Russischer Untergrund Hacker-Werkzeug kostet nur acht Dollar

Wer nicht hacken kann, muss hacken lassen: Ein Forschungsbericht zeigt, was cyberkriminelle Dienstleistungen in russischen Untergrund-Foren kosten. Spam, Trojaner und DDoS-Attacken sind hier käuflich zu erwerben - zum Spottpreis.

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Programmierer (Symbolbild): Ein eigenes Botnet für 700 Dollar
DPA

Programmierer (Symbolbild): Ein eigenes Botnet für 700 Dollar


"Würden Sie gern ein bisschen spionieren?", heißt es in einem Beitrag in einem russischen Hackerforum. "Schreibt Ihre Freundin permanent SMS an jemanden und behauptet, sie texte nur mit einer Bekannten? Dann ist das der richtige Service für Sie!" Bei dem "richtigen Service" handelt es sich um einen Trojaner, der es ermöglicht, alle eingehenden und ausgehenden SMS zu lesen. Das Programm für so eine Straftat kostet derzeit ungefähr 350 Dollar.

Eine andere Anzeige bietet Hilfe bei sogenannten DDoS-Attacken für diejenigen, die jemanden angreifen wollen, aber nicht wissen, wie. Für einen ganzen Tag "DDoS-Service" werden zwischen 30 und 70 Dollar fällig. Ein voller Angriffsmonat soll 1200 Dollar kosten.

Das sind die Preise für derartige kriminelle Dienstleistungen im russischen Untergrund, berichtet die Sicherheitsfirma Trend Micro. In der Forschungsarbeit "Russian Unterground 101" (PDF) zeichnet Max Goncharov das klare Bild eines florierenden Cybercrime-Marktes, auf dem Hacker ihre Programme und Dienstleistungen anbieten.

Als Markplatz dienen bestimmte Ecken im Internet: Die Experten von Trend Micro haben sich zum Beispiel in Online-Foren umgesehen und sind auf solche Angebote gestoßen. Ein Hacker wirbt dort zum Beispiel für "Trojaner und andere Schadsoftware", die er entwickelt hat. Im Angebot ist unter anderem ein Modell zum Vorteilspreis von 1300 Dollar, mit dem man angeblich Bankdaten stehlen kann.

Käuflich ist laut dem Bericht eigentlich alles: Von der Infrastruktur bis zum Passwortklau gibt es für jeden Kriminellen etwas - auch dann, wenn er selbst nicht hacken kann. Eine Millionen Spam-E-Mails für zehn, ein Botnet für 700 Dollar, ein Werkzeug zum Passwort-Klau für lumpige acht Dollar.

Der Scan eines Passes kostet fünf Dollar

Wer glaubt, dringend das E-Mail-Passwort eines anderen zu benötigen, selbst aber keinen Plan von Brute Force hat, findet Handlanger, die angeblich schon gegen 16 Dollar helfen. Allerdings gilt dieser Vorteilspreis nur für bestimmte russische Mailprovider. Teurer wird es für denjenigen, der es auf das Passwort eines Nutzers von Googlemail, Yahoo oder Hotmail abgesehen hat: Das kann gut 160 Dollar kosten, vielleicht sogar 350, je nach Anbieter.

Nun ist es wenig verwunderlich, dass ausgerechnet eine Firma für Computersicherheit die etwaige Bedrohung möglichst drastisch darstellt. Wenn jedoch die angegebenen Preise auch nur grob stimmen, zeigt der Bericht vor allem eines: Mit Hilfe irgendeines Hackers das Gesetz zu brechen, ist ganz schön billig. Trojaner, Spam und Exploits werden den Kunden fast hinterhergeworfen.

Der Diebstahl sensibler Daten ist theoretisch für jedermann erschwinglich, wenn es schon für fünf Dollar eine Fake-Website zu kaufen gibt, auf der die arglosen Besucher ihre Nutzernamen und Passwörter eingeben sollen. Zum gleichen Preis wird übrigens der Scan eines europäischen Passes gehandelt. Damit ließe sich etwa ein PayPal-Konto verifizieren.

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insgesamt 13 Beiträge
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7eggert 06.11.2012
1.
Zitat von sysopDPAWer nicht hacken kann, muss hacken lassen: Ein Forschungsbericht zeigt, was cyberkriminelle Dienstleistungen in russischen Untergrund-Foren kosten. Spam, Trojaner und DDoS-Attacken sind hier käuflich zu erwerben - zum Spottpreis. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/trend-micro-nennt-preise-im-russischen-hacker-untergrund-a-865571.html
Müßt ihr die bösen Jungs immer als Hacker bezeichnen? Wir bezeichnen doch auch nicht die U-Bahn-Sprayer als Journalisten, nur weil sie Text schreiben.
zeus47 06.11.2012
2. zeus47
Hauptsache sie hacken die bösen, z.B. die Katholische Kirche oder die NPD, oder Putin usw. Dann ist ja alles gut.
juerler@saxonia.net 06.11.2012
3. Hacker
Zitat von sysopDPAWer nicht hacken kann, muss hacken lassen: Ein Forschungsbericht zeigt, was cyberkriminelle Dienstleistungen in russischen Untergrund-Foren kosten. Spam, Trojaner und DDoS-Attacken sind hier käuflich zu erwerben - zum Spottpreis. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/trend-micro-nennt-preise-im-russischen-hacker-untergrund-a-865571.html
warum sollen nur Israelis oder Amerikaner Trojaner zum Schnüffeln einsetzen dürfen. siehe „stuxnet“ Oder inwieweit müssen Soziale Netzwerke mit Nachrichtendiensten zusammenarbeiten.
vitalik 06.11.2012
4. Ausprobiert
Was denn nun? Haben die Experten der Sicherheitsfirma die Angebote ausprobiert? Im Artikel steht nur, dass man es anbietet. Würde jemand einem russischen Forummitglied, wahrscheinlich auf einem nichtzurückverfolgbarem Weg, tatsächlich 1200 Dollar zahlen und eine Leistung erwarten. Als nächstes kommt ein Artikel, dass man gar kein Audi gewinnt, wenn man auch das "Sie sind der millionste Besucher" Banner klickt.
surfalistico 06.11.2012
5. Gestern schon auf Wired
Ganz neu, gab's schon gestern auf der Wired-Website zu lesen: "Russian Underground Offers Cybercrime Services at Dirt-Cheap Prices"
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