Medienbericht Twitter, ein "Honigtopf für Arschlöcher"?

Viele Twitter-Nutzer werden beleidigt und bedroht, doch die Plattform unternimmt wenig gegen das Problem. Eine "Buzzfeed"-Recherche legt nahe, dass in der Zentrale der Wille dazu fehlt. Nun wehrt sich Twitter.

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Belästigungen auf Twitter sind ein Problem, das die Plattform seit ihrem Start vor rund zehn Jahren nicht los wird. Viele Nutzer beklagen, dass der Konzern zu wenig gegen Trolle unternimmt, die ihren Hass nahezu ungehindert auf der Plattform verbreiten könnten.

Das US-Portal "Buzzfeed" legt in einem längeren Text nun nahe, dass das Problem unter anderem deshalb nicht gelöst werden kann, weil innerhalb des Unternehmens der Wille dazu fehlt, es entschlossen anzugehen. Der Text, in dem mehrere ehemalige hochrangige Mitarbeiter - meist anonym - zitiert werden, beschreibt die Inaktivität der Verantwortlichen, darunter Ex-Chef Dick Costolo.

Prominente Abgänge

Twitters Selbstverständnis als Plattform, auf der keine Zensur stattfinden soll, unterminiere alle Ansätze, gegen Missbrauch und Trolle auf dem Dienst vorzugehen, wird ein anonymer Ex-Mitarbeiter zitiert: "Was früher als Tugend des Dienstes bejubelt wurde, ist zu seiner Achillesferse geworden." Twitter habe sich zu einem "Honigtopf für Arschlöcher" gewandelt, sagt ein anderer.

Einer der letzten prominenten Abgänge auf Twitter war die US-Schauspielerin Leslie Jones. Sie kündigte im Juli an, Twitter verlassen zu wollen. Weil sie in der Neuverfilmung von "Ghostbusters" mitspielt, wurde sie öffentlich über das Social-Media-Netzwerk massiv rassistisch beschimpft und beleidigt. Von solchen Erfahrungen berichten auch deutsche Twitter-Nutzer, etwa die Publizistin und Aktivistin Kübra Gümüsay.

Twitter reagierte in Jones' Fall zwar und sperrte einen von Jones' Trollen dauerhaft von der Plattform aus, woraufhin die Schauspielerin zurückkehrte. Aber bei vielen weniger prominenten Opfern tue sich nichts, beklagt der "Buzzfeed"-Text. Die Melde-Funktionen des Dienstes versagten in vielen Fällen.

Twitter kritisiert "unfaire Darstellungen"

Das Unternehmen hat in einem Blogeintrag auf den "Buzzfeed"-Text reagiert. Die Geschichte enthalte "Ungenauigkeiten" und "unfaire Darstellungen". Anstatt sich mit "Buzzfeed" zu streiten, werde man weiter daran arbeiten, Twitter zu einer sicheren Umgebung zu machen. An welchen Stellen des Textes Twitter sich genau stört, bleibt offen.

Auch Costolo reagierte in zwei Tweets auf die Geschichte. Ihm wird darin unter anderem vorgeworfen, dass er in öffentlichen Twitter-Fragerunden mit US-Präsident Barack Obama und einer anderen Prominenten Nutzerfragen zensiert habe. Laut Costolos Tweet sei das aber "völliger Unsinn".

Am Donnerstag sah Twitter sich zudem genötigt, Gerüchte zu dementieren, der Dienst mache dauerhaft dicht. Die Gerüchte über eine drohende Schließung hatten kurzzeitig für eine Flut von Tweets gesorgt - teils besorgt, teils empört und vielfach belustigt.

gru

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