Maßgeschneiderte Accounts: Twitter will Surfverhalten auswerten

Twitter will seinen Benutzern maßgeschneiderte Inhalte präsentieren - und merkt sich dazu, welche Seiten mit Twitter-Button angesurft wurden. Immerhin soll sich die Spähfunktion abschalten lassen.

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Twitter-Seite: Den eigenen Interessen folgen

Die Haltung des Microblogging-Dienstes Twitter zum Thema Datenschutz und Privatsphäre erregt derzeit einigen Unmut in der Netzgemeinde. Am Donnerstag kündigte Twitter-Manager Othman Laraki im hauseigenen Blog ein "maßgeschneidertes Vorschlagssystem" an. Damit werde den Nutzern die Entscheidung erleichtert, welchen Twitterern sie folgen wollen.

Dabei sollen die individuellen Interessen jedes einzelnen berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck wertet Twitter Informationen aus, die von Webseiten stammen, auf denen Twitter-Buttons oder -Widgets installiert sind. Wer zum Beispiel regelmäßiger Leser der "Huffington Post" ist, würde Vorschläge zu anderen Twitter-Profilen erhalten, denen überdurchschnittlich viele "Huffington-Post"-Leser folgen. Wer neu zu Twitter kommt, soll laut Blog zudem die Möglichkeit bekommen, sich einen persönlichen Account maßschneidern zu lassen anhand der Webseiten, die er zuletzt besucht hat.

Was zunächst gut gemeint scheint, erregt allerdings auch Ärger. Programmentwickler Dustin Curtis stellt klar, was Twitter genau anstellt: "Jedes Mal, wenn Sie eine Seite besuchen, die einen 'Folgen'- beziehungsweise 'Twittern'-Button besitzt, zeichnet Twitter Ihr Verhalten auf." Natürlich sei diese Art der Datensammlung und Auswertung nicht sonderlich überraschend, andere soziale Netzwerke würden dasselbe tun. Doch die Fragen blieben: Wenn Twitter das User-Verhalten für größere Nutzerfreundlichkeit aufzeichne, könnte dasselbe nicht auch für kommerzielle Zwecke erfolgen? Wäre es für die Verantwortlichen in Ordnung, die gesammelten Informationen jedes einzelnen an Reklamefirmen zu verkaufen?

Dass Twitter sich im selben Atemzug der "Do-Not-Track"-Allianz (DNT) angeschlossen habe, wirke da nicht vollends beruhigend. Twitter-Mann Laraki hatte erklärt, wer die entsprechende Funktion in seinem Browser aktiviert habe, dessen Daten würden nicht aufgezeichnet. Das aber, so Dustin Curtis Kritik, sei nicht ausreichend. Tracking, das Ausschnüffeln des Surf-Verhaltens, sei eigentlich nur nach ausdrücklicher Zustimmung ("opt-in") der Betroffenen zulässig. Derzeit stehe Freunden der Privatsphäre aber umgekehrt nur das "opt-out"-Verfahren frei, indem sie eben die entsprechende Funktion im Browser aktivierten.

Immerhin stellte Twitter gegenüber Curtis klar, dass es die gewonnenen Informationen keinesfalls zu Werbezwecken weiterverkaufen werde. Die gesammelten Daten würden außerdem nach zehn Tagen wieder gelöscht.

Jules Polonetsky vom Future of Privacy Forum kritisierte, die Nutzung persönlicher Daten zur individuellen Anpassung Twitters gehe sogar über das von Facebook vorgelegte Maß hinaus. Die gleichzeitige Ankündigung des "maßgeschneiderten Vorschlagssystems" und der "Do-Not-Track"-Unterstützung sei ein kluger Schachzug gewesen. Twitter sei ziemlich gerissen, zwei Bekanntmachungen auf eine Weise zu verbinden, die auf positive Reaktionen abziele.

meu

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
Walter Sobchak 18.05.2012
Frechheit! Habe soeben alle twitter buttons via adblock ausgeschaltet.
2. Wozu?
luize 18.05.2012
Wollen diese Leute unseren Horizont absichtlich verkleinern? Wir steuern was ihr seht, verpackten das auch noch als Nutzerfreundlich und Komfortabel, und wenn ihr dann einen totalen Tunnelblick drauf habt und glaubt die ganze Welt denkt genauso wie ihr, dann sind wir im globalen Konsum Faschismus angekommen in dem keiner Platz hat der lieber selber denkt und selber macht, 20 Kilo zuviel wiegt oder 10 cm zu klein ist...
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