Personalisierte Werbung Twitter will wissen, welche Apps Sie haben

Ahnen Sie, was Twitter auf Ihrem Smartphone treibt? Das Unternehmen will erfahren, welche Apps seine Nutzer installiert haben - und guckt bald ungefragt nach. Die Funktion lässt sich aber abschalten.

Twitter-App: "Maßgeschneiderte Inhalte bereitstellen"
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Twitter-App: "Maßgeschneiderte Inhalte bereitstellen"


Twitter hat am Mittwoch angekündigt, die Liste der auf den Mobilgeräten seiner Nutzer installierten Apps zu erfassen und "gelegentlich" zu aktualisieren.

Grund für die Neugierde : "Auf diese Weise können wir maßgeschneiderte Inhalte bereitstellen, an denen Du interessiert sein könntest." Es geht also um individuell auf den Nutzer zugeschnittene Werbung.

Zu diesem Zweck würden Informationen darüber gesammelt, welche Anwendungen ein Nutzer auf seinem Mobilgerät gespeichert habe. Daten innerhalb dieser Apps, wie oft etwa sie genutzt würden oder welche Inhalte jemand geteilt habe, blieben außen vor. Bevor die Funktion ihre Arbeit aufnehme, werde zudem jedes Twitter-Mitglied durch eine Meldung benachrichtigt.

Twitter ist beileibe nicht das einzige Onlineunternehmen, das mit dem sogenannten Targeted Advertising Geld verdient. Auch Facebook sammelt zu diesem Zweck alle möglichen Informationen. Dabei beschränkt sich das soziale Netzwerk jedoch auf solche Apps, die auf dem hauseigenen "Software Development Kit" basieren.

Die Funktion lässt sich abschalten

Immerhin verspricht Twitter seinen Nutzern, sie könnten das standardmäßig aktivierte Ausspäh-Feature per Opt-out in den Einstellungen abschalten. Wer "nicht an einer maßgeschneiderten Erfahrung interessiert" ist, bekommt von Twitter Schritt für Schritt erklärt, wie er die Funktion bei Android- oder iOS-Geräten deaktiviert.

Die Einschätzung von "Read Write" fällt nicht besonders positiv aus. "Hier in Amerika gibt es zwei Sachen, von denen wir nie genug bekommen", heißt es beim Hightech-Fachdienst. "Zeug zum Kaufen und Verletzungen der Privatsphäre." Dies würde auch dadurch nicht besser, dass das Unternehmen die Datenerfassung seinen Nutzern in Marketing-üblicher Manier als Gewinn und Vorteil anpreise.

Auch "The Next Web" scheint von Twitters Neuerung nicht überzeugt zu sein und gibt ebenfalls Tipps, "wie man Twitter daran hindert, App-Daten zu sammeln".

meu



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Walter Sobchak 27.11.2014
1.
Bei Windows Phone gibts solche weitgreifenden Rechte-Auswüchse erst garnicht. Ich versteh sowieso nicht, warum man immer *alle* Rechte einer App zulassen muss und nicht selektiv, und diese App dann trotzdem installieren. Für Twitter wäre dann das einzige Recht: Internetzugriff ausgehend.
xon 27.11.2014
2. ja, ja...
...und während ich mich durch den SPON-Artikel mit diesen völlig überraschenden News scrolle, begegnen mir je eine Anzeige für "Talisker Storm" (ich trinke keinen Whisky) und für "Damen-Kleiderpaket Grösse M" (ich trage keine Damenwäsche). Folglich: Wenn man im Glashaus sitzt, a) nicht mit Steinen werfen, und b) bitte genauere Daten erfassen, damit mich die "massgeschneiderte" Werbung nicht langweilt.
deranaluest 27.11.2014
3. Lösung
Weg mit dem ganzen App Geraffel und einfach wieder den Browser nutzen. Da zieht sich dann keiner mehr das komplette Telefonbuch, Kalender, welche Apps man hat, Standorte und was heutzutage noch so alles opportun ist.
bjbehr 27.11.2014
4. Der gläserne Planet
Was für eine schizophrene Gesellschaft! Die ganze Welt spricht über Snowden, der NSA, der Datenschnüffelei, den wildernden Geheimdiensten dieser Welt und gleichzeitig ist sie technikhörig bis zum Kopfschütteln: Smartphones, Twitter, facebook, Apps - alles dient doch nur dem einen Zweck, nämlich ALLES über ihre User und Benutzer herauszufinden, abzuspeichern und zum gegebenen Zeitpunkt zu - "verwenden", wenn nötig, gegen sie. Schlimm nur, dass es zahllose Politiker, Firmen, Unternehmen und öffentliche Persönlichkeiten ebenso ungenau damit nehmen, sich selbst auf diesen digitalen Rummelplätzen tummeln und nichts anderes tun, als damit ihre eigene Gleichgültigkeit zu demonstrieren. Ich für meinen Teil lehne diesen ganzen Schweinskram rundherum ab und mache es dem "Großen Bruder" wenigstens so schwer wie möglich, auch aus mir einen gläsernen Bürger zu machen, indem ich freiwillig liefere. Die Geschwindigkeit dieser uferlosen Auswüchse nimmt gerade erst Fahrt auf, wir finden uns in Gondeln ohne Steigbügel. Doch dann wird es zu spät sein, die Reset-Taste zu drücken. Alle Regierungen dieser Welt inklusive ihrer Digital-Minister oder -Spezialisten lahmen dieser Geschwindigkeit vollends hinterher, mit der sich diese Welt in unser aller Leben drängt, adäquate Datenschutzgesetze zu erlassen. Schluss. Aus. Vorbei. 1949 trat jemand an, einen Zukunftsroman zu schreiben, den er "1984" nannte. Wie wir heute wissen: ein Kinderbuch.
kdshp 27.11.2014
5.
Kann nicht mal wer ne app schreiben wo bewußt falsche daten abgelegt bzw. übermittelt werden? "Wir" sollten Twitter und co mal so richtig zu müllen.
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