Belohnung ausgeschrieben Russische Regierung will Tor-Netzwerk knacken

Nicht nur die NSA versucht, Nutzer des Tor-Netzwerks zu identifizieren: Russlands Innenministerium setzt jetzt auf Geld, um Forscher zum Enttarnen anonymer Surfer zu motivieren. Ausländische Hacker bleiben außen vor.

Zwiebelsymbol des Tor-Netzwerks: Russland will Nutzer identifizieren
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Zwiebelsymbol des Tor-Netzwerks: Russland will Nutzer identifizieren


In Russland läuft eine Ausschreibung, bei der es ums Enttarnen anonymer Internetnutzer geht. Das berichtet der englischsprachige Fernsehsender RT (ehemals Russia Today). Das Innenministerium biete Forschern umgerechnet 82.000 Euro für eine technische Lösung zur Identifizierung von Tor-Nutzern. Die Ausschreibung sei bereits vor zwei Wochen ins Netz gestellt worden, habe aber erst jetzt Schlagzeilen gemacht, weil Bürgerrechtler darauf hingewiesen hatten.

Tor ist einer der bekanntesten Anonymisierungsdienste. Nutzt man Tor, wird der eigene Internetverkehr durch verschiedene "Schichten" geschickt, bevor er am Ziel ankommt. Das Umleiten des Datenverkehrs hat dabei einen großen Vorteil: Von außen lässt sich kaum feststellen, wer über das Netzwerk von wo aus auf welche Inhalte zugreift.

Tor wird deshalb unter anderem von Aktivisten, Journalisten und Staatsanwälten verwendet - und natürlich auch von Kriminellen, die ihre Spuren im Internet verwischen wollen. Auf der Gegenseite ärgern sich Geheimdienste über den Dienst, so war zum Beispiel im Oktober bekannt geworden, dass der amerikanische Geheimdienst NSA versucht, Tor-Nutzer zu enttarnen. Bislang gilt Tor aber als vergleichsweise sicher.

Teilnahme bis zum 20. August möglich

Bei der russischen Ausschreibung haben Hacker noch bis zum 13. August die Chance, ihre Konzepte einzureichen. Der Sieger soll am 20. August bekannt gegeben werden. "Um die Sicherheit und Verteidigung des Landes sicherzustellen", werde die Prämie aber nur an russische Staatsbürger ausgezahlt, schreibt "The Daily Dot". Das Online-Magazin verweist darauf, dass die Zahl russischer Tor-Nutzer in letzter Zeit sprunghaft gestiegen sei. Bei RT heißt es, Russland habe Anonymisierungssoftware im vergangenen Jahr verbieten wollen, diesen Plan dann aber aufgeschoben.

Die russische Regierung hatte sich zuletzt bemüht, stärker zu kontrollieren, was Bürger im Internet veröffentlichen. So sieht ein neues Gesetz vor, dass sich Blogger mit mehr als 3000 Lesern pro Tag als "Massenmedium" registrieren müssen.

Um eine mögliche Enttarnung von Tor-Nutzern wird im Web seit Anfang der Woche intensiv diskutiert. Auf der anstehenden Hackerkonferenz Black Hat wollten zwei IT-Forscher einen Angriff auf das Tor-Netzwerk vorstellen, ihre Präsentation wurde jedoch überraschend abgesagt. Es heißt, die Wissenschaftler hätten demonstrieren wollen, wie bereits mit 3000 Dollar Budget der versteckte Service und die IP-Adressen Hunderttausender Tor-Nutzer enttarnt werden könnten.

mbö

insgesamt 12 Beiträge
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newsoholic 25.07.2014
1. Gegenangriff
Ich hoffe es findet sich ein wohlhabender Aktivist auf dieser Welt, der eine doppelt so hohe Summe für die Entwicklung von Tor 2.0 ausschreibt. Ich will mich weder vom NSA noch den Russen ausspionieren lassen. Ohne dass Menschen vertraulich kommunizieren können, ist eine Demokratie schlichtweg nicht möglich, da die Regierung jede Opposition im Keim ersticken könnte.
schmusel 25.07.2014
2. Huch! Nanu?
Was sollen denn jetzt die einschlägig bekannten Foristen denken und glauben? Die Rollen waren doch klar verteilt: Die NSA und somit die USA waren die bösen weil sie alles ausschnüffeln wollen! Jetzt gibt der Russe aber öffentlich zu, dass er die Geheimnisse des einfachen Weltbürgers auch nicht mag und alles aushebeln möchte, das zum Schutz der Privatsphäre dienen kann... So bröckeln zementierte Weltbilder!
Immanuel_Goldstein 25.07.2014
3.
Zitat von schmuselWas sollen denn jetzt die einschlägig bekannten Foristen denken und glauben? Die Rollen waren doch klar verteilt: Die NSA und somit die USA waren die bösen weil sie alles ausschnüffeln wollen! Jetzt gibt der Russe aber öffentlich zu, dass er die Geheimnisse des einfachen Weltbürgers auch nicht mag und alles aushebeln möchte, das zum Schutz der Privatsphäre dienen kann... So bröckeln zementierte Weltbilder!
Ich kenne die Weltbilder nicht, auf die Sie sich beziehen, aber eines steht schon immer für mich fest: die Russen spionieren genauso wie die Amerikaner nur bezeichnen sich die Russen auch nicht als unsere "Freunde" und wollen auch kein Freihandelsabkommen und keinen Investorenschutz für ihre Firmen aushandeln. Man kann halt nicht beides wollen.
der.tommy 25.07.2014
4.
Unglaublich wie paranoid diese Geheimdienste sind. Mehr fällt einem langsam nicht mehr dazu ein. Der Witz ist, die wirklich schrecklichen Dinge, wie Amok-Läufe an amerikanischen Schulen, werden so nicht verhindert. Und man muss sich nur mal die Statistik ansehen: wieviele Menschen sterben in Amerika TÄGLICH durch Schusswaffen? Und wieviele durch Terroranschläge? Ich wette, selbst wenn der NSA und die CIA und wie sie alle heißen ihre Arbeit zur Abwehr von terroristischen Taten einstellen, sterben längst nicht so viele Menschen wie durch die Schusswaffen die jeder Amerikaner daheim hat. Aber dagegen will man gar nichts tun.
chewbakka 25.07.2014
5.
Ich stelle mir jetzt ein Szenario vor, in dem bei den führenden Geheimdiensten dieser Welt jeder Mensch auf der schwarzen Liste der verdächtigen Personen steht. Was machen die armen Kerle dann ? Werden dann die möglicherweise gaanz wenigen, die durchgeschlüpft sind zu den wahren Verdächtigen ? *grübel*
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