Pranger statt Geldstrafe Softwarepirat kauft sich mit Bekennervideo frei

Vor Gericht wurde der Tscheche Jakub F. der Softwarepiraterie schuldig gesprochen. Drei Jahre Haft wurden zwar zur Bewährung ausgesetzt, doch die sechsstellige Geldstrafe kann F. nicht bezahlen. Nun muss er öffentlich Abbitte leisten.

Softwarepirat Jakub F.: "Die Ermittler waren sogar an meinem Arbeitsplatz"
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Softwarepirat Jakub F.: "Die Ermittler waren sogar an meinem Arbeitsplatz"


Mit einem bemerkenswerten Deal hat sich der tschechische Raubkopierer Jakub F. von einer hohen Geldstrafe freigekauft. Ein Video, in dem er Softwarepiraterie verurteilt, musste mindestens 200.000-mal angeklickt werden, damit ihm eine sechsstellige Geldstrafe erlassen wird.

Zu der ungewöhnlichen Absprache kam es, nachdem F. von einem tschechischen Gericht schuldig gesprochen wurde, über Jahre hinweg illegale Kopien kommerzieller Software im Internet verbreitet zu haben. Die Richter verurteilten ihn zu einer dreijährigen Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, berichtet das Blog "Torrentfreak".

Über diese Strafe hinaus fordern die gegen F. klagenden Firmen - darunter Microsoft, Sony Music und mehrere Filmstudios - von Jakub F. hohe Schadensersatzzahlungen. Vom Gericht wurde der von F. verursachte Schaden auf 222.000 Euro festgelegt.

Keine Chance auf Schadensersatz

Eine Summe, die der 30-Jährige nicht aufbringen kann, schon gar nicht auf einmal. Ein durchaus typischer Fall: Immer wieder werden Raubkopierer zu Geldstrafen verurteilt, die ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen.

Und so wundert es nicht, dass sich der Softwareherstellerverband BSA auf einen bemerkenswerten Deal einließ: Statt F. die Strafe sein Leben lang abzahlen zu lassen, will man ihn nun als abschreckendes Beispiel benutzen.

Man habe sich außergerichtlich darauf geeinigt, dass Jakub F. nur einen kleinen Teil der genannten Schadenssumme zurückzahlen muss. Im Gegenzug müsse er "sich an einer öffentlichen Kampagne beteiligen, die die Risiken der Intenetpiraterie aufzeigt", zitiert der "Guardian" die BSA.

"Mein Name ist Jakub"

Konkret heißt das für F., dass er sich in einem offenbar von der BSA inszenierten Onlinevideo zur Schau stellen und seine Taten öffentlich bereuen muss. Genau das tut F. in dem auf YouTube und einer eigens dafür eingerichteten Webseite nun auch.

In dem kurzen Film wird F. als reuiger Sünder gezeigt, der betreten nach unten schaut, den Blick in die Kamera scheut, mit seinem Anwalt Anklageschreiben bespricht. Dazu hört man seine Stimme auf dem Off: "Mein Name ist Jakub. Ihr ahnt nicht, wie einfach es ist, hier zu landen."

"Ich habe diese Seite starten müssen, weil ich acht Jahre lang raubkopierte Software verbreitet habe und erwischt worden bin", erklärt er weiter in dem nur auf tschechisch verfügbaren Video. Er habe sich nichts Böses dabei gedacht, habe es nicht des Geldes wegen getan, sondern weil es ihm Spaß gemacht habe.

In der Gemeinschaft der Raubkopierer habe er sich wohlgefühlt, sich bedeutsam gefühlt und doch gedacht, er sei ein viel zu kleiner Fisch, als dass die Industrie nach ihm fahnden würde. Aber schließlich sei man ihm doch auf die Schliche gekommen. "Die Ermittler haben mich sogar an meinem Arbeitsplatz aufgesucht", betont er, um deutlich zu machen, wie peinlich das Ganze für ihn sein.

Für wen ist das ein Erfolg?

Und dann erklärt er den Deal: Wenn sein Video mindestens 200.000-mal angeklickt werde, würde man ihm einen großen Teil seiner Geldstrafe erlassen. Deshalb spiele er in dem Film nun sich selbst, erzähle darin seine Geschichte.

Und das tut er offensichtlich mit großem Erfolg. Fünf Tage nachdem das Video online ging, steht der Zähler bereits bei über 400.000 Zugriffen. Seinen Teil der Abmachung hat Jakub F. also erfüllt.

Ob die Aktion aber wirklich die abschreckende Wirkung entfaltet, die sich die BSA davon erhofft, ist unklar. Manche Kommentare unter dem Video jedenfalls lassen vermuten, dass die öffentliche Zurschaustellung des Piraten von vielen ganz anders wahrgenommen wird. Einer schreibt: "Ich bin nur hierher gekommen, um einen Piraten zu unterstützen."

mak

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
meinmein 27.11.2015
1.
Piraten überfallen Schiffe, morden und rauben. Früher wurden erwischte Piraten geköpft (z.B. Störtebecker), heute kriegen die Bewährung.
Innoruuk 27.11.2015
2. So ein Blödsinn
Dieses Strafsystem ist völlig hanebüchen... 3000€ Schmerzensgeld für eine lebensgefährliche Verletzung worunter das Opfer sein leben lang leiden wird. Aber wehe man hinterzieht Steuern oder pinkelt der mächtigen Content-Mafia ans Bein, dafür gehts direkt in den Knast, Privatinsolvent mit inbegriffen. In den USA sind das dann sogar noch 2 bis 3 Stellige Millionen-Strafen. Völlig wahnwitzig.
moneysac123 27.11.2015
3.
Menschenverachtend! Das Kapital zwing einen Menschen soch öffentlich bloßzustellen. Es geht hier nicht um leben sondern um Geld. Die Filmindustrie schreckt vor nichts zurück! Widerlich!
kpdsu 27.11.2015
4.
Menschenverachtend ist imho zu hart. Das Video schreckt keinen ab und er wurde nicht gefoltert. Zur Belohnung muss er noch nicht mal die Strafe zahlen. Für ihn ist doch dann anders OK.
Peter Werner 27.11.2015
5.
Was immer man von Softwarpiraterie halten mag: dieses Video ist einfach nur widerlich, eine moderne Form des geteert und gefedert werdens. Der Schuss dürfte nach hinten losgehen.
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