Bildbearbeitung So machen Sie aus Ihren Fotos "True Detective"-Bilder

Der Vorspann der Krimiserie "True Detective" ist ein kleines, preisgekröntes Kunstwerk. Hier erklärt das Magazin "Docma", wie man Fotos im selben surrealen Stil verfremdet.

Motiv: "Industrial Head"
Gabor Richter/ DOCMA

Motiv: "Industrial Head"

Von "Docma"-Autor Gabor Richter


1. Das Modell fotografieren

Gabor Richter/ DOCMA

Für das Ausgangsfoto benötigen Sie keine umfangreiche Studioausrüstung. Wichtig ist jedoch, dass Sie das Modell vor einem gleichmäßigen, hellen Hintergrund fotografieren. Falls Sie kein Hintergrundsystem besitzen, benutzen Sie alternativ eine weiß tapezierte Wand oder eine helle Tür. Über etwaige Tapetenfasern oder Holzstrukturen müssen Sie sich hier nicht sorgen - denn der Hintergrund soll vor allem das später notwendige Freistellen der Person vereinfachen. Vorteilhaft ist eine größere, diffuse Lichtquelle, damit Sie keine harten Schatten im Gesicht erzeugen. Sollten Sie weder Studio- noch Dauerlicht haben, dann nutzen Sie das diffuse Tageslicht an einem Fenster - das kostet Sie nicht einmal etwas.

2. Raw-Entwicklung

Gabor Richter/ DOCMA

Die Grundoptimierung des Fotos erfolgt praktischerweise direkt in Camera Raw. Für eine leichte Aufhellung des Motivs verschieben Sie die "Belichtung" dezent auf +0,20. Die Strukturdetails der Tapete im Hintergrund benötigen wir nicht. Ziehen Sie deshalb den "Lichter"-Regler auf +60, um einen schönen, hellen Hintergrund zu erhalten. Indem Sie die "Klarheit" auf +20 erhöhen, verstärken Sie die lokalen Kontraste im Bild und heben zusätzlich die Konturen hervor. Da das Motiv alles andere als farbenfroh werden soll, können Sie die "Sättigung" auf -60 reduzieren.

Übergeben Sie nach diesen Korrekturen mit einem Klick auf "Bild öffnen" das Foto an Photoshop. Halten Sie dabei die "Shift"-Taste gedrückt, verwandelt sich die Schaltfläche in "Objekt öffnen" und die Raw-Datei wird als Smartobjekt an Photoshop übergeben. Dadurch können Sie später jederzeit mit einem Doppelklick auf die Ebenenminiatur des Smartobjekts in die Raw-Einstellungen zurückkehren und gegebenenfalls nachbessern.

3. Auswahl der Person

Gabor Richter/ DOCMA

Für diesen Schritt sollten Sie sich auf jeden Fall einige Minuten Zeit nehmen. Je genauer Sie hier arbeiten, umso weniger müssen Sie in den nachfolgenden Schritten korrigierend eingreifen. Das Ziel ist es, die Person freizustellen und eine Maske zu erhalten, die alle weiteren Bildmanipulationen, wie etwa das Einfügen eines sauberen Hintergrunds, erleichtert. Nutzen Sie als Erstes das "Schnellauswahl"-Werkzeug und fahren Sie damit über die Person. Kommen Sie dabei nicht zu nah an deren Konturen. Falls Ihr Rechner dadurch nicht spürbar verlangsamt wird, aktivieren Sie in der Werkzeug-Optionsleiste die Funktion "Automatisch verbessern". Nach jedem Auswahlvorgang verfeinert Photoshop dadurch die Kontur-Erkennung. Kleinere Auswahlfehler korrigieren Sie am schnellsten mit dem "Lasso".

Gefunden in
4. Maske verbessern

Nachdem Sie die Auswahl möglichst fehlerfrei vorgenommen haben, klicken Sie unten im "Ebenen"-Panel auf das "Ebenenmaske hinzufügen"-Symbol. Die Person ist nun zwar freigestellt, doch das Ergebnis lässt sich noch deutlich verbessern.

