Totalausfall: Google verschwindet für vier Minuten aus dem Netz

GoSquared-Analyse: Massiver Traffic-Rückgang, als Google ausfiel Zur Großansicht

GoSquared-Analyse: Massiver Traffic-Rückgang, als Google ausfiel

In der Nacht zum Samstag fielen sämtliche Google-Dienste aus. Der Fehler war schnell behoben - trotzdem wird er den Internetkonzern wohl eine sechsstellige Summe kosten.

Plötzlich ging gar nichts mehr. Mitten in der Nacht zum Samstag hatte sich das Internet von einer Sekunde auf die andere dramatisch verändert: Google war weg. Weder Gmail noch Google Drive, der Google-Kalender, Google Maps oder Blogger - und vor allem die Google-Suche - waren erreichbar. Einigen Berichten zufolge sollen auch Angebote wie YouTube betroffen gewesen sein.

Googles App "Dashboard" zufolge ereignete sich der Ausfall um 0.51 Uhr am Samstagmorgen. Anwender, die um diese Zeit versuchten, auf Google-Angebote zuzugreifen, bekamen anstelle der erwarteten Seiten Fehlermeldungen zu sehen. Laut Google waren die Dienste bereits nach einer Minute weitgehend und nach vier Minuten vollständig wiederhergestellt.

Messungen des Internet-Analysedienstes GoSquared legen nahe, dass der Ausfall auch Auswirkungen auf andere Onlineangebote hatte. GoSquared protokolliert die Seitenaufrufe bei einigen Tausend Websites. Bei diesen Angeboten fiel die Zahl der Internet-Seitenabfragen während jener vier Minuten um 40 Prozent. Das sagt über den gesamten Internettraffic in der Zeit wenig aus - einen Großteil der Bandbreite beanspruchen Video-Streamingdienste.

Geh doch zu Bing

Kaum hatte Google sich erholt, schwenkte das Pendel bei GoSquared in die andere Richtung: Die Zahl der Seitenabfragen stieg steil an, nachdem all jene, die auf eine Rückmeldung der Google-Server warteten, an ihr Ziel kamen.

Parallel zum Google-Ausfall nahm die Aktivität bei Twitter allerdings um ein Vielfaches zu, wie eine Grafik des Analysedienstes Topsy zeigt. Ernsthafte Sorgen machte sich wegen der Panne aber offenbar niemand. Manche scherzten, Google habe nun wohl den Rand des Internets erreicht, andere rieten, doch einfach zu Microsofts Konkurrenzangebot Bing zu wechseln.

300.000 Euro weniger Umsatz

Welche Auswirkungen die kurze Auszeit für Google selbst hat, ist unklar. Die Tech-Blogger von "Venturebeat" erinnern daran, dass ein solcher Ausfall für Google sehr ungewöhnlich ist. Zuletzt hatte es Probleme mit Gmail und Google Drive gegeben, ein Ausfall der Google-Suchseite jedoch habe sich in den vergangenen Jahren nicht ereignet.

Vor allem aber rechnet "Venturebeat" vor, was der Ausfall Google gekostet hat - zumindest theoretisch. Ausgehend von einem zuletzt gemeldeten Quartalsumsatz von 14,1 Milliarden Dollar mache die Firma pro Minute 108.000 Dollar Umsatz. Ausgehend von vier Minuten Ausfallzeit hätte der Konzern durch das Stolpern seiner Server also 432.000 Dollar (306.000 Euro) verloren.

"Können wir jetzt nach Hause gehen?"

Aber das ist eben nur eine theoretische Rechnung, denn wie die Auswertung von GoSquared zeigt, hat Google nach dem Ausfall kurzzeitig mehr Seiten ausgeliefert als zuvor und seine Verluste damit, zumindest teilweise, wieder ausgeglichen.

Wichtiger aber ist die neuerliche Erkenntnis, wie sehr der US-Konzern das Netz dominiert und welchen Einfluss sein Wegfall auf die globale Netznutzung hat. Und auf die Arbeitsmoral von Büroarbeitern. Denn als Google sich seine Auszeit gönnte, war es an der amerikanischen Westküste gerade Freitagnachmittag. Dort war das plötzliche Verschwinden der beliebten Suchmaschine für viele Grund genug zu fragen: "Können wir jetzt nach Hause gehen?"

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, in Folge des Google-Ausfalls seien die "weltweiten Internetaktivitäten" um "40 Prozent" eingebrochen. Diese Behauptung ist nicht durch die vorliegenden Daten belegt. Wir haben den Artikel korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

mak

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
neu_ab 17.08.2013
Google macht das Web langsam. Ich habs doch schon immer geahnt.
2. Sichtweise
dr.u. 17.08.2013
Zitat von sysopEin kurzer Ausfall sämtlicher Google-Dienste in der Nacht zum Samstag hatte einen Rückgang der Internet-Aktivität um 40 Prozent zur Folge. Der Fehler war schnell behoben. Trotzdem wird er den Internetkonzern eine sechsstellige Summe kosten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/totalausfall-bei-google-40-prozent-weniger-web-traffic-a-917078.html
Da sieht man vor allem mal, wieviel traffic allein durch die Index-Crawler von Google und den Ausschleusungs-Traffic zur NSA im Internet verursacht wird...
3.
dango 17.08.2013
Welche Auswirkung auf den Gesamttraffic dann wohl erst ein Totalausfall bei YouP*** hätte ? 60% ?
4. Intelligenz....
zensorsliebling 17.08.2013
Ist also doch meßbar: >>Dort war das plötzliche Verschwinden der beliebten Suchmaschine für viele Grund genug zu fragen: "Können wir jetzt nach Hause gehen?"
5. Oops...
Layer_8 17.08.2013
Zitat von sysopEin kurzer Ausfall sämtlicher Google-Dienste in der Nacht zum Samstag hatte einen Rückgang der Internet-Aktivität um 40 Prozent zur Folge. Der Fehler war schnell behoben. Trotzdem wird er den Internetkonzern eine sechsstellige Summe kosten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/totalausfall-bei-google-40-prozent-weniger-web-traffic-a-917078.html
...war ich das???
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Google
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 78 Kommentare
Fotostrecke
Bilder aus Rechenzentren: Googles Schatzkammern


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.