Transparency Report: Google beantwortet 42 Prozent der deutschen Behördenanfragen

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Google (Büro in New York): Mehr Behörden-Anfragen aus den USA

Im halbjährlichen Transparenzbericht von Google liegt Deutschland auf Platz vier. 1550-mal erbaten deutsche Behörden Informationen von Google über dessen Nutzer. Auskunft erteilte Google aber nur in weit weniger als der Hälfte der Fälle.

Mountain View - Google hat am Mittwoch seinen halbjährlichen Transparenzbericht vorgelegt, diesmal für den Zeitraum Juli bis Dezember 2012. Darin werden die Anfragen aufgelistet, die Strafverfolgungsbehörden aus aller Welt an den Suchmaschinen- und Werberiesen in Bezug auf Nutzerdaten bei Google und YouTube gestellt haben. Global gibt es zwei klare Trends: Es werden immer mehr Nutzerdaten bei Google nachgefragt - und der Prozentsatz der Anfragen, zu denen tatsächlich Auskünfte erteilt werden, schrumpft. Deutschland landete auf Platz vier der Weltrangliste der neugierigsten Nachfrager.

Unangefochten an der Spitze liegen weiterhin die USA. Washington sorgte mit 8438 Anfragen zu 14.791 Nutzerkonten für ein gutes Drittel der Anfragen. Weltweit waren es 21.389 Anfragen zu insgesamt 33.634 Konten. Außergewöhnlich hoch war auch der Anteil der positiv beschiedenen Ersuchen, die US-Behörden bekamen in 88 Prozent der Fälle die gewünschten Daten vorgelegt.

Auch in Indien ist die staatliche Neugier auf manche Google-Nutzer unter seinen Bürgern groß. 2431 Ersuchen zu 4106 Nutzerkonten erreichten den Konzern dort, von denen immerhin zwei Drittel beantwortet wurden. Platz drei im Ranking besetzt Frankreich. Die dortigen Behörden richteten 1693 Ersuchen zu 2063 Profilen an Google. Davon wurden jedoch nur noch 44 Prozent mit Auskünften beantwortet.

Platz vier nimmt dann bereits Deutschland ein. In der Halbjahresübersicht erscheinen 1550 Anfragen zu 1944 Nutzerkonten, Google hat in 42 Prozent der Fälle dazu Daten herausgeben. Damit hat sich die Bundesrepublik in der Statistik seit ihrem Beginn für das 2. Halbjahr 2009 vom damals siebten Platz deutlich emporgearbeitet. Während die Anzahl der Anfragen zu deutschen Google-Nutzern überproportional zunahm, weist der Anteil der von Google beantworten Ersuchen in die gegenteilige Richtung. Wurden im Zeitraum Juli bis Dezember 2010 (für frühere Zeitabschnitte stellt Google keine Daten zur Verfügung) noch auf 76 Prozent aller Auskunftsanträge hin Daten vorgelegt, sank dieser Wert seither kontinuierlich. Lediglich im aktuellen Berichtszeitraum ist eine leichte Steigerung von 39 auf 42 Prozent zu verzeichnen. In absoluten Zahlen scheint sich bei der Behördenneugier hierzulande ein gewisser Sättigungseffekt eingestellt zu haben: Vom ersten zum zweiten Halbjahr 2012 nahmen die Nachfragen nur noch um 17 auf 1550 zu.

In den USA ist die Lage anders. Die absoluten Anfragezahlen steigen weiterhin kontinuierlich an, und auch die Beantwortungsrate ist mit einem Rückgang um lediglich sechs Prozent seit 2010 (94 Prozent) nur leicht rückläufig.

meu

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insgesamt 3 Beiträge
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1. optional
plantperson 24.01.2013
Was ist, wenn man die Anfragen auf die Bevölkerungszahl, bzw. der User, hochrechnet. Dann sieht es anders aus. Außerdem: Wann werden von der Regierung denn Anfragen gestellt? Evlt. stellte die Bundesregierung ja in vielen Fallen Anfragen, in denen der Datenschutz wichtiger ist als potenzielle Strafverfolgung. In diesem Fall bin ich eher froh, dass Google seine Nutzerdaten nicht so schnell rausrückt.
2.
idk 24.01.2013
Zitat von plantpersonWas ist, wenn man die Anfragen auf die Bevölkerungszahl, bzw. der User, hochrechnet. Dann sieht es anders aus. Außerdem: Wann werden von der Regierung denn Anfragen gestellt? Evlt. stellte die Bundesregierung ja in vielen Fallen Anfragen, in denen der Datenschutz wichtiger ist als potenzielle Strafverfolgung. In diesem Fall bin ich eher froh, dass Google seine Nutzerdaten nicht so schnell rausrückt.
Ich wüsste gerne mal, was da konkret so gefragt wird.
3. Die komplette Bandbreite
000.Zulu 25.01.2013
Zitat von idkIch wüsste gerne mal, was da konkret so gefragt wird.
an potentiellen (schweren) Straftaten die das Straf-/Steuergesetzbuch hergibt. Drogendelikte, Mord, Terrorismus, Menschenhandel, Schmuggel, sonstiges im Bereich OK. Mit Sicherheit auch Steuer- und Wirtschaftsdelikte wenn sich Hinweise auf mögliche Beweismittel ergeben. Ist aber erstaunlich, im umgekehrten Fall, wenn amerikanische Behörden anfragen, wird es sehr schnell sehr eskalativ bei Nichtbeantwortung derartiger Anfragen.
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