Mensch statt Maschine: Hilfsarbeiter pflegen Twitters Echtzeitsuche

Was liegt an? Twitter will abbilden, was genau in diesem Moment auf der Welt passiert. Damit die Suchfunktion passende Treffer liefert, beschäftigt das Unternehmen eine flexible Truppe von Aushilfskräften. Die Algorithmen bekommen menschliche Nachhilfe.

Twitter-Logo: Die Echtzeit-Suche bekommt Nachhilfe von Billigkräften Zur Großansicht
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Twitter-Logo: Die Echtzeit-Suche bekommt Nachhilfe von Billigkräften

Rund um die Uhr arbeiten Aushilfskräfte für Twitter an der Verbesserung von Suchergebnissen. Das Unternehmen setzt dazu auf einen Dienst von Amazon, bei dem man simple Aufgaben am Computer von Menschen erledigen lassen kann. Das erklärten nun zwei Mitarbeiter in einem Blog-Eintrag. Häufig gesuchte Begriffe schickt Twitter an ausgewählte Billiglöhner, damit die Nutzer auch wirklich Fotos und Tweets zu aktuellen Themen finden - und die passende Werbung eingeblendet werden kann.

Suchen zum Beispiel Twitter-Nutzer plötzlich viel nach "Stanford", muss damit nicht die Universität an sich gemeint sein - es könnte gerade ein Footballspiel zwischen Stanford und Berkeley stattfinden. Die Twitter-Suche liefert also bestenfalls aktuelle Bilder und Tweets zum Spiel. Dieses Beispiel wird in dem Blog-Eintrag genannt, der die externe Themenredaktion erklärt.

Anstatt selbst Mitarbeiter einzustellen, die im Schichtbetrieb die Suchtreffer verbessern, nutzt Twitter Amazons "Mechanical Turk". Das ist eine Plattform mit angeschlossener Datenschnittstelle, über die sich simple Aufgaben an Hilfsarbeiter vergeben lassen, für ein paar Cent oder wenige Dollar. Twitter nutzt einen festen Pool von solchen Arbeitern in mehreren Ländern, die flexibel und rund um die Uhr eingesetzt werden. Suchanfragen bekommen sie automatisch zugewiesen und sortieren sie in Kategorien, schauen nach interessanten Fotos auf Twitter, sagen der Datenbank, ob es um eine bestimmte Person geht.

Flexibel, genügsam, günstig

Mit Hilfe dieser Informationen soll Twitter schneller zu aktuellen Ereignissen relevante Suchtreffer anzeigen - und sich zum Beispiel von Google absetzen. Zu besonderen Ereignissen richtet Twitter bereits besondere Themenseiten ein, etwa zu den Olympischen Spielen. Auch für die Parteitage von CDU und SPD gab es Twitter-Sonderseiten. Damit wird Twitter mehr und mehr zum Nachrichtenportal. Parallel dazu experimentiert Twitter auch damit, Suchergebnisse zu personalisieren, also den einzelnen Nutzern auf sie zugeschnittene Ergebnisse zu liefern.

Twitter findet viele lobende Worte für die über Amazon organisierten Hilfsarbeiter: Man könne darauf verzichten, Mitarbeiter einzustellen. Das spare Geld, außerdem müsse man nicht auf deren Arbeitszeiten Rücksicht nehmen. Twitter nutzt seine externe Themenredaktion lieber wie eine Computer-Ressource: Aufgabe automatisch zuweisen, Ergebnis einsammeln.

Außerdem, heißt es in dem Blog-Eintrag, unterhalten sich diese Hilfskräfte auf Mailinglisten, Foren und Chat-Räumen miteinander. Wenn es sein muss, sollen sie über diese Kanäle auch Kontakt zu Twitter aufnehmen können. Es sei ein Leichtes, heißt es in dem Blog-Eintrag, noch vor dem Mittagessen Tausende Einordnungen von Suchworten vornehmen zu lassen.

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