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Trashfilm "Sharknado" Twitter-Nutzer lösen Hai-Sturm aus

Filmszene aus "Sharknado": Gewisse ironische Distanz Zur Großansicht
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Filmszene aus "Sharknado": Gewisse ironische Distanz

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Haifisch-Regen über der Westküste: Twitter-Nutzer machen sich einen Spaß aus der Ausstrahlung des Spielfilms "Sharknado" in den USA. Mit bis zu 5000 Tweets pro Minute spotten sie über den Trashfilm. Und auch die Macher melden sich beim Kurznachrichtendienst zu Wort.

Eines ist klar - dieser Spielfilm funktioniert nur mit einer gewissen ironischen Distanz. Ernst nehmen kann diese Geschichte niemand: Ein Tornado saugt hungrige Haie aus dem Meer, fegt über die USA hinweg und lässt die Tiere über der Westküste abregnen. Die Bewohner bewaffnen sich mit Dynamit und Kettensägen und stellen sich einem blutigen Kampf mit den Meeresbewohnern. Es ist der Stoff zum Drehbuch des Fernsehfilms "Sharknado", den der US-Bezahlsender Syfy am Donnerstagabend erstmals ausgestrahlt hat. Laut Mashable spielt der Film in einer Liga mit dem Streifen "Snakes on a Plane", in dem Samuel L. Jackson sich in einem Flugzeug gegen eine Horde Schlangen zur Wehr setzt.

Vermutlich hätte die Fernsehpremiere des Trashfilms "Sharknado" niemand wirklich wahrgenommen, wenn sich nicht die Nutzer bei Twitter einen Spaß daraus gemacht hätten. Mit Spott und Ironie machten sie das Hashtag #sharknado zum Top-Trend beim Kurznachrichtendienst. Damon Lindelof, einer der Hauptautoren des Serienhits "Lost", twitterte während der Ausstrahlung: "Ich schreibe einen Nachfolger zu 'Sharknado', und ich werde damit fertig sein, bevor der Film vorüber ist." Der US-Schauspieler Wil Wheaton twitterte scherzhaft: "Ihr Idioten! Ihr blöden Idioten! Wir hätten die globale Erwärmung ernst nehmen sollen, nun haben wir einen Sharknado!"

Bis zu 5000 Tweets pro Minute rasten zu Spitzenzeiten durch die Twitter-Timeline. Eine stolze Anzahl. Beim diesjährigen Superbowl, ein weltweit ausgestrahltes TV-Ereignis, waren es mit maximal 20.000 Tweets pro Minute zu Spitzenzeiten nur viermal so viele.

Auch den Machern des Films ist der Trash-Faktor ihres Werkes wohl bewusst. Im Interview mit dem Wissenschaftsblog io9 sagt der Drehbuchautor Thunder Levin zwar, dass es durchaus viele Berichte über Fische gebe, die vom Himmel fallen. Zunächst habe aber auch er abgelehnt, ein Drehbuch über Stürme und Haie zu schreiben. Als ihm die Produktionsfirma jedoch erklärt hatte, worum es in dem Film gehen soll, habe er gesagt: "Das ist das Verrückteste, was ich jemals gehört habe. Ich bin dabei."

Als ein Twitter-Nutzer am Freitagmorgen schreibt: "Und mit Sharknado hat das Hai-Genre seinen natürlichen und logischen Abschluss gefunden", antwortet der Regisseur Anthony C. Ferrante lediglich darauf: "Das war der Plan." Ob der Film "Sharknado" auch in Deutschland zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt.

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17 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
blob123y 12.07.2013
chalchiuhtlicue 12.07.2013
kaitou1412 12.07.2013
Brillalein 12.07.2013
TwittStorm 12.07.2013
georgorwellsbruder 12.07.2013
beck1983 13.07.2013
tzdv9000 13.07.2013
chaps 13.07.2013
bärchen07 13.07.2013
ancestorsrelic 13.07.2013
SisterOfNight 13.07.2013
artusdanielhoerfeld 13.07.2013
dath-vader 13.07.2013
Mareau 13.07.2013
wind_stopper 14.07.2013
michael30f 11.09.2013
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  • Das Internet hat eine neue Form des Unterhaltungskonsums hervorgebracht. Es fing an mit Videos, Fotos, Powerpoint-Präsentationen, die per E-Mail herumgeschickt wurden, ging weiter mit über Instant-Messaging-Dienste verbreiteten Links zu Clips mit skateboardfahrenden Hunden oder ungelenken Kindern beim Lichtschwert-Exerzieren und fand seinen vorläufigen Höhepunkt im Weitererzähl-Web der digitalen Gegenwart. Der Lacher für die Mittagspause wird heute über Facebook oder Twitter weitergereicht, genau wie der schnelle Niedlichkeits-Kick (Katzenvideos!) als Mittel gegen den grauen Büroalltag oder der mitgefilmte schmerzhaft-dämliche Skateboard-Unfall für zwischendurch.

  • Die kaskadische Form der Informationsverbreitung, die gerade Dienste wie Twitter ermöglichen, hat dem Phänomen des spontanen Internet-Hypes ein perfektes Biotop geschaffen. Auch ein Jahre altes Video von einem lachenden Pinguin kann urplötzlich innerhalb weniger Stunden ein Millionenpublikum erreichen - wenn geheimnisvolle Faktoren zusammenkommen, die noch niemand so recht entschlüsselt hat (wer das schafft, wird vermutlich sehr reich werden).

  • Und was sich lang genug in den Köpfen der Menschen hält, was weiterverarbeitet, verballhornt, umgedeutet, neu abgemischt wird, bringt es im Informationsverbreitungs-Wunderland Internet vielleicht sogar zum Mem.

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