Gabor Richter/ DOCMA

Auch wenn Sie später den oberen Kopfteil größtenteils teiltransparent ausblenden, sollten Sie den kritischen Bereich der Haarkontur in diesem Schritt optimieren. Denn ungenaue Freisteller fallen auch bei reduzierter Deckkraft störend auf. Führen Sie einen Rechtsklick auf die Maske aus und wählen Sie "Maske verbessern". Im Dialog müssen Sie nichts weiter einstellen. Fahren Sie mit dem standardmäßig aktiven "Radius-Verbessern-Werkzeug" (hervorgehoben) über die Kontur der Haare, um die Freistellung der feinen Details zu verbessern (a) und bestätigen Sie anschließend den Dialog mit "OK".

Sollte Ihnen die Kontur nun noch etwas zu unnatürlich und scharf erscheinen, öffnen Sie mit einem Doppelklick auf die Maske deren "Eigenschaften", in denen Sie über den Regler "Weiche Kante" die Maske nichtdestruktiv weichzeichnen können. Bei diesem Motiv sollten Sie keinen größeren Wert als 4 Pixel wählen (b).

5. Ebenenstruktur optimieren

Gabor Richter/ DOCMA

Nach den Schritten 1 bis 4 liegt nun eine einzelne Ebene mit angehängter Maske vor (a). Um es in den folgenden Schritten einfacher zu haben, empfiehlt es sich, die Maske auf eine Gruppe "auszulagern". Denn dadurch wirkt sie sich auf alle innerhalb der Gruppe zusätzlich erzeugten oder platzierten Ebenen aus. Drücken Sie also "Strg/Cmd-G" beziehungsweise klicken Sie im "Ebenen"- Panel auf das Symbol "Neue Gruppe erstellen", um die Ebene in eine Gruppe zu verschachteln. Benennen Sie die Gruppe in "Person" um. Ziehen Sie nun die Maske von der Ebene auf die Gruppe (b). Auf der Arbeitsfläche gibt es dadurch keine optische Veränderung, doch alle Veränderungen, die nur die Person betreffen, spielen sich fortan sehr einfach innerhalb der Gruppe ab.

6. Neuer Hintergrund

Gabor Richter/ DOCMA

Die Person ist nun freigestellt. Fügen Sie über "Ebene>Neue Füllebene>Farbfläche" eine neue Ebene hinzu. Wählen Sie als Füllfarbe ein reines Weiß. Positionieren Sie die Ebene unterhalb der Gruppe "Person". Der Hintergrund ist dadurch strahlend weiß, und es spielt keine Rolle mehr, ob die Papierrolle des Studiohintergrund-Systems etwas verschmutzt oder ob die Tapetenstruktur erkennbar war.

Tipp: Falls Sie Strukturen oder Partikeleffekte einsetzen möchten, die sich nur hinter der Person abspielen, dann fügen Sie diese über der weißen Füllebene ein, aber außerhalb der "Person"-Gruppe.

7. Obere Gesichtshälfte maskieren

Gabor Richter/ DOCMA

Das Ziel dieses Tutorials ist es, die obere Kopfhälfte mit einem anderen Motiv zu überlagern. Dabei soll das Gesicht jedoch in Teilen sichtbar bleiben. Fügen Sie deshalb der Kopf-Ebene in der Gruppe "Person" eine Maske hinzu und blenden Sie mit einem schwarzen Pinsel bei 100% "Deckkraft" die Bereiche bis hinunter zu den Nasenflügeln komplett aus. Danach malen Sie mit einer Deckkraft von etwa 5% und einem weißen Pinsel dezent die Konturen des Kopfes, das Ohr, die Nase und die Augen wieder zurück (a).

Tipp: Sollten Sie an dieser Stelle ein paar störende Makel (zum Beispiel der Haut) bemerken, legen Sie eine neue, leere Ebene an, erstellen Sie eine Schnittmaske und retuschieren Sie diese Fehler schnell und unkompliziert zum Beispiel mit dem "Bereichsreparatur-Pinsel" (b). Achten Sie darauf, dass in der Optionsleiste des Werkzeugs "Alle Ebenen aufnehmen" aktiviert ist.

8. Passende Texturen/Szenen finden

DOCMA/ Website: textures.com

Nicht immer finden Sie benötigte Fotos in der eigenen Bilddatenbank. In diesem Fall greifen Sie auf Stockfotos zurück, für die ich Ihnen die Seite www.textures.com wärmstens empfehlen kann. Dort haben Sie bereits mit einem kostenlosen Account Zugriff auf einen riesigen Bildbestand. Achten Sie bei der Auswahl von Motiven für den "True Detective"-Nachbau darauf, dass die Objekte nicht angeschnitten sind und sich vor einer möglichst hellen und gleichförmigen Fläche befinden, damit Sie das Ganze ohne langwieriges Freistellen überlagern können. Ich entschied mich für dieses Foto einer Industrieanlage. Sie finden es bei textures.com über den Kurzlink www.docma.info/20437.

