Web-Zwillinge: "Schreib mir, flipp nicht aus, mit viel Liebe, Anaïs"

Von Eva Huber

Samantha Futerman und Anaïs Bordier haben sich im Netz gefunden. Sie sehen sich extrem ähnlich, wurden am selben Tag in Südkorea geboren, wuchsen auf verschiedenen Kontinenten auf und sind womöglich Zwillinge. Nun wollen sie sich treffen und eine Doku drehen, finanziert per Crowdfunding.

Crowdfunding: 40.000 Dollar sammeln die Frauen für ihr Treffen und den DNA-Test Zur Großansicht

Crowdfunding: 40.000 Dollar sammeln die Frauen für ihr Treffen und den DNA-Test

Die unglaubliche Geschichte der mutmaßlichen Zwillingsschwestern Anaïs Bordier und Samantha Futerman hat sich in ein lukratives Geschäft verwandelt. Die beiden haben ein Crowdfounding-Projekt gestartet und erzählen auf Kickstarter, wie sie sich übers Internet kennengelernt haben. Das erste Mal habe Anaïs Samantha in einem YouTube-Video gesehen. "Das Mädchen auf dem Bildschirm blickte mich an, und ich sah mich selbst", sagt die 25 Jahre alte Studentin in ihrer Projektbeschreibung, in der sie um Spenden bittet. Die Französin Anaïs Bordier recherchierte über ihre Doppelgängerin aus den USA. Beide haben am selben Tag Geburtstag, sie wurden in Südkorea geboren und als Babys adoptiert.

Schließlich schrieb Anaïs, die in London Modedesign studiert, eine Nachricht über Facebook an Samantha, die in Los Angeles an ihrer Schauspielkarriere feilt. Sie erzählte davon, wie sehr sie sich ähnelten, fragte, in welcher Stadt Samantha geboren sei, und endete mit der Bitte: "Schreib mir, flipp nicht aus, mit viel Liebe, Anaïs." Als Samantha Futerman die Nachricht las, habe sie gewusst, dass sie eine Reise unternehmen würde, die nie zuvor jemand gemacht habe, schreibt die Amerikanerin nun. Nach dem ersten digitalen Kennenlernen und einem Gespräch über Skype sei sie sich sicher gewesen: "Dieses Mädchen ist meine biologische Zwillingsschwester."

Nun wollen die Frauen sich treffen und einen Dokumentarfilm über ihre Geschichte drehen. Sie wollen alles dokumentieren, vom ersten selbst aufgenommenen Skype-Chat, über Videoreisetagebücher bis hin zum DNA-Test, der klären soll, ob sie wirklich Zwillingsschwestern sind. Auf Kickstarter unterstützen bereits mehr als tausend Menschen ihr Projekt - nicht zuletzt auch deshalb, weil diverse US-Medien wie die "Huffington Post" und die TV-Sender ABC und NBC über das Projekt berichtet haben.

Es gibt auch Zweifel an der Echtheit dieser fast zu schönen Geschichte, doch PR-Mann Anthony Turk, der das Projekt betreut, bekräftigt: Es gebe beide Frauen tatsächlich, und man habe es nicht mit einer Marketingkampagne zu tun. Samantha und Anaïs hätten nun die Chance bekommen, ihr erstes Treffen in einem persönlichen Film selbst zu dokumentieren.

Mehr als 40.000 Dollar hatten die beiden Frauen bis Donnerstagvormittag bereits eingesammelt. Genug, um ihr Filmprojekt umzusetzen und sich auf die Reise zu machen zum ersten Familientreffen.

Der Fall von Anaïs Brodrier und Samantha Futerman wäre nicht das erste Mal, dass sich lange verschollene Familienmitglieder über das Internet wiedergefunden haben. Die Geschichten sind teilweise skurril, zum Beispiel die des Inders Saroo Brierley. Nach 25 Jahren fand er seine Mutter wieder, nachdem er Google Earth nach Orten aus seinen Kindheitserinnerungen abgesucht hatte. Vor ein paar Monaten half der siebenjährige Eddie Hanzelin dem Mieter seines Vaters, über Facebook die lange verschollene Schwester wieder ausfindig zu machen. Die beiden hatten sich 65 Jahre lang nicht gesehen.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Eh hier wieder der miesepetrige, mißgünstige Shitstorm ...
cuchullain 11.04.2013
... losbricht, ich wünsch den beiden das Allerbeste!
2. optional
mayazi 11.04.2013
Juhuuu, vielleicht schaffe ich den zweiten positiven Kommentar? Die Geschichte ist wunderbar! Hoffentlich mögen sich die beiden!
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