TV5 Monde Hacker aus Russland sollen hinter Cyberangriff auf französischen Sender stecken

Bislang hatte man Dschihadisten hinter der Attacke auf TV5 Monde vermutet, doch laut einem Bericht wurde der Sender von russischen Hackern angegriffen. Die gesendete Propaganda für den IS ist demnach nur Tarnung gewesen.

Gekaperter Facebook-Account von TV 5 Monde (am 9. April): Neue Erkenntnisse über mutmaßliche Täter
AFP/ TV5MONDE

Gekaperter Facebook-Account von TV 5 Monde (am 9. April): Neue Erkenntnisse über mutmaßliche Täter


Hinter dem Cyberangriff auf den französischen Sender TV5 Monde im April sollen russische Hacker stehen. Das meldete das französische Magazin "L'Express" unter Berufung auf Justizkreise.

Propaganda für die Terrormiliz "Islamistischer Staat" (IS), die während der Attacke auf die IT-Systeme auf den Webseiten und Social-Media-Konten des Senders zu sehen war, sei möglicherweise ein Täuschungsmanöver gewesen, sagte der Senderchef Yves Bigot unter Hinweis auf Experten der französische Behörde für Sicherheit von Informationssystemen (ANSSI).

Im Namen der IS-Miliz hatten Hacker Anfang April die IT-Systeme des Senders gekapert und die Ausstrahlung der Fernsehprogramme stundenlang blockiert. Eine Gruppe namens "Cyber-Kalifat" bekannte sich im Internet zu dem Angriff. Dabei blieb unklar, ob tatsächlich der IS dahintersteckt. Frankreich bekämpft IS-Truppen mit Luftangriffen im Nordirak.

Die Gruppe russischer Hacker, auf die sich die Ermittlungen konzentrierten, agiere unter dem Namen APT28, hieß es laut der Agentur AFP aus Justizkreisen.

"L'Express" gab die Gruppe in seiner am Mittwoch erscheinenden Ausgabe mit dem Namen Pawn Storm an. Diese habe es in der Vergangenheit auf die Informationssysteme des Weißen Hauses, von Nato-Mitgliedern sowie von russischen Dissidenten und ukrainischen Aktivisten abgesehen gehabt.

Aus mit den Ermittlungen vertrauten Kreisen verlautete, dass die Spur der Hacker durch Nachverfolgung der IP-Adressen der Computer habe verfolgt werden können, von denen aus der Angriff gestartet worden sei.

Bei der Attacke Anfang April war der Sendebetrieb der Fernsehsendergruppe TV5 Monde vollständig zum Erliegen gebracht worden. Die Ausstrahlungen des frankophonen Senders, der in mehr als 200 Ländern und Gebieten empfangen wird, wurden gekappt. Auf elf Sendern der Gruppe war lediglich ein schwarzer Bildschirm zu sehen.

Zudem waren die Websites gekapert worden. Auf der Website und den Facebook- und Twitter-Seiten des Senders waren bei der Hackerattacke vermeintliche Drohungen des IS gegen Frankreich geäußert worden. Es dauerte mehrere Stunden, die Programme wieder hochzufahren.

fab/AFP/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
andreika123 10.06.2015
1. Soll das ein Witz sein
Also den Russen kann vieles unterstellt werden, aber das sie so ein cyber angrief planen und Durchführen und für Is zu werben, kann ich nicht glauben. Die Russen unterstützten Iran gegen die IS und andere arabischen Staaten, das weiß halt Spigel nicht.
Partieller Augentinnitus 10.06.2015
2.
Führt Putin jetzt seine besten Waffenkunden vor? Und warum lässt er vorgeben, für den IS zu cracken? Wenn es wirklich stimmt, dass Zugangskennworte am Whiteboard der Redaktion ausgehängt waren, dann war das wohl eher ein Insiderjob von Putins Billigstadministratoren. USB-Keylogger, wie bei der TAZ eingesetzt, lassen sich auch nur mit Direktzugriff auf die Rechner vor Ort einsetzen.
drittaccount 10.06.2015
3.
Ist doch auch vollkommen egal, wers war ... wichtig ist doch nur, dass es Russland war. Schließlich sind die Dschihadisten im Kampf gegen Russland unsere Freunde ... hat ja auch in Afghanistan schon prima funktioniert.
alfons88 10.06.2015
4. Aha... Anhand der geolokalisation der IP
Proxy? Jumphost? VPN/Tor-Exitnode? Das kann ja schon sein, daß in der Kette ein russischer Server war... Würde ich auch so machen... Aber noch zuerst über China/HK und USA und Island gehen...
achilles65 10.06.2015
5.
Natürlich waren es die Russen. Was waren die Russen eigentlich nicht?
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