9. Szene überlagern

Gabor Richter/ DOCMA

Ziehen Sie das in Schritt 8 gewählte Bild in die Arbeitsdatei. Stellen Sie sicher, dass Sie es als oberste Ebene innerhalb der Gruppe "Person" platzieren. Wählen Sie "Bild>Korrekturen>Farbton/Sättigung" ("Strg/Cmd-U") und setzen Sie die Sättigung auf -100 %. Ändern Sie die Füllmethode der Ebene auf "Multiplizieren", damit Sie abdunkelnd mit dem Porträt verrechnet wird. Positionieren und skalieren Sie das Motiv nun so, dass es innerhalb der Kopffläche liegt, ohne dass es oben abgeschnitten wird. Fügen Sie der Ebene eine Maske hinzu und blenden Sie die Bereiche unterhalb der Nase in gerader Linie aus.

10. Feinschliff der Überlagerung

Gabor Richter/ DOCMA

Blenden Sie nun den Himmel komplett aus. Dafür benötigen Sie bei ungeeigneten Motiven eine aufwendige Freistellung. In diesem Fall geht das dank des gleichmäßigen, neutralen Hintergrunds deutlich einfacher: Legen Sie eine Einstellungsebene "Tonwertkorrektur" an und lassen Sie diese per Schnittmaske ausschließlich auf die Ebene mit der Industrie-Szene wirken. Verschieben Sie nun den Weiß-Regler so weit nach links, bis der Himmel verschwunden ist, die Gebäude aber noch zu erkennen sind; in diesem Beispiel funktionierte ein Wert von 170 für den Weißpunkt sehr gut.

11. Überstrahlung hinzufügen

Gabor Richter/ DOCMA

Bis jetzt hat der weiße Hintergrund noch keine große Wirkung. Er ist einfach nur flach und langweilig. Verwandeln Sie ihn in eine Lichtquelle, indem Sie Überstrahlungen an den Konturen der Person einmalen. Legen Sie dafür eine neue leere Ebene über der Gruppe "Person" an und nennen Sie diese "Überstrahlung". Wählen Sie Weiß als Vordergrundfarbe und dann einen "Pinsel" mit einer "Härte" von 0 % und einer "Größe" von 500 Pixeln. Seine "Deckkraft" setzen Sie auf nur 5 %. Malen Sie an den Konturen von Schulter und Hals eine Überstrahlung ein. Fahren Sie mehrmals über die Bildstellen, bis Sie die gewünschte Stärke der Überstrahlung erreicht haben.

12. Textur überlagern

Gabor Richter/ DOCMA

Das Bild wirkt noch etwas zu clean. Hier hilft das Überlagern mit einer Steinstruktur, die Sie selbst fotografieren oder wie ich in diesem Beispiel unter www.docma.info/20438 bei texture.com laden können. Ziehen Sie die Textur an die oberste Position im Ebenenstapel. Entsättigen Sie die Ebene mit "Strg/Cmd-Shift-U" und ändern Sie Ihre Füllmethode in "Multiplizieren". Bei 100 % "Deckkraft" ist der Effekt viel zu kräftig. Senken Sie also die "Deckkraft" auf etwa 20 %. Die Strukturen über dem Gesicht stören aber stellenweise nach wie vor. Fügen Sie der Ebene deshalb eine Maske hinzu und blenden Sie mit einem weichen Pinsel bei geringer Deckkraft die störenden Überlagerungen sanft aus. Sollen die Texturen keinen Teil der Person, sondern nur den Hintergrund überlagern, erreichen Sie das auch ohne Maske schnell: Schieben Sie die Textur-Ebene einfach unter die Gruppe "Person".

