Von Frank Patalong
Die Sender wissen also, das sie etwas unternehmen müssen in Sachen IPTV. Nachdem es zeitweilig hieß, die Deutsche Fußball Liga wolle zum Schutz ihrer zahlungskräftigen TV-Lizenznehmer ab 2013 keine Live-Lizenz mehr für das Internet gesondert verkaufen, sondern nur noch Lizenzen für die Nachberichterstattung, ist jetzt zu hören, dass sich Sky 2013 auch eine IPTV-Lizenz sichern wolle. In Wahrheit ist das keine Frage mehr von Wollen, sondern ein Muss.
Denn IPTV unterläuft die Geschäftsmodelle längst. Legal, wie es die Telekom mit Liga total demonstriert, oder mit umstrittener rechtlicher Basis, wie einige meist asiatische Anbieter, die seit Jahren schon Livebilder aller möglicher Fußballligen inklusive Bundesliga und Champions League über das Internet streamen. Diese Streams sind allerdings wirklich nur etwas für Freaks: qualitativ höchst bescheiden und ruckelig. Bei YouTube sähe sowas wohl anders aus.
Cricket ist dabei mehr als nur ein Testballon. Die IPL-Liga soll von 1,2 Milliarden Menschen verfolgt werden, glaubt man der Eigen-PR. Die Popularität von Cricket - zumal der neuen Form Twenty20 - steht außer Frage: Die IPL hofft tatsächlich, durch die Kooperation mit YouTube Fußball vom Thron der populärsten Ballsportart der Welt zu verdrängen. Das Spiel am Freitag wird weltweit übertragen, mit Ausnahme der USA - das aber auch nur, weil dort ein TV-Sender die IPTV-Ausstrahlungsrechte hält. Für die IPL ist die Lizenzierung an YouTube attraktiver als die Rechtevergabe an einzelne Sender.
Das ist eine mediale Zeitenwende, von der Europas Ligen und Sender natürlich noch einigermaßen weit entfernt sind. Oder scheinen? Am Ende ist alles eine Frage des Geldes: Die Ligen in England oder Spanien pfeifen finanziell auf dem letzten Loch, ihre Kosten sind in Höhen angewachsen, die mit TV-Werbung kaum mehr refinanzierbar sind - zumal der Werbemarkt am Boden liegt. Ist es da wirklich undenkbar, dass das richtige Gebot eines IPTV-Anbieters mit einem Schlag alles auf den Kopf stellen könnte?
Für die meisten Sportfans wäre all das längst kein Horrorszenario mehr: Zumindest im städtischen Raum ist die Infrastruktur für IPTV vorhanden, im ländlichen soll sie in den nächsten Jahren entstehen.
YouTubes Vertrag mit der IPL ist ein mächtig großer erster Versuchsballon. Der Kontrakt läuft über zwei Jahre, umfasst die Liveübertragung von 120 Spielen. Dazu produziert YouTube Hintergrundvideos, Häppchen hier und da, Interviews, Fanbeiträge und mehr. "Wir wollen", erklärte Gautam Anand, bei Google zuständig für Partner-Projekte in Asien, in der vergangenen Woche in einem Interview mit Techshout, "YouTube zu einer umfassenden Plattform für Videoinhalte machen, das schließt Live- und On-demand-Sportsendungen ein." Und TV- und Filminhalte.
Video: Sachin Tendulkar Superstar
Testweise ist YouTube bereits als virtueller Verleih tätig. In Indien testete die Videoplattform kürzlich eine Werbe-refinanzierte Filmvorführung und erreichte 800.000 Zuschauer. Mit Aktionen wie der Live-Übertragung eines U2-Konzerts testete der Konzern seine Kapazitäten, zum Sundance-Filmfestival konnte man erstmals kostenpflichtig aktuelle Filme bei YouTube leihen - was allerdings weitgehend erfolglos blieb.
Dass zugleich immer mehr TV-Sender oder Produzenten mit eigenen Partner-Kanälen den Weg auf die Plattform suchen, ist dabei nur logisch und zwangsläufig so: Die abwandernden Zuschauer müsse man da abholen, wo sie nun sind, glaubt etwa Jeremy Allaire vom Web-Videounternehmen Brightcove. Er meint damit nicht eigene Web-Videoangebote, sondern den Export seiner Inhalte auf populäre Plattformen wie YouTube oder Hulu.
Denn genau das ist der eigentliche Umbruch, den YouTubes Cricket-Kanal offenbart: Für den internetsozialisierten Medienkonsumenten sind nicht mehr länger Sender die Marke, für die er sich entscheidet, sondern die Inhalte - CSI, Cricket, Fußball. Google bereitet sich auf diese Form der TV-Nutzung in mehr als einer Hinsicht vor: In den vergangenen Tagen begann der Suchmaschinist versuchsweise damit, in den USA TV-Programmangebote zu erfassen und durchsuchen.
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