Netzwelt-Ticker Bank-Trojaner, Hadopi-Bilanz, Grundschul-Hacker

Heute im Überblick: Trojaner manipuliert Online-Banking mit Chip-Tan; nach 1,1 Millionen Warnbriefen von Hadopi gibt es bisher nur 14 Anzeigen; in Estland wird Programmieren bereits ab der 1. Klasse zum Lehrfach.

Online-Banking (Symbolbild): Tatanga will ans Konto
dapd

Online-Banking (Symbolbild): Tatanga will ans Konto


Schon im Mai machte die Nachricht von einem Trojaner namens Tatanga die Runde, damals wurden Nutzer des mobilen Tan-Verfahrens beim Online-Banking attackiert. Anscheinend haben die Macher ihre Malware inzwischen überarbeitet. Die britische IT-Security-Firma Trusteer ist auf eine neue Variante des Schadprogramms gestoßen, das diesmal auf Nutzer des Chip-Tan-Verfahren abzielen soll.

Zu dessen Nutzung müssen Kunden ihre Bankkarte bei jeder Transaktion in ein spezielles Lesegerät stecken, das eine Transaktionsnummer (Tan) generiert, wenn man einen Code vom Computerbildschirm überträgt.

"Tatanga" fordert nun den Nutzer nach dem Bank-Login zu einem Test des Chip-Tan-Verfahrens auf. Der getäuschte Kunde gibt die frisch generierte Tan in ein spezielles Feld ein - und öffnet damit dem Schadprogramm Tür und Tor. Der entstandene Schaden wird von dem Trojaner zusätzlich verschleiert, indem er die Anzeige der Kontostände und Umsätze manipuliert.

Im Prinzip könne es jede beliebige Bank treffen, so Trusteer-Technikchef Amit Klein gegenüber "Chip". Bank-Kunden sollten in diesen Tagen unter keinen Umständen eine Überprüfung des Chip-Tan-Verfahrens zuzulassen, egal, wer dazu auffordere. Im Zweifel solle man sein Kreditinstitut anrufen.

Nach 1,1 Mllionen Blauen Briefen von Hadopi nur 14 Anzeigen

Hadopi - hinter diesem Namen stehen die Anstrengungen der französischen Behörden zur Bekämpfung der Online-Piraterie. In einem Drei-Stufen-Modell sollten ertappte Filesharing-Sünder zunächst verwarnt werden. In hartnäckigen Fällen droht Wiederholungstätern sogar komplettes Internetverbot seitens der eigens eingerichteten Hadopi-Behörde (Haute autorité pour la diffusion des œuvres et la protection des droits sur Internet).

Nun veröffentlichte Hadopi konkrete Zahlen, die von Anhängern des Three-Strikes-Modells zweifellos als Erfolg gewertet werden dürften. So hätten in der ersten Runde 1,15 Millionen Besitzer von mit Online-Piraterie in Zusammenhang gebrachte IP-Adressen eine Mitteilung erhalten. Von denen hätten aufgrund weiterer Beschwerden von Rechteinhabern auf der zweiten Stufe immerhin noch 102.854 einen zweiten Warnbrief bekommen, das dritte Schreiben ("Third Strike") sei an 340 Adressaten gegangen.

Unbelehrbar hätten sich letztlich nur ganze 14 gezeigt, auf die nun gerichtliche Schritte zukämen, berichtet "Ars Technica". An deren Ende könnten bis zu drei Jahre Haft und eine Geldbuße von 300.000 Euro stehen.

Estland lässt Erstklässler programmieren

IT-Fachkräftemangel ist auch in Osteuropa ein Thema. In Estland haben sich die Verantwortlichen nun ein Programm ausgedacht, das diesem Manko zumindest mittelfristig abhelfen könnte. In sämtlichen Schulen des Landes, beginnend mit den Grundschulen, sollen freiwillige Programmierkurse angeboten werden. Zunächst wird das neue Hacker-Schulfach in einer Pilotphase nur ein einigen ausgewählten Schulen angeboten. So sich das Konzept als erfolgreich erweist, soll das Programm "Tigersprung"in der Folgezeit ausgeweitet werden.

Dass die estnische IT-Szene einen Ruf zu verteidigen hat, wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass der VoIP-Client Skype einst von drei estnischen Programmierern entwickelt worden war.

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