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Beitrag über Hackerangriff: TV5 Monde entblößt versehentlich YouTube-Passwort

Interview mit TV5 Monde-Journalist: Im Hintergrund kleben die Passwörter Zur Großansicht
13 Heures

Interview mit TV5 Monde-Journalist: Im Hintergrund kleben die Passwörter

Peinliche Panne im französischen Fernsehen: Während ein TV5-Monde-Journalist über den Hacker-Angriff auf den Sender spricht, sind im Hintergrund Passwörter für YouTube, Twitter und Instagram zu sehen.

Das war bestimmt nicht so geplant: Nach dem massiven Hackerangriff auf den französischen Fernsehsender TV5 Monde haben sich die Journalisten in der Redaktion einen peinlichen Patzer erlaubt. Für ein Fernsehinterview setzt sich ein Journalist direkt vor die Wand, auf der etliche Passwörter notiert sind.

Noch immer wird darüber spekuliert, wie es den Angreifern gelungen ist, am Mittwochabend die komplette IT-Infrastruktur des Fernsehsenders TV5 Monde außer Gefecht zu setzen. Doch ein Fernsehbeitrag des Senders "France 2" zeigt, wie unvorsichtig manche Mitarbeiter mit den Passwörtern umgehen - und wie einfach die Zugangsdaten in fremde Hände fallen können.

Für die Sendung "13 Heures" besuchte ein Fernsehteam die Redaktion von TV5 Monde und sprach mit den Angestellten über den Hackerangriff. In einem Interview erzählt unter anderem der Journalisten David Delos, wie er den Angriff erlebt hat. Von Minute 3:44 an spricht er darüber, wie frustrierend es sei, dass man keine aktuellen Nachrichtensendung produzieren könne aufgrund des Netzwerk-Ausfalls. Das Problem: Delos sitzt während des Interviews vor einer Büro-Trennwand, die überklebt ist mit etlichen Notizzetteln.

Twitter-Nutzer entziffert Passwort an der Wand

An dieser Stelle im Video hat der Twitter-Nutzer pent0thal eine Entdeckung gemacht: Auf den Zetteln sind Zugangsdaten notiert, darunter sowohl die Nutzernamen als auch die Passwörter zum Kurznachrichtendienst Twitter, zum Videokanal YouTube und zum Bildernetzwerk Instagram. Das Technik-Blog "Arstechnica" war auf die Tweets aufmerksam geworden.

Die Buchstaben sind zwar sehr unscharf, dennoch ist es pent0thal gelungen, das Passwort zu entziffern. Auf einem Post-It-Zettel für den YouTube-Kanal ist demnach angeblich das Passwort "lemotdepassedeyoutube" zu erkennen. Das heißt übersetzt so viel wie "das Passwort für YouTube". Daneben sind offenbar auch die Zugangsdaten für Twitter und Instagram notiert. Doch auch hier lassen sich das Passwort nicht entziffern, die Zeichen sind zu unscharf. Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE hat TV5 Monde bisher nicht geantwortet.

Die Online-Angebote des Fernsehsenders leiden noch immer unter den Folgen des Hackerangriffs im Zeichen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Nachdem am Donnerstagmittag die Kanäle teilweise wieder erreichbar waren, ist die Website am Freitagmorgen und in der Nacht erneut ausgefallen. Allerdings funktionieren die Sendeanlagen wieder, das Fernsehprogramm wurde wieder ausgestrahlt.

Hacker hatten TV5 Monde in der Nacht zuvor lahmgelegt: Die Fernsehprogramme des Senders waren stundenlang unterbrochen, auf der Webseite und den Social-Media-Konten war IS-Propaganda zu sehen.

jbr

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insgesamt 36 Beiträge
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1. 'Youtube-Passwort'
deegeecee 10.04.2015
Für ein Passwort nach diesem simplen Schema bräuchte er doch eigentlich keinen Merkzettel. Sicher, dass es sich nicht um einen Scherz oder eine falsche Fährte handelt?
2. Das übliche Problem
dux.lupus 10.04.2015
Technische Lücken sind das Eine. Viel gefährlicher ist der Faktor Mensch. Passwörter unter Schreibunterlagen oder gar an Monitore geklebt sind nun mal ein Einladung. Dieser Vorfall zeigt für mich vor allem die nicht vorhandene Sensibilität für das Thema Datenschutz bei TV5 Monde. Wer so mit seinen Passwörtern umgeht, muss sich nicht wunder, dass irgendwann die Website gehackt wird.
3.
stauner 10.04.2015
Leider ist es völlig normal, daß unbedarfte Mitarbeiter solche Passwörter wählen. Jeder IT Admin wird das bestätigen können. Deshalb sollten Mitarbeiter keine sicherheitsrelevante Passwörter selber auswählen können. Der Fernsehbeitrag mit den Passwörtern im Hintergrund wurde erst am gestrigen Donnerstag ausgestrahlt - kann also mit dem Hack direkt nichts zu tun haben. Wenn die anderen Passwörter nach dem gleichen Schema gewählt sind, muss man kein Hacker sein um den Sender zu übernehmen. Die Angewohnheit ein Passwort auf einen Zettel am Bildschirm oder der Pinwand zu schreiben ist auch völlig normal. Leider.
4. @ #1 Scherz oder falsche Fährte
bold_ 10.04.2015
Mag sein. Nur nach diesem GAU-Hack traue ich TV5 "alles" zu - zumindest bezüglich der offenkundig mangelhaften Sicherung ihrer Gesamtsysteme. Bin Laden hat ja im Erdloch gehaust - vielleicht mit einem Rechner und Internetzugang. Seine "Nachfolger" haben - technologisch - die Zeitreise vom Mittelalter in die Hack-Zeit derart schnell und perfekt vollzogen, daß man sich wirklich Sorgen um unsere Infrastrukturen machen muß. Jetzt könn(t)en die Schlapphüte der "Five Eyes" ja mal zeigen, was sie drauf haben - aber werden sie das, um Fernsehsender oder die Stromversorgung eines Landes zu schützen?
5. gehackt
cevra 10.04.2015
ich habe nie verstanden weshalb sowas als "gehackt" oder "hacker-angriff" bezeichnet wird. wenn die selbst direkt nach so einem vorfall derartig schlampig mit ihrer sicherheit umgehen, dann sind die auch nie "gehackt" worden, jemand hat einfach deren passwörter gefunden oder erraten
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