Tumblr-Blog "All Male Panels" Das Hasselhoff-Siegel für pure Männlichkeit

Der Stempel steht für pure Männlichkeit: Wer auf dem Tumblr-Blog "All Male Panels" mit dem David-Hasselhoff-Siegel ausgezeichnet wird, hat zu viele Männer aufs Tagungspodium gesetzt.

Tumblr-Screenshot: Die österreichische Feuerwehr erhält das Hasselhoff-Siegel

Tumblr-Screenshot: Die österreichische Feuerwehr erhält das Hasselhoff-Siegel


Auch die Ruhr-Universität Bochum wird ausgezeichnet. Doch die Veranstalter der Vortragsreihe "Wissenschaft trifft Praxis" erhalten das Siegel nicht etwa für das breite Programm, bei dem es um Internet, Körpergewicht und Chirurgie geht. Die Auszeichnung erhält die Uni für die reine Männer-Riege auf dem Podium. Mit einem ironischen "Herzlichen Glückwunsch" wird die Uni mit dem Inbegriff der Männlichkeit gestempelt: mit dem "Baywatch"-Star David Hasselhoff.

Die Veranstaltung der Uni Bochum ist nur ein Beispiel für viele Expertenrunden, die auf dem Tumblr-Blog "All Male Panels" kritisiert werden. "Alle Redner bei der Vortragsreihe sind männlich", heißt es auf der Seite. "Das ist leider nicht das erste Mal." Das trifft dem Blog zufolge auch auf viele weitere Diskussionsrunden zu. In der Tumblr-Sammlung finden sich Tech-Konferenzen in New York, Fußballdiskussionen in Amsterdam über die geplante WM in Katar und eine Gesprächsrunde der österreichischen Feuerwehr über Katastrophenmanagement in Wien.

Alle Runden haben eines gemeinsam: Es sitzen nur Männer auf der Bühne. Alle Beiträge sind mit dem Hasselhoff-Prädikat gestempelt worden, das die Nutzer auch selbst mit dem Hoffsomerator auf ihre Beiträge kleben und schließlich an Saara Särmä schicken können.

Die finnische Wissenschaftlerin hat das Projekt im Februar dieses Jahres gestartet. Zunächst hatte Särmä die Bilder auf Facebook gesammelt. Doch als immer mehr Nutzer eigene Screenshots hinzufügten, startete die Finnin den Tumblr-Blog. Sie beobachte das Phänomen schon sehr lange, sagte sie dem "Guardian". Vor allem bei schweren Themen wie Außenpolitik und Sicherheitsfragen seien die Gesprächsrunden hauptsächlich mit Männern besetzt.

An eine schnelle Veränderung glaube sie nicht, hoffe aber, dass "die Menschen keine reinen Männer-Panels mehr organisieren und dass sie keine reinen Männerpanels mehr besuchen". Wenn es künftig weniger reine Männer-Runden gäbe, sagt Särmä, "dann wäre das schon ein tolles Ergebnis".

In Deutschland widmen sich die Betreiber der Speakerinnen-Liste dem Gender-Thema bei Gesprächsrunden. Die Frauen aus Berlin vermitteln Rednerinnen an Veranstalter, die auf der Suche nach Expertinnen und einem ausgeglichenen Sprecher-Verhältnis bei Diskussionsrunden sind. Knapp 800 Frauen haben sich bereits in die Datenbank eingetragen und decken Themenfelder wie Politik, Bildung und Internet ab.

jbr



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
berufskonsument 01.06.2015
1.
Ich finde es sexistisch, Experten aufgrund ihres Geschlechts ein- oder auszuladen. Gibt es auch einen Blog für All-Female-Panels, wie sie bei Gender- und feministischen Themen gerne zusammengestellt werden?
Untertan 2.0 01.06.2015
2. Diskriminierend
Außerdem sind alle über 30, weiß, und kein Einziger sitzt im Rollstuhl! Da muss dringend was gemacht werden! Es kann ja nicht sein, dass man eine Expertenrunde ausschießlich nach deren Expertise zusammenstellt! /Ironie
DerSponner 01.06.2015
3. Für sein Geschlecht kann keiner was
auch nicht die Männer in den Gesprächsrunden. Warum soll es wichtig sein welches Geschlecht die Gesprächspartner haben? Noch dazu bei Themen wie Fussball-WM oder Katastrophenmanagement der Feuerwehr?
Dr.Watson 01.06.2015
4. .
.... hat eigentlich David Hasselhoff hier schon die evtl. mögliche sprudelnde Quelle für Lizenzgebühren entdeckt?
lupidus 01.06.2015
5.
betrachtet der blog auch das gegenteil ? wenn nein ist das ziemlich sexistisch. übrigens habe ich bei tupper-parties auch noch keinen mann gesehen. wenn frauen sich irgendwann mal für technik oder sport interessieren, dürfen sie gerne mal teilnehmen. aber kein engagement zeigen und sich dann über die "mangelhafte" geschlechterverteilung beklagen, an der sie selbst schuld sind, ist ziemlich dumm.
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