Travellerportal Couchsurfing ist tot – es lebe Couchsurfing

Zweieinhalb Jahre lang boten sich 90.000 Freiwillige über Couchsurfing.com weltweit gegenseitig Plätze zum Übernachten, einen Stadtrundgang oder Partys an. Dann löschte ein Festplattencrash das gigantische Archiv der Seite. Doch es gibt Hoffnung auf einen Neuanfang.

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Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer: "Couchsurfing ist tot!". 90.000 registrierte Traveller hatten das Portal couchsurfing.com zuletzt genutzt, um sich gegenseitig Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten. Doch letzten Dienstag standen Tausende Reisende sprichwörtlich auf der Straße. Keine Chance mehr, die Gastgeber, die sie nur über die Website kannten, zu kontaktieren.

Rucksäcke: Wo schlafen ohne Couchsurfing?
DPA

Rucksäcke: Wo schlafen ohne Couchsurfing?

Statt der Willkommen-Seite begrüßte sie ein tieftrauriger Brief des Couchsurfing-Gründers Casey Fenton: "Ich habe die letzten drei Jahre meines Lebens Couchsurfing gewidmet. Ich habe mein Leben und meine Wanderlust aufgegeben, um dieses Netzwerk aufzubauen. Ich beschwere mich nicht; es war eine fantastische Reise. Aber so niederschmetternd der Gedanke auch sein mag, es sieht ganz so aus, als ob diese Reise zu Ende ist."

Eine Festplatte ging zu Bruch, das Backup versagte. Eine Woche lang schien es ganz so, als ob die 90.000 Mitgliederprofile, die Nachrichten, ja, ein ganzer Lebensstil von weltoffenen Rucksackreisenden abrupt verloren war. Private Websites versuchten einstige Kontakte wiederherzustellen, über den Google-Cache konnten einige wenigstens ihre Profildaten sichern.

Eigens eingerichtete Foren dienten als Auffanglager für Couchsurfing-Gestrandete. Der Hospitality Club, mit fast 160.000 Mitgliedern das größte Gastfreundschafts-Netzwerk, verkürzte eigens die Zeit, in der neue Mitgliedschaften freigeschaltet werden, um Reisenden ein neues Surfziel zu geben.

Doch eine Mail, die das Couchsurfing-Team heute Morgen versendete, strahlt Optimismus aus: "In den letzten Tagen wurde uns so viel Liebe und Unterstützung aus aller Welt zuteil, dass klar ist, dass die Couchsurfing-Community einfach weitermachen muss."

Rund um die Uhr arbeite ein Team mithilfe von Datenrettern des FBIs und extra angeheuerten Programmierern an einem neuen Couchsurfing. Teure Backupsysteme sollen zukünftig einen Crash entschärfen. Wenn alles nach Plan geht, sind in zehn Tagen die Profile wieder online, damit ungestört weitergereist werden kann. Eine FAQ erklärt derweil, was passierte, ein Blog (derzeit nicht erreichbar), woran das Kernteam derzeit arbeitet.

Was nun aber auch klar wird: Mit dem großen Erfolg, den diese Seiten haben – Zehntausende Reisende und Gastgeber, ein grenzenloser Planet voller fremder Freunde – wächst auch die Verantwortung. Couchsurfing beantragt jetzt die offizielle Anerkennung als Non-Profit-Organisation. Ein Schritt, den sich auch andere Reiseportale überlegen sollten.



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