13. Farb-Look

Gabor Richter/ DOCMA

Der "True Detective"-Look benötigt noch eine farbliche Tonung sowie etwas weniger Schwarz in den Tiefen. Beides lässt sich mit einer einzigen Einstellungsebene erledigen. Legen Sie dafür an oberster Stelle im Ebenenstapel eine Einstellungsebene "Gradationskurve" an. Hellen Sie die Tiefen leicht auf, indem Sie den Schwarzpunkt nach oben ziehen ("Ausgabe: 12"). Wechseln Sie über das Dropdownfeld im Dialog vom RGB- in den Blaukanal. Indem Sie den Schwarzpunkt auf einen "Ausgabe"-Wert von 6 setzen, färben Sie die Tiefen leicht bläulich. Im Gegenzug färben Sie die Lichter gelblich. Dazu schieben Sie den Weißpunkt so weit nach unten, bis die "Ausgabe" 240 zeigt.

14. Vignette

Gabor Richter/ DOCMA

Mit einer die Bildränder abdunkelnden Vignette lenken Sie die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Wesentliche: die surreale Person in der Bildmitte. Es gibt viele mögliche Vorgehensweisen, eine weiche Vignette zu erstellen, ich bevorzuge diese: Ziehen Sie mit dem "Auswahlellipse-Werkzeug" eine ovale Auswahl aus der Bildmitte auf. Invertieren Sie die Auswahl über einen Rechtsklick und "Auswahl umkehren" (a).

Legen Sie eine Einstellungsebene "Tonwertkorrektur" an und verschieben Sie den grauen Regler für die Mitteltöne nach rechts, bis Sie einen Wert von 0,50 erreicht haben (b). Die als Maske übernommene Auswahl ist natürlich noch viel zu scharfkantig, doch das lässt sich schnell und nicht-destruktiv korrigieren. Dazu doppelklicken Sie auf die Maske und schieben im "Eigenschaften"-Panel den Regler "Weiche Kante" so weit nach rechts, bis der Übergang weich genug ist. Im Beispiel war dies bei einem Radius von 570 Pixel der Fall (c). Glückwunsch - damit haben Sie Ihr erstes surreales "True Detective"-Bild fertiggestellt.



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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
jot-we 28.03.2016
1. very true
Sehr umfangreich erklärt und wenn man was lernen kann, ist's immer gut. Wenn dann aber sowas wie der 'industrial head' das Ergebnis sein soll, müsste man vielleicht doch noch kurz überlegen, ob man die ganze Arbeit nicht lieber lässt ...
ziooyong 28.03.2016
2. Umstand
So ein Umstand, Foto ausschneiden auf das Gesicht kleben, fertig!
Adelbert.von.Chamisso 28.03.2016
3. True Fail
Meine Güte, Doc Baumann war aber auch schon mal besser. Der Aufwand dieser Bildbearbeitung steht in keinem guten Verhältnis zum erzielten Ergebnis. Oder anders herum gesagt: Das Ergebnis hätte ich mit wesentlich weniger Schritten besser hinbekommen. Und das ohne Photoshop. Da reicht locker Paintshop 7, seines Zeichens mittlerweile 16 Jahre alt. Und nein, ich bin beileibe kein Pro, sondern nur ein dilletierender Autodidakt, der lediglich seine Trial and Error-Fähigkeiten etwas verfeinert hat. C'mon, Doc - Das kannst Du besser!
kai-ser210 28.03.2016
4. Warum immer meckern..?
Ich finde das Bild jetzt auch nicht super toll und würde den Aufwand dafür ebenso wenig betreiben wie so manch anderer Leser des Artikels. Aber ich finde es unnötig, dass sich wieder einmal (und das passiert hier regelmäßig) Foristen darüber auslassen, wie sehr sie doch alles besser könnten und bla und blubb. Leute entspannt euch mal. Diese Photoshop, Lightroom, etc Tutorials hier sind doch kostenlos und jemand hat sich die Mühe gemacht das alles irgendwann mal für Anfänger aufzuschreiben. Seid doch dankbar dass es Profis gibt, die ihr Wissen weitergeben. Ob man den jeweiligen Tipp jetzt braucht oder nicht ist doch wurscht. Warum muss man das dann allen mitteilen und ständig alles kritisieren? Sorry, aber diese Mentalität nervt.
einearmlaenge 28.03.2016
5.
Sehr ausführlich erklärt. Nur.... wofür brauche ich eine Industrieanlage auf einem Hals? Ist das Kunst 2016? Da sind ja H.A. Schult und Josef Beuys geradezu eine Offenbarung.....
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