Top-Ten-Spammer verhaftet Das Ende des E-Mail-Müllmanns

Dass Robert Alan Soloway verhaftet wurde, sollten Internet-Nutzer schon jetzt in ihren E-Mail-Accounts bemerken. Denn Soloway gilt als Megaspammer, verantwortlich für einen großen Teil des täglichen Werbemülls. Jetzt droht ihm eine langjährige Haftstrafe.


Wie erst heute bekannt wurde, verhafteten amerikanische Fahnder am Mittwoch einen der berüchtigsten Spammer der Welt, Robert Alan Soloway, 27. Hinter Gittern landete er wegen akuter Fluchtgefahr, denn bereits im Vorfeld zeichnet sich ab, dass es für ihn sehr eng werden dürfte für Soloway. Erstmals steht mit ihm ein Spammer nicht nur wegen kleinerer Delikte vor Gericht, sondern wegen Bundesverbrechen, die ihn für Jahrzehnte hinter Gitter bringen könnten.

Seit Jahren eine Hassfigur im Internet: Eingangsseite einer der zahlreichen Soloway-Hass-Seiten (siehe Linkverzeichnis)

Seit Jahren eine Hassfigur im Internet: Eingangsseite einer der zahlreichen Soloway-Hass-Seiten (siehe Linkverzeichnis)

Das Interessanteste an Prozessen wie dem gegen Soloway ist, was man so alles ganz nebenbei erfährt. Verfahren gegen ihn ziehen sich bereits seit 2003 in die Länge. Da gewann Microsoft eine Zivilklage gegen den Megaspammer, er wurde zu sieben Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. Zwei Jahre darauf verurteilte ihn ein anderes Gericht zu weiteren zehn Millionen Dollar, zahlbar an einen Internetprovider.

Für Soloway offenbar kein Problem. Er machte weiter und lebte allem Anschein nach in Wohlstand. Ein luxuriöses Apartment und einen dicken Mercedes, argumentierte Staatsanwältin Kathryn Warma bei ihrem erfolgreichen Versuch, einen Haftbefehl gegen Soloway zu erwirken, habe er sich von den mindestens 773.000 Dollar leisten können, die er mit seinen E-Mail-Betrügereien in den letzten Jahren verdiente. Selbst nachdem ein US-Bundesgericht in der letzten Woche den Weg für einen Strafprozess gegen ihn frei machte und ihm die Kontrolle über vier seiner Bankkonten entzog, blieb Soloway flüssig genug, sich weiter einen privaten Anwalt leisten zu können. Den braucht er - und das ist bemerkenswert - weil er als erster Spammer in den USA wegen der Verletzung mehrerer Bundesgesetze vor einem Geschworenen-Gericht steht und eine Haftstrafe befürchten muss, die mehrere Jahrzehnte dauern könnte.

Denn an Soloways Schuld gibt es keinen Zweifel, die Anklageschrift gegen ihn ist umfänglich. Er selbst bewarb seine Dienstleistungen mit Hilfe von Spam-Mails, die er über per Viren gekaperte und zu einem Zombie- oder Botnetz verbundene Privat-PCs verschickte. Darin bot er mitunter munter seine Dienste als "Werbeversender" per Botnet an: Wer auf den Link in der Spam-Botschaft klickte, landete auf einer seiner Webseiten und erfuhr Näheres. So sollte der Versand von 20 Millionen Werbemails über seine Zombie-Netzwerke nur 495 Dollar kosten.

Das ist eine fette Dividende, denn ihn selbst kostete der Versand ja gar nichts: Die Kosten trugen die Besitzer Virenverseuchter Rechner in aller Welt. Das IT-Sicherheitsunternehmen Symantec geht davon aus, dass derzeit etwa sieben Prozent aller Rechner weltweit gekapert und zu Zombienetzen verbunden sind. In Deutschland sollen es etwa sechs Prozent sein. Das gibt den Spammern enorme Kapazitäten an die Hand: Ein gut programmiertes Spam-Versendeprogramm bringt es - je nach Netzwerkanbindung - auf bis zu 200.000 Aussendungen pro Stunde.

Soloway machte damit eine Menge Geld, während sich die E-Mail-Accounts rund um den Globus mit immer mehr Werbemüll füllten. Heute sind Schätzungen zufolge zwischen 80 und 90 Prozent aller E-Mails Werbemüll, für den eine relativ kleine Szene skrupelloser Spammer verantwortlich zeichnet. Soloway, sagt Tim Cranton, einer der Anwälte von Microsoft, "ist einer der Top-10-Spammer in der Welt".

Geldwäsche per Zombie-Net

Und das heißt eine Menge. Beobachter gehen davon aus, dass schon die Verhaftung Soloways zu einer spürbaren Entlastung der Mailserver weltweit führen dürfte. Top-Spammer bringen es auf 500 Millionen E-Mails am Tag und weit mehr, große Botnetze verschicken Milliarden Spams: Weltweit summiert sich das Schätzungen zufolge auf über 55 Milliarden Spam-Mails täglich. Während Privatanwender mit Glück einige wenige am Tag erhalten, entfallen bei Firmenadressen oft mehrere Hundert oder Tausend am Tag auf jeden Mitarbeiter. Experten schätzen die jährlichen Schäden durch Spam-Mails auf 25 Milliarden Dollar und mehr.

Doch die Belästigung von Internet-Nutzern, die Verursachung von Schäden durch Belastung von Netzwerken, durch die Erhöhung von IT-Kosten, die Verursachung von Arbeitsausfällen oder durch das Kapern von Privat-PCs sind nicht die einzigen Vorwürfe, denen sich Soloway in einer ersten Anhörung am Montag stellen muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm insgesamt 35 Vergehen vor, darunter auch Identitätsdiebstahl und Geldwäsche. Vom Prozess sind seltene Einsichten in die kriminellen Methoden der Spam-Mafia zu erwarten.

Verbraucherschützer in den USA begrüßten die Inhaftierung Soloways. In einer Mitteilung des Spamhouse Projects heißt es: "Soloway war seit langem ein Ärgernis im Internet - sowohl wegen des von ihm verschickten Werbemülls, als auch wegen all der Leute, die er übertölpelt hat, seine Dienste in Anspruch zu nehmen." MS-Anwalt Cranton kommentierte die Nachricht knackiger: "Er ist ein Riesenproblem für unsere Kunden. Heute ist ein guter Tag."

pat/AP



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