Automatischer Soundtrack Software schreibt Musik nach Drehbuch

Werden Filme in Zukunft automatisch durch Software-Tools vertont? Ein Forschungsprojekt arbeitet zumindest daran - und lässt in erste Versuche reinhören.

Kino: Düstere Texte erkennt die Software und spielt Moll
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Kino: Düstere Texte erkennt die Software und spielt Moll


Der Forscher Saif Mohammad und die New Yorker Musikerin und Programmiererin Hannah Davis entwickeln eine Software, die automatisch Musikstücke aus Texten erzeugt. TransProse heißt das Projekt - eine Wortschöpfung aus transponieren (umwandeln) und Prose (Prosa). Es funktioniert, indem es "Sequenzen von Noten bestimmt, die die emotionale Aktivität von Texten einfangen", schreiben die Entwickler in einer Zusammenfassung ihrer Forschungsarbeiten.

Denkbare Einsatzbereiche sollen die Visualisierung von Informationen sein, die Erstellung von E-Books mit Ton, Musik-Apps - und eben Filmmusik.

Der Software zugrunde liegt eine Liste von 14.000 englischen Wörtern und wie sich diese mit Wut, Vorfreude, Freude, Furcht, Ekel, Traurigkeit, Überraschung sowie Vertrauen in Verbindung bringen lassen. Mithilfe von Amazons Mikrojob-Vermittlungsservice "Mechanical Turk" hat Mohammad daraus ein Assoziationslexikon erstellt, das "NRC Word-Emotion Association Lexicon".

Füttert man das Programm TransProse nun mit einem Text, sucht es darin nach den Wörtern und Wortbeziehungen aus diesem Lexikon, gliedert dann das Werk in vier Teile und ordnet ihm einen "emotionalen Grundton" zu. Art und Anzahl der emotional besetzten Begriffe bestimmen dann Tempo, Tonart und Tonhöhen des Musikstücks.

Fröhliche Geschichten erklingen in Dur, traurige in Moll - dieser Mechanismus mag etwas simpel klingen, erste Ergebnisse der automatischen Vertonung hören sich aber zumindest interessant an. Sie sind als Hörbeispiele auf der Soundcloud-Seite von TransProse abrufbar. Eins der fröhlicheren Ergebnisse ist erwartungsgemäß "Peter Pan", ansonsten scheint das Entwicklerteam sich mehr mit sehr ernster Literatur zu beschäftigen, von Joseph Conrads "Heart of Darkness" bis zu Cormac McCarthys Endzeit-Geschichte "The Road".

abr



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insgesamt 10 Beiträge
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hobbyleser 20.05.2014
1. Wer finanziert sowas?
Oder anders gefragt: Könnten die Forscher gleich eine Software mitentwickeln, die sich diesen Softwaresoundtrack anhört? Dann müssten wir das nicht selbst tun.
P.Delalande 20.05.2014
2.
Zitat von sysopDPAWerden Filme in Zukunft automatisch durch Software-Tools vertont? Ein Forschungsprojekt arbeitet zumindest daran - und lässt in erste Versuche reinhören. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/transprose-analysiert-text-und-macht-filmmusik-daraus-a-970453.html
Wow, Hammer... Damit sollten die Reden unserer Politiker vertont werden; dabei könnte sich das nichtssagende Geklimper wunderbar mit dem nichtssagenden Geschwätz multiplizieren.
j.w.pepper 20.05.2014
3. Das klingt dann alles...
Zitat von sysopDPAWerden Filme in Zukunft automatisch durch Software-Tools vertont? Ein Forschungsprojekt arbeitet zumindest daran - und lässt in erste Versuche reinhören. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/transprose-analysiert-text-und-macht-filmmusik-daraus-a-970453.html
...wie Hans Zimmer.
MaxLi 20.05.2014
4. optional
Ich war so frei und habe mal in 4-5 Stücke reingehört. Ich würde wahrscheinlich nach nicht mal fünf Minuten das Kino verlassen. Es klingt nach dem, was Computer nun mal sind: Keine Gefühle und ohne Herz.
silverhair 20.05.2014
5. Es braucht zeit
Zitat von MaxLiIch war so frei und habe mal in 4-5 Stücke reingehört. Ich würde wahrscheinlich nach nicht mal fünf Minuten das Kino verlassen. Es klingt nach dem, was Computer nun mal sind: Keine Gefühle und ohne Herz.
Sprache, Musik - die wurden auch nicht an einem Tag erfunden .. dürfte ein paar hunderttausende von Jahren gedauert haben bis aus den recht eintönigen guralen Lauten sowas wie Sprache und Musik wurde! Und Musik , das ist vielfältig .. klassiche Japanische Musik hört sich in europäischen Ohren grauenhaft an .. aber die Asiaten lieben die genauso wie wir Mozart und Beethoven! Das hat eigentlich mit Computern nichts zu tun - es dauert eben bis man die "richtigen Worte - und den richtigen Ton" wie es so schön heißt findet! Und, Computer spielen schon längst auch für Menschliche Komponisten eine wichtige Rolle , sie helfen, ergänzen , glätten, zeigen Fehler, erweitern ... alles Dinge die ein Schritt auf dem Weg sind!
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