahe, dass die Ungleichheit in der Offline-Welt auch in der Online-Welt widerspiegelt", heißt es bei Nominet, da diesen Ländern häufig die technischen Möglichkeiten fehlten, um sich im Internet zu präsentieren. Ein Beispiel dafür sei Afrika, das "viel, viel kleiner ist, als es sein sollte".

Tatsächlich nimmt der Kontinent auf der Domain-Karte gerade mal so viel Fläche ein wie Italien, das auf der Karte mit 2,8 Millionen registrierten Länder-Domains abgebildet ist.



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Tortes 11.03.2016
1. Tokelau ? Längst auf der Spam-Filterliste
Interessant, das mit den kostenlosen Topleveldomains aus der Südsee. Paradies für Internetbetrüger ? War mir schon lange klar. Die Länderkennung ".tk" steht bei mir schon seit Ewigkeiten fest auf der Spamfilterliste. Damit ist das Thema für mich gegessen. :-)
Tortes 11.03.2016
2. Tokelau ? Längst auf der Spam-Filterliste
Interessant, das mit den kostenlosen Topleveldomains aus der Südsee. Paradies für Internetbetrüger ? War mir schon lange klar. Die Länderkennung ".tk" steht bei mir schon seit Ewigkeiten fest auf der Spamfilterliste. Damit ist das Thema für mich gegessen. :-)
muellimhirn80 11.03.2016
3. .tk?
Hatte bei der Überschrift eigentlich auf .to und ebenfalls illegale Aktivitäten getippt. War geistig bei Kino.to und ähnlichen Konsorten. Naja, im Prinzip bin ich auch nicht allzuweit weg mit meinen Gedanken schätze ich.
GPTip.com 11.03.2016
4.
Zitat: "Tokelau gehört zu den Union-Inseln im Südpazifik. Etwa 1400 Menschen leben dort auf einer Fläche von zwölf Quadratkilometern, was ungefähr der Kleinstadt Meersburg am Bodensee entspricht." Ah, so groß ist Tokelau also! Gut zu wissen, daß man für Größenvergleiche nicht mehr Fußballfelder oder den Central Park heranzieht, sondern die Kleinstadt Meersburg am Bodensee. Muß ich mir merken :-)
bushmills 11.03.2016
5. 31 Millionen Seiten sind dort...
...fast so viele Domains - Anzahl "Seiten" stehen mit Anzahl Domains in keinem Zusammenhang: "Seiten" bezieht sich vermutlich auf die Anzahl von web servern bereitgestellten Dokumente. Ob jetzt von hosts mit einem Namen innerhalb einer Domain null, eins oder Millionen Dokumente angeboten werden, kann auf die Zählung der Domains keinerlei Einfluß haben. Das Denken in "Seiten" weist darauf hin, daß für den Autor das Internet lediglich aus dem www besteht, und ist etwa so sinnvoll wie die Länge des Strassennetzes in Litern Benzin anzugeben.
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