Cyberattacke Islamisten hacken offenbar Twitter-Account des US-Militärs

Die Twitter- und Youtube-Accounts des zentralen Einsatzkommandos des US-Militärs sind offenbar von Islamisten gehackt worden. Darüber verbreiteten die Radikalen Drohungen gegen amerikanische Soldaten und zeigten angebliche Geheimpläne.

Twitter-Account übernommen: Das "Cyber-Kalifat"
Screenshot: SPIEGEL ONLINE

Twitter-Account übernommen: Das "Cyber-Kalifat"


Washington - Hacker haben am Montagabend europäischer Zeit den Twitter-Account und den Youtube-Kanal des zentralen Einsatzkommandos der US-Streitkräfte übernommen. Offenbar handelt es sich um Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Die Hacker bezeichneten sich als "Cyber-Kalifat". Beide Accounts wurden nach etwa einer Stunde vom Netz genommen.

Der Twitter-Account des Central Command zeigte zeitweise das Bild eines vermummten Dschihadisten und den Schriftzug "i love you isis".

ISIS ist eine andere Bezeichnung für den IS. Das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigte den Cyberangriff, es bestehe aber keine Sicherheitsgefahr, hieß es.

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"Im Namen Allahs" stießen die Unbekannten Drohungen gegen amerikanische Soldaten aus. "ISIS ist schon hier, wir sind in euren PCs, in jeder Militärbasis", hieß es dort. "Wir werden nicht aufhören! Wir wissen alles über euch, eure Frauen und eure Kinder." Dazu wurde eine Namensliste von Generälen mit ihren Anschriften veröffentlicht mit der Überschrift "Amerikanische Soldaten, wir kommen, seht euch vor!".

Twitter selbst äußerte sich nicht zum Hackerangriff. "Wir kommentieren aus Gründen der Privatsphäre und der Sicherheit keine individuellen Accounts", sagte ein Sprecher. Das Pentagon habe Twitter mit der Bitte um Sicherheitsmaßnahmen kontaktiert. "Wir arbeiten mit ihnen zusammen, um das Problem zu lösen", sagte der Sprecher.

Pentagon-Sprecher Steven Warren sagte: "Centcom ist nicht gehackt worden, Twitter ist gehackt worden." Der Angriff sei aber nicht mehr als ein Cyber-Streich.

Auf dem Account wurden unter anderem angebliche Geheimpläne des US-Militärs zu China und Korea gezeigt. Dabei scheint es sich aber nach ersten Erkenntnissen um frei verfügbares Kartenmaterial zu handeln. Auch eine veröffentlichte Liste mit den privaten Telefonnummern von Offizieren soll schon veraltet sein.

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Das Banner des YouTube-Kontos zeigte zeitweise ebenfalls den verhüllten Kopf und die Worte "Cyber Kalifat". Auch das Propagandavideo "Flammen des Krieges" und ein weiterer Clip wurden auf dem Kanal veröffentlicht.

Das Central Command steuert den Einsatz gegen den IS im Irak und in Syrien, wo die Terrormiliz weite Teile der Länder unter ihre Kontrolle gebracht hat. Auch die jüngsten Terroranschläge in Frankreich wurden teilweise mit dem IS in Verbindung gebracht.

Ein Sprecher von Präsident Barack Obama sagte zu dem Cyberangriff: "Wir nehmen das ernst." Allerdings solle man bedenken, dass es "einen ziemlich bedeutsamen Unterschied gibt zwischen einer breitangelegten Datenschutzverletzung und dem Hacken eines Twitter-Accounts".

stk/Reuters/AFP/dpa

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