Twitter-Sammlung: Der gefährlichste Mann Floridas
Er reitet auf einem sterbenden Pottwal, klaut Pfadfinderinnen Kekse und benimmt sich auch sonst daneben: Der ominöse "Mann aus Florida" existiert vor allem als Twitter-Account. So viele bizarre Verfehlungen kann sich kaum ein Mensch allein leisten.
"Mann aus Florida zündet im Streit Auto einer Frau an, die Polizei findet ihn später mit der Frau beim Sex am Strand", so berichtet es die "Florida Times-Union". Eine kleine Meldung - die sich einreiht in eine beeindruckende Liste von zum Teil bizarren Straftaten, die der "Mann aus Florida" begangen haben soll. Gesammelt werden diese Fälle von einem Unbekannten auf Twitter. Unter "Florida Man" lässt sich nachlesen, was der "Mann aus Florida" nun wieder angestellt habe. Eine kleine Auswahl:
- "Mann aus Florida klaut Pfadfinderinnen Kekse und verkauft sie selbst."
- "Mann aus Florida sperrt seine Schwiegermutter in eine ausziehbare Couch."
- "Mann aus Florida festgenommen, weil er auf einem sterbenden Pottwal ritt."
- "Mann aus Florida hält es für sein in der Verfassung verbrieftes Recht, einen Esel zu vergewaltigen."
Schon klar: "Mann aus Florida" schreiben die Medien, wenn sie den mutmaßlichen Straftäter nicht schon in der Überschrift beim vollen Namen nennen wollen. Das hat weniger mit Rücksicht zu tun als vielmehr damit, dass kaum jemand auf Anhieb mit den Namen etwas anfangen könnte. In der Zusammenstellung mehrerer Überschriften liest sich das Ganze dann wie das Skript einer ziemlichen schlechten Daily Soap. Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heißt: "Mann aus Florida"! Unter anderem mit diesen Fällen:
- "Mann aus Florida verkleidet sich sechs Monate lang als Polizist, um seine Freundin zu beeindrucken, arbeitet eigentlich bei Pizza Hut."
- "Mann aus Florida greift seinen Mitbewohner mit einem Teppichmesser an, weil der zu wenig Drogen eingekauft hat."
- "Mann aus Florida bedroht seinen Nachbarn mit einer Kettensäge, die er nicht angeworfen bekommt."
- "Mann aus Florida schlägt seinen Freund mit einem Teller, weil der zu viel Alanis Morissette hört."
Der US-Bundesstaat Florida mit seinen mehr als 19 Millionen Einwohnern ist eigentlich für seine Touristenattraktionen bekannt, für Walt Disney World und Miami Beach. Integrität, Exzellenz, Innovation sind einige der Werte, mit denen die Seite "Visit Florida" um Touristen wirbt. Die kommen in Scharen: mehr als 89 Millionen im vergangenen Jahr, ein neuer Rekord, Tendenz steigend.
Im Vergleich dazu sind die Zahlen aus der Social-Media-Welt verschwindend gering. Allerdings hat der "Florida Man" mit seinen Lach- und Schreckgeschichten die offizielle Propaganda auf Twitter schon abgehängt. Dem "Florida Man" folgen fast 70.000 Nutzer, "Visit Florida" liegt mit rund 46.000 zurück. Statt Ausgehtipps für Delray Beach interessieren Twitterer offenbar eher Nachrichten wie
- "Halluzinierender Mann aus Florida bildet sich ein, Aliens zu sehen, betritt ein Geschäft mit einem großen Messer und bittet, nicht gegessen zu werden".
ore
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- Sonntag, 03.03.2013 – 17:18 Uhr
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Das Internet hat eine neue Form des Unterhaltungskonsums hervorgebracht. Es fing an mit Videos, Fotos, Powerpoint-Präsentationen, die per E-Mail herumgeschickt wurden, ging weiter mit über Instant-Messaging-Dienste verbreiteten Links zu Clips mit skateboardfahrenden Hunden oder ungelenken Kindern beim Lichtschwert-Exerzieren und fand seinen vorläufigen Höhepunkt im Weitererzähl-Web der digitalen Gegenwart. Der Lacher für die Mittagspause wird heute über Facebook oder Twitter weitergereicht, genau wie der schnelle Niedlichkeits-Kick (Katzenvideos!) als Mittel gegen den grauen Büroalltag oder der mitgefilmte schmerzhaft-dämliche Skateboard-Unfall für zwischendurch.

Die kaskadische Form der Informationsverbreitung, die gerade Dienste wie Twitter ermöglichen, hat dem Phänomen des spontanen Internet-Hypes ein perfektes Biotop geschaffen. Auch ein Jahre altes Video von einem lachenden Pinguin kann urplötzlich innerhalb weniger Stunden ein Millionenpublikum erreichen - wenn geheimnisvolle Faktoren zusammenkommen, die noch niemand so recht entschlüsselt hat (wer das schafft, wird vermutlich sehr reich werden).

Und was sich lang genug in den Köpfen der Menschen hält, was weiterverarbeitet, verballhornt, umgedeutet, neu abgemischt wird, bringt es im Informationsverbreitungs-Wunderland Internet vielleicht sogar zum Mem.
für die Inhalte externer Internetseiten